Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
197
JPEG-Download
 

197

Die Herstellung des Buntpapiers.

Stab auflegt und von diesem nach beiden Seiten frei herabhängt; es bilden sich, wie dasaus der Abb. 152 ersichtlich ist, dicht nebeneinander liegende, besser, hängende Schleifendes endlosen Papiers, die durch die Weiterbewegnng eines zweiten, sehr langen Ketten-paares mit Hilfe der Stäbe langsam durch den ganzen Trockenraum hindurchgefühltwerden, wobei sie wieder links nach vorn kommen. Das fertig getrocknete Papier läuftschließlich über das ganz links sichtbare, bogenförmige Gestell einer Rolle zu, aus der esaufgewickelt wird. Die Holzstäbe fallen schon vorher selbstthätig in einen Sammelkasten.

Auch zum Trocknen der Bogen sind ähnliche Vorrichtungen in Verwendung, nurdaß hier die gefärbten Bogen in Kästen geliefert und diese von Ketten erfaßt, ebenfallsmehrmals durch einen Trockenraum hindnrchbewegt werden. Diese letzteren sind meist soeingerichtet, daß die erwärmte Luft mittels eines Exhanstors durch den Raum gesaugt wird.

Das Färben des Papiers oder der Pappe kann aber, außer nach der beschriebenenMethode auch auf der gewöhnlichen Papiermaschine vorgenommen werden, in welchemFalle über dem Langsieb derselben, d. h. unmittelbar über der soeben gebildeten Faser-schicht, der Breite des Papiers entsprechend lange, mit Farbe gefüllte Rinnen zwischenden Saugkästen aufgestellt werden, aus welchen die Farbe direkt auf die noch nasse Faser-schicht fließt, oder die Gautschwalze wird mit einem Filzüberzng versehen, der aus einemFarbgefäß getränkt, die Farbe auf das Papier überträgt. Die Pappe kann auch direktauf der Formatwalze gefärbt werden.

Die Herstellung der gemusterten Buntpapiere.

Sobald wir von einem Muster sprechen, trennen wir im Gedanken eine gemusterteFläche in zwei ganz verschiedene Flächenteilc, nämlich in den Grund und das Muster.Während also bei den schlicht gefärbten Flächen gewissermaßen nur der Grund vorhandenist, haben wir bei der gemusterten Fläche auch noch das Muster zu unterscheiden, dasgewöhnlich unsere Aufmerksamkeit im höheren Grade gefangen nimmt, als der erstere, da esgewöhnlich gefällige Formen zeigt und das, was wir Stil nennen, zum Ausdrucke bringt.Das gegenseitige Verhältnis von Grund und Muster kann ein außerordentlich mannig-faltiges sein, und von diesem Verhältnis hängt gewöhnlich der ganze Eindruck ab, den dieFläche aus uns macht. Während einerseits der Unterschied dieser beiden Flächen ein soscharfer ist, daß sich das Muster schon von weitem vom Grunde abhebt, kann anderseitsdie Fläche so behandelt werden, daß es schwer zu entscheiden ist, was in dem bestimmtenFalle als Grund und welche Fläche als Muster zu bezeichnen ist.

Diese beiden, einander begrenzenden und bestimmenden Flächen müssen, wie mansich denken kann, nicht immer bloß durch verschiedene Farben voneinander abgehobenwerden, es ist dies ja z. B. auch dadurch erreichbar, daß die das Muster bildende Flächeaus der Grundfläche Plastisch herausgehoben, oder von dieser letzteren durch höhereDurchsichtigkeit getrennt wird. Im ersteren Falle kommt die Schattenwirknng, im letzterender durchscheinende Untergrund zur Geltung und bringt den Eindruck der Musterung auchohne Farbenwirkung hervor. Außer der Musterung im engeren Sinne kommt aber aucheine Flächenbchandlung zur Anwendung, bei welcher wir nur von musterähnlichen Ge-bilden sprechen können. Wenn man z. B. auf eine einheitlich oder gar nicht gefärbteFläche Tropfen verschiedener Farben ganz regellos, wie vom Zufall geleitet, aufsprengtund dieselben teilweise ineinanderlaufen läßt, so kommt ein Flächenschmuck zustande, dernicht leicht als Musterung bezeichnet werden kann; viel eher wird dies der Fall sein,wenn ich die Farbtropfen auf der Fläche gleichmäßig verteile und dieselben durch Verziehenmittels eines stäbchenartigen Werkzeuges in annähernd gleiche Form bringe n. s. w.

Die Mittel nun, die bei der Musterung einer Papierfläche in Anwendung kommen, sindso mannigfaltiger Natur, daß sie kaum vollständig aufgezählt werden könnten, die Aufzählungwohl auch ermüdend wäre. Ich werde mich daher auf die Besprechung der am häufigstenin Anwendung kommenden Mittel beschränken und halte mich auch nicht für verpflichtet,an diesem Orte, der mehr der technischen Herstellungsmethode gewidmet ist, vom Stileder gemusterten Buntpapiere zu reden, d. h. von der Formgebung ihrer Ornamentierungin künstlerischer Hinsicht, in der es Buntpapiere mit gotischen, arabischen, türkischen,