226
Die Papierindustrie.
Bei der sogenannten Reformwäsche werden die Kanten der Kragen dadurch wider-standsfähiger gestaltet, daß der noch vor dem Bekleben mit Schirting ausgestanzte Papier kragen auf einen gleichgcformten Schirtingflcck ausgeklebt wird, der die Kanten desPapiers noch um 5 mm überragt. Das Papier wird hierbei mit der Hand mit Kleisterbcstrichen, dann auf den Schirtingflcck gelegt und beide behufs guten Zusainmcnklcbcnsdurch die sogenannte Anreibemaschine geschickt, die am Ende eines glatten Tisches zweiaus Kautschuk bestehende, übereinander angeordnete Walzen zeigt, die durch ein Knrbclradbewegt werden, wobei die obere Walze durch die an den Hebclcndcn befindlichen Gewichteaus die untere Walze gepreßt wird. Nun werden Kragen oder Manschetten im Kalandermit Glanz versehen und dann erst der überragende Schirting um die Kante herum-gcbogcn und festgeklebt.
Die Papiervorhemdcn werden aus derselben Verbindung von Papier und Schirtingdurch Ausstanzen erzeugt. Die Stellen, wo die Fältchen hinkommen, werden durchSchirtingstrcifen verstärkt und die Fältchen sodann durch Prägung erreicht, worauf dasAusstanzen der Knopflöcher erfolgt.
Papierkleider. Schon in der geschichtlichen Einleitung zur Buntpapierfabrikationwurde erwähnt, daß im Oriente schon vor vielen Jahrhunderten Kleider oder Unterkleider
aus Papier verwendetwurden, und es ist be-kannt, daß auch heutenoch bei Völkern, die aufeiner tieferen Kulturstufestehen, aber auch bei kul-tivierteren Völkern, wieden Japanern, papierneUnterkleider in Anwen-dungstehen. Solche Unter-kleider sollen von den Ja-panern im letzten Kriegegegen China getragenworden sein; es sind meistHemden, die aus einemgelblichen, feinen, alsoleicht faltbaren, aber dochso festen Papiere bestehen,
182—185. Llapirrkrngen.
daß die Knopflöcher eingesäumt werden können. Die einzelnen Teile des Kleidungsstückessind entweder zusammengeklebt oder genäht, an den Rändern mit Leinenlitzen besetzt.Dieselben wurden auch in Deutschland erprobt, haben sich jedoch nicht bewährt und sollenauch viel zu warm halten.
Daß Papier sehr warm hält, ist eine bekannte Thatsache und auch ganz erklärlich,da die Poren des Papiers jedenfalls infolge der Leimung kleiner sind als die eines Ge-webes. Die Arbeiter in Papierfabriken sollen diese Eigenschaft dadurch ausnutzen, daßsie an kalten Tagen ihre Beine, Schenkel unter den Kleidern mit Papierstreifen um-wickeln. Davon, daß Papierkleider bei den verschiedensten Völkern getragen wurden,gibt, wie bereits oben S. 191 erwähnt, ein aus dem Jahre 1787 stammendes, bei Alex.Shaw in London gedrucktes Buch Zeugnis, dessen Titel lautet: „Sammlung der durchKapitän Cook auf seinen drei Reisen gesammelten Kleiderstoffe." Diese Kleiderstoffestammen von den Südsee-Jnseln, sind meist grell gefärbt oder bemalt und lassen nur ander Rückseite erkennen, daß sie aus Papier bestehen.
Die Herstellung dieser Stoffe aus der Insel Tongatabu wird von Anderson, einemReisegefährten Cooks, in folgender Weise beschrieben: Die Frauen und Mädchen nehmenvier Finger starke Stämmchen des Papiermaulbeerbaumes, der selten höher als 2 mwächst; von diesen streifen sie die Borke ab und befreien diese von der äußeren grünenRindenschicht; die Borke wird dann in Wasser eingeweicht, mit grob gerieften Keulen