Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
194
JPEG-Download
 

194

Die Papierfabrikation.

feuchten in der Weise vor sich, daß man eine größere Anzahl derselben zu einem Stoßeordnet, zwischen je 8 —10 Bogen einen nassen Bogen einschaltet und das Ganze somehrere Stunden liegen läßt; die Feuchtigkeit teilt sich dann allmählich den anderenBogen ganz gleichmäßig mit. Soll Rollenpapier, also in der Form einer langen Papier-bahn, gefärbt werden, so findet das Anfeuchten auf den schon in der Papierfabrikationbesprochenen Fcuchtmaschinen statt.

Was nun das zweite wichtige Rohmaterial, die Farben, anlangt, so gehört dieDarstellung ihrer Gewinnung und Zusammensetzung in das Kapitel der Färberei; hiersind daher nur die in der Bnntpapierfabrikation verwendeten Farbensvrten und ihre Vor-bereitung zu besprechen. Es kommen hier hauptsächlich in Betracht vor allem die Körper-oder Deckfarben, die aus im Wasser unlöslichen, sein gepulverten Substanzen bestehen,dann die Lasurfarben, meist mattere, sanftere Farben aus im Wasser löslichenMaterialien, ferner die aus im Wasser löslichen Substanzen bestehenden Lackfarben,die durch Mischung mit bestimmten, im Wasser löslichen oder unlöslichen Materialien inunlösliche Farben verwandelt wurden, wozu hauptsächlich Thonerde, Kalk, Infusorienerde,Eisen-, Kupfer-, Zink-, Zinnoxyde, auch Stärke in Anwendung kommt, schließlich die so-genannten Kristall- oder Brokatfarben, welche durch Mischung von Farblösungcn mitzerkleinertem Metall oder einer Legierung oder Glimmer entstehen und im letzteren Falle

Glimmerbrokat genannt wer-den und einen Perlmutter-glanz zeigen.

MWWMVA:

!5l. Farbeilmifchinaschinr.

Wenn man jemandemden Auftrag erteilen würde,eine beliebig große, weißeFläche ganz gleichförmig miteiner Farbe zu bedecken unddabei doch auch nicht unnötigviel Farbe zu verwenden, sowürde derselbe bald darüberklar werden, daß die inStücken gelieferte, trockene

Farbsubstanz vor allem zu einem außerordentlich feinen, zwischen den Fingern nicht mehrfühlbaren Pulver zerrieben werden muß, schon der ökonomischen Verwendung wegen, weildann mit der gleichen Farbmenge eine größere Fläche bestrichcn werden kann, und daßdieses Pulver, wenn es an der glatten Fläche haften soll, mit einer dicklichen, klebrigenFlüssigkeit gemischt werden muß. Das Zerreiben der Farben wird in den Farbereibmaschinenvorgenommen, die wie gewöhnliche Mahlmühlen oder wie Kaffee- oder Kollermühlen, auchwie Walzmühlen gebaut sind. Als Bindemittel werden angewendet der tierische Leim,der aber hier ganz farblos, d. h. vollkommen rein sein muß: demselben wird, damit ernicht zu schnell verdirbt, etwas Alaun, und damit er dünnflüssiger und geschmeidiger er-halten wird, Glycerin zugesetzt. Ein anderes Bindemittel ist der arabische Gummi, deretwas durch schwefelsaure Thonerde verdickt wird, dann der Stärkeklcister, der ebenfallsdurch einen Zusatz von Alaun gegen eine Zersetzung geschützt werden muß, ferner Ocbsen-galle, der zu gleichem Zwecke etwas Alkohol oder Karbolsäure zugegeben wird, schließlichLeinölfirnis, Hausenblase, Dextrin.

Das innige Vermischen dieser Bindemittel mit der fein gepulverten Farbe wird inMischmaschinen bewirkt, von welchen eine von F. Flinsch in Offenbach gebaute in Abb. 151dargestellt ist. Dieselbe besteht aus einem Holzcylinder, in dessen Innern sich eine mitArmen versehene Achse dreht, die mit Hilfe dieser bis an die Cylinderwand reichendenArme die Farbe mit den Bindemitteln durcheinander mengt. Beides wird durch die rechtsoben befindliche Öffnung, die mit einem Teckel geschlossen werden kann, eingetragen. Dieso entstandene Masse muß nun noch durch ein Sieb hindurchgedrückt werden, um diedarin befindlichen Verunreinigungen auszuscheiden, was in der Farbensiebmaschine be-wirkt wird. Die durch das Sieb hindurchgedrückte Farbe fällt in ein unter die Maschine