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Die Spinnerei.
Spinnstoffe aus Pflanzenstengeln, aus Baumstämmen, Zweigen und Rinden, ausBlättern, Früchten und Blüten, uon denen einzelne es bereits zu einer gewissen Be-deutung gebracht, andere, erst neuerdings bekannt gewordene, vielleicht in Zukunft nochWichtigkeit erlangen. Für jetzt sind vom industriellen Standpunkte aus als die wichtigstenund geradezu unentbehrlich gewordenen Stoffe für Gespinste und Gewebe einerseits dieSchafwolle und die Seide, anderseits die Baumwolle, der Flachs und der Hanf,welche letztere beide man auch gemeinschaftlich als Leinen bezeichnet, und die Jute zubetrachten.
Die Wolle. Je nach der verschiedenen Rasse der Schafe und deren Abarten istauch die von ihnen gewonnene Wolle von sehr abweichender Beschaffenheit, auf welcheüberdies noch Klima, Nahrung, Wartung und besonders Veredelung ganz wesentlich ein-wirken. Das aus Bergen und Hügeln lebende Schaf ist anders geartet als das im Tief-lande heimische; daher hat man zunächst das Höhen- oder Landschaf und das Niederungs-schaf zu unterscheiden. Zu der ersten Gattung gehören das deutsche Landschaf, das spanischeSchaf (Elektoral- und Negrettirasse) und die aus beiden Rassen hervorgehenden, veredeltenSchafe; zu der zweiten zählt man das englische, langwollige Schaf, das Marschschaf, dasHeideschaf und das ungarische Zackelschaf.
Nach den Haupteigenschaften der Wolle: Feinheit, Sanftheit, Geschmeidigkeit, Dehn-barkeit, Gleichförmigkeit, Festigkeit, Elastizität, Farbe, Glanz, Länge und Kräuselung, be-stimmt sich deren Wert und technische Brauchbarkeit. Die nächstdem wichtige Eigenschaftder Wolle, sich infolge der natürlichen Kräuselung zu verfilzen, kann durch Feuchtigkeit,Wärme und mechanische Behandlung unterstützt oder auch durch Einwirkung der beidenletzteren Ursachen aufgehoben werden. Je nachdem man nun den einen oder anderenZweck vor Augen hat, ist die dafür geeignetste Wolle auszuwählen, und hiernach unter-scheidet man Streichwolle, welche sich besonders zur Verfertigung tuchartiger, ge-walkter Zeuge mit filzartiger Oberfläche eignet, und Kammwolle, die znr Verfertigungglatter Wollzeuge dient, bei denen die Fäden offen und völlig sichtbar auf der Ober-fläche liegen.
Zum Streichgarn oder dem Gespinst für Tuch, Flanell, Fries, Kasimir, Molton u. s. w.wird demnach die sich besser walkende oder filzende fein- und kurzhaarige, stark gekräuselteWolle, zum Kammgarn oder zu dem Gespinst für Merino, Tibet, Kaschmir , Wollmusselin,Bombassin und Atlas aber glatte, langgewachsene, mehr oder minder weiche und zum Teilauch starkhaarige Wolle verwendet. Mit Kette von Seide oder Baumwolle aber werdenweiche Kammgarne zu halbwollenem Kaschmir , Alepine, Chaly u. s. w. verarbeitet. Da-gegen werden aus langen englischen oder australischen Wollen, als Alpako und Mohair,harte Kammgarne und aus diesen die sogenannten Lüster: Orleans , Lasting, Möbel-damaste, Plüsche u. s. w. teils rein, teils gemischt verarbeitet.
Um eine ungefähre Vorstellung über die Produktion des Rohstoffs zu gewinnen,welche in erster Linie von der Pflege der Schafzucht in den verschiedenen Ländern abhängt,mögen hier folgende statistische Daten zusammengestellt sein. Die Anzahl Schafe, welcheim Jahre 1895 uns mit dem so kostbaren Rohstoff Wolle versahen, betrug in:
Stück Schafe
50000000
29000000
24000000
20000000
20000000
13 775000
9000000
Rumänien.
5000000
2700000
Serbien.
2700000
2500000
1700000
1700000
1500000