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Tie Tapetenfabrikation.
Das Erdgeschoß einer Tapetenfabrik nimmt gewöhnlich der Farbenranm ein, indem oft Hunderte mit den verschiedensten Farben angefüllte Tonnen stehen, die alle zu-gleich mehr oder weniger in Anbrach genommen sind. Man bedient sich für den Tapcten-druck hauptsächlich der Erdfarben, mitunter aber auch chemischer Farben oder der durchletztere nuancierten Erdfarben. Alle diese Farben werden hentigestags gebrauchsfertigvon Farbenwerken geliefert, so daß in den Tapetenfabriken keine Vorkehrungen für dasZerkleinern der Farben durch Mahlsteine n. s. w. erforderlich sind.
Für den Tapetendruck können selten Lasur-, sondern nur Deckfarben Verwendungfinden. Tie meisten Farben kommen in Pulver-, einige aber auch in Teigsorm in denHandel. Hauptsächlich werden gebraucht, Kreide, Bleierde, Ocker, Ehromgelb, Ultra-marin, Rotlacke, die massenhaft aus Farbehölzern gewonnenen braunen Farben, Kienruß-schwarz und andere mehr. Tie Zusammensetzungen müssen in Deutschland in Bezug aufVermeidung von schädlichen und giftigen Stoffen dem hierfür bestehenden Reichsgesetzgenügen.
Aus dem Farbenranm werden nun von Arbeitern die benötigten Quantitäten dereinzelnen Farben entnommen und in die in der Nähe gelegenen Misch stuben gebracht,die voll von Tonnen, Eimern und Krügen der verschiedensten Größe stehen. Indiesen werden die Farben mit Wasser gelöst und in der gewünschten Nuance zusammen-gemischt. Nachdem sie eine Zeitlang stehen gelassen und während dessen, um ein genauesUrteil über die Mischung zu gewinnen, oft umgerührt sind, wird den Farben das zurKonsistenz nötige Bindemittel zugesetzt. Hierzu diente ehedem tierischer Leim, der abereinesteils nicht farblos ist und andernteils den llbelstand besitzt, schon bei geringer Ab-kühlung fest zu werden. Honig, Sirup und ähnliche Zusätze bieten keine Haltbarkeit, sodaß die Farben schon bei den geringsten feuchten Niederschlügen an den Wänden zerstörtwurden. Neuerdings verwendet man daher fast ausschließlich Pflanzenleim, der sichzu einer von der Temperatur fast unabhängigen, durchaus gleichmäßigen, farblosen,sämigen Flüssigkeit auflöst, die alle gewünschten Bedingungen bestens erfüllt. Sobaldder Leim beigemischt ist, wird mit der gewonnenen Farbe zunächst ein etwa einen halbenBieter langes Stück Tapete versuchsweise bedruckt und zum Vergleich mit dem aus derHand gemalten Muster oder mit der Probetapete dein Betriebsleiter vorgelegt, der daraufdie gewünschten Farbenänderungen vermerkt. Wenn hiernach die Nuancen endgültig ab-gestimmt sind, kann der Druck beginnen.
In Zusammenhang mit der Mischstnbe müssen große Spülräume stehen, in denendie für den Betrieb erforderlichen zahllosen Gefäße durch rotierende Bürstenwerke undandere paßliche Vorrichtungen zu fernerer Benutzung wieder gesäubert werden. Zu diesemVorgang sind außerordentlich bedeutende Mengen von Wasser erforderlich, und derenleichte Herbeischaffung und Wiederableitung gehört daher zu den Grundbedingungen fürdie Prosperität des ganzen Fabrikunternehmeus.
Ein mindestens ebenso großer Raum wie für die Farben muß auch für die Papier-vorräte vorhanden sein und in leicht erreichbarer Verbindung mit den Maschinenräumenstehen. Das Papier für den Tapetendruck wird in Ballen von etwa 50 lc§ Gewichthergestellt. Jeder Ballen enthält je nach der Stärke der Ware 800—1500 m Papierund ist auf eine Holzwalze gewickelt, die ihrer Länge nach in der Mitte eine quadratischeÖffnung hat, so daß sich der Ballen mittels eines durchgesteckten Stabes handlich trans-portieren und später direkt in die Druckmaschine einsetzen läßt. Die Güte des Papiersrichtet sich nach der Qualität der Tapete, und es muß deshalb in der Fabrik eine be-trächtliche Menge verschiedener Papiersorten vorrätig gehalten werden. Oft verlohnt essich auch aus ökonomischen Gründen, mehrere Sorten in ihrer Anwendung für den beab-sichtigten Druck einer Tapete zu probieren. Alle für den Tapetendruck in Frage kommendenPapiere müssen schon bei ihrer Fabrikation geleimt sein. Für die sogenannten Naturell-tapeten wird das Papier außerdem in der Masse gefärbt, so daß es gleich den Grnndtoudes späteren Dessins besitzt. Für alle besseren Tapeten aber benutzt man gebleichtesPapier, auf das also vor dem Dessindruck stets noch eine Grundfarbe aufgetragen werdenmuß, auch dann, wenn der Grund weiß sein soll, weil die unbedeckte nackte Papierfläche
Buch der Erfind. VIII. 31