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Die Spinnerei.
Jahr
Erzeugung
Einsuhr
Ausfuhr
Verbrauch
l86«>
27900
18300
4470
41 430
1865
34580
34600
7 770
61410
1870
33125
39500
18200
54 425
1875
29500
59000
20200
68400
1880
25250
70646
14100
81144
1885
24000
98 790
10752
112695
1890
22 700
128614
9014
142300
1895
22500
183202
11223
194479
Die Seide. Seide liefern uns mehrere Ranpenartcn (Seidenwnrni, Seidenspinner),indem sie sich mit einem glänzenden, feinen, aber verhältnismäßig festen Faden zur Ver-puppung einspinnen. Je nach der Raupenart ist auch die Seide verschieden. In Europa wird die Seidenraupe, und zwar vorzugsweise in Italien und Frankreich , auf den Blätterndes weißen Mnnlbeerbanmes gezüchtet, doch gibt es in Asien auch Seidenraupen, die aufanderen Bäumen, auf Eichen, auf dem Jndendorn, dem Pipnibanme und auf denBlättern des gemeinen Wunderbaumes (Ricinus ooininunis) leben. Namentlich sind eszwei Raupenarten, welche man in Frankreich einzuführen versucht hat, die Raupe desRoind^x O^ntüia, welche auf dem Wnnderbaume lebt, in Indien von den Landleuten inihren Häusern gezogen wird und eine zwar weniger schöne, aber sehr feste Seide liefert,und die Raupe des Roind^x rn^Iitta (Tnssahscidcnwnrm) in Bengalen, welche von denBlättern der gewöhnlichen Eiche lebt und starke Kokonfäden von schönein Glanz produziert.Auch in Württemberg und Österreich ist in neuester Zeit die Einführung des Eichen-spinners (Ailanthusraupe, IRmamuzff aus Japan versucht worden. Die seit Anfang derfünfziger Jahre aufgetretene Raupcnkrankheit und der zunehmende Bedarf an Seidehaben deren Preis vorübergehend bis in das Jahr 1870 hinein gesteigert und dahin ge-führt, auch seidene Lumpen und Abfälle in ganz ähnlicher Weise wieder zu benutzen, wiedie wollenen znr Knnstwolle.
Die Seide stammt bekanntlich aus China , und obwohl schon im Altertum geschätztund viel begehrt, kannte man doch ihren Ursprung nicht und glaubte, daß sie aufBäumen wachse. Erst im 6. Jahrhundert gaben griechische Mönche Aufklärung undholten Eier der Seidenraupe aus China , die glücklich im Miste ausgebrütet wurden.Die griechischen Kaiser machten anfänglich ein Geheimnis aus der Sache, und eine ge-raume Zeit gab es nur hier Seidenbau und Seidenweberei, deren Erzeugnisse durch dieVenezianer in Europa verbreitet wurden. In der Folge kamen Scidenwürmer nachSizilien und Unteritalien, von wo aus die Seidenknltnr sich bald weiter verbreitete, jedocherst gegen Ende des 13. Jahrhunderts Eingang in Frankreich fand. Der Kaiser Helioga-balus (200 n. Chr.) war der erste, welcher ein seidenes Kleid trug; Aurelian dagegen, einerseiner Nachfolger, schlug seiner Gemahlin die Bitte ab, ihr ein solches zu kaufen, weil derStoff zu teuer sei; Karl der Große hatte seinen Kaisermantel mit Seidenstrcifen verbrämenlassen, und es lieh sich ein schottischer König ein Paar seidene Strümpfe, als er den eng-lischen Gesandten empfangen wollte, weil er aus eigenen Mitteln sich keine anschaffen konnte!
Der Seidenwurm oder Seidenspinner gehört znr Familie der Nachtfalter. DerSchmetterling mißt mit ausgebreiteten Flügeln in der Breite 4 am, hat schmutzigweiße Flügelmit zwei bis drei dunklen Qnerstrcifcn und dazu auf den Vorderflügeln einen undeutlichgezeichneten, bräunlichen Halbmond. Das Weibchen legt 2—300 bläuliche, fast wie Mohn-samen aussehende Eier, deren auskricchendc, gefräßige Raupen schnell wachsen, sich viermalhäuten und dann einspinnen. Acht Tage nach der Auslage der Eier, die bis dahin in einemkühlen Raum aufbewahrt wurden, erfolgt das Ausschlüpfen der Raupen. Die erste Häutungerfolgt bereits nach 6 Tagen, die zweite nach 11, die dritte am 18. und die vierte am26. Tage. Will mau die Seidenraupe mit Erfolg ziehen, so sind mehrere Hauptbedingnngenzu erfüllen. Der Züchtungsraum muß gleichmäßige Wärme und angemessenen Fcuchtigkeits-grad besitzen; auch muß die Wärme, bei der die Raupen ausgckrochen sind, allmählich ver-mindert werden, so daß sie sich bei ihrer Verpuppung an die Temperatur von 18" R. gewöhnen.Ebenso muß fortwährend eine gleichmäßige Lüstung des Züchtungsraumes und häufig eineUmlagerung und gleichmäßige Verteilung der Raupen auf den Lagerplätzen stattfinden. Abb. 205stellt einen Züchtungsraum mit den ctagensörmigcn Spinnhürden und Abb. 206 die verschiedenenStadien der Verwandlung der Seidenraupe bis zum Schmetterlinge dar. Die Fütterung der