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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Geschichtliches. Rohstoffe. 257

von Paris gezeigt wurde: „Ich habe einen Leinweber in Augsburg , der dies alles mitbarem Geld bezahlen kann."

Welche Wichtigkeit man der Weberei auch in anderen Ländern beilegte, das bezeugenam besten die Anstrengungen, die man machte, »in sie zu heben und sowohl ihre Ver-fahrungsartcn als die znr Verarbeitung kommenden Rohmaterialien zu vervollkommnen.Im 10. Jahrhundert führte man in Spanien aus Afrika die Merinoschafe ein, derenKreuzung jene seinen Wollen erzielen ließ, die Deutschland und Frankreich veranlaßten,sich im vorigen Jahrhundert die Zucht der Merinoschafe aus das höchste angelegen seinzu lassen; 1789 besaß Frankreich auf 10 Mill. Schafe überhaupt 1 Mill. solcher ver-edelter Tiere. Der Seidenbau wurde von Franz II. in Frankreich eingeführt; 1685 hatteLyon bereits gegen 12 000 Scidenstühle, und zu Ende des vorigen Jahrhunderts produzierteFrankreich gegen 15000 Zentner Seide im Werte von gegen 40 Mill. Livres. Bei unsfand die Seidenindnstrie gegen das Ende des 17. Jahrhunderts einen lebhaften Aufschwung;namentlich war Berlin der Ort, wo sie sich kräftig entwickelte; 1777 produzierte manhier für ca. 1200000 Thaler Seidenwaren.

Einen weit gewaltigeren Einfluß aus die Spinnerei und Weberei hat aber die Baum-wolle erlangt, welche man im 17. Jahrhundert in Amerika zu bauen anfing. IhreMasscnerzengung, ihr Betrieb und ihre Verarbeitung haben die gesellschaftlichen, politischenund wirtschaftlichen Verhältnisse ganzer großer Reiche umgestaltet, über ganze Erdteileeine neue Kultur verbreitet — freilich auch jenen Schandfleck der Menschheit, die Sklaverei,großgezogen — Wissenschaft und Technik gefördert, Reichtum verbreitet, das Wohlbefindender Ärmeren erhöht, hingegen auch Kriege erzeugt, deren blutigster der im Jahre 1860entbrannte Bruderkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten der Union war, kurz, Um-wälzungen gewaltigster Statur hervorgebracht. Allein wir müssen unsere kurze Einleitungabbrechen; manche noch bleibende Lücke wird das Folgende ergänzen.

Wenden wir uns nun dem ersten der beiden Hanptteile unseres Gegenstandes, derSpinnerei, zu, so werden wir zweckmäßig mit einem Überblick über diejenigen Stoffe be-ginnen, welche bei demselben Verwendung finden.

Die Rohstoffe der Spinnerei.

Die hauptsächlichsten Rohstoffe finden sich der Natur der Sache nach im Tier-und Pflanzenreiche. Zwar läßt sich das Glas zu äußerst seinen und biegsamen Fädenausspinnen, die auch verwebt werden können; aber eine andere Verwendung als etwazum Schmuck dürften für die Bekleidung Glasfäden schwerlich finden; denn wir habenzwar brillante gläserne Tamenhüte und Westenstoffe aus Ausstellungen gesehen, aberniemand, der sie hätte tragen mögen. Auch die als Lahn bekannten echten und unechtenSilber- und Golddrahtfäden, welche, zu außerordentlichen Feinheitsgraden ausgezogen,in den Teppich-, Möbel- und Tapetengeweben der Klöster einst eine so hervorragendeRolle spielten und neuerdings wieder für denselben Zweck sowie zu ganzen Borten,Kantillen u. s. w. und selbst als Ziersäden zu Kleiderstoffen in Mode gekommen sind,können dennoch als eigentlicher Webstoff kaum in Betracht gezogen werden. Die ihrerUnverbrennlichkeit wegen aus Asbestfäden hergestellten Gewebe wurden früher nur beiLeichenverbrennnngen benutzt, um die Asche der Toten unvermischt mit gemeiner Holz-asche zu erhalten. Heutzutage findet dieser Stoff sowohl in Form von Stricken als vonGeweben eine freilich gleichfalls beschränkte Anwendung zu technischen Zwecken.

Das Tierreich bietet uns dagegen Spinnstoffe in der Wolle des fast überall ver-breiteten Schafes und des Lamas, in dem Haare verschiedener persischer, tibetanischer undsüdamerikanischer Ziegenarten, ferner des Kamels, des Pferdes, des Hasen, des Kaninchensund der Kuh samt ihres Kalbes, den treuen Pudel nicht zu vergessen, der uns gelegentlichmit einem Paar sehr wohlthuender Socken beschenkt. In der Jnsektenwelt, wo so mancherleigesponnen und gewebt wird, haben wir eigentlich doch nur einen praktischen Mitarbeiter,dafür aber einen desto wertvolleren, die Seidenraupe.

In dem Pflanzenreiche stehen in dieser Beziehung obenan die Baumwolle, der Flachs,die Ramie und der Hanf; es schließen sich aber hieran noch eine Reihe weniger wichtiger

Buch der Erfind. VIII. 33