Rohstoffe: Die Seide. 2l>1
Seidenraupen mnß öfter und die Berteilung der nach und nach gröber zu fchueidenden Blatterunter ihnen gleichmäßig erfolgen, damit ihre Entwickelung ebenso fortschreite. Mit jederAltersstufe nnd zwischen den einzelnen .Häutungen der Scidcurauvcn steigert sich deren Bedarfan Nahrung beträchtlich. Außerdem sind große Reinlichkeit sowie die sorgfältigste Pflege undÜberwachung unerläßliche Bedingungen. Man darf sie nie mit dem Finger anfassen; deshalbführt man das Futter derart zu, daß man flache, netzartig bespannte Rahmen damit bestreutund den mit dem frischen Futter versehenen Rahmen über den alten stellt. Die Raupenkriechen dann vom letzteren auf den ersteren, und mau kann nun den alten Rahmen behufsReinigung entfernen. Fühlt die glatte, weißlich glänzende Raupe, welche verschiedene dunkleFlecken nnd auf dem letzten Ringe ein Horn hat, daß die Zeit ihres 6—7 Wochen langenLebens vorbei ist, so wird sie unruhig und lauft hin und her, bis sie einen Ort zum Ein-
205. Aiichtnngsrmiin der SriLcnranpcn.
spinnen gefunden hat. Sie treibt nun durch zwei unter ihrem Munde befindliche feine Öff-nungen den in zwei langen Spinngefäßcn in ihrem Körper lagernden Säst in Form zweierzarten Fäden aus und verbindet diese beim Austritte zu einem einzigen Faden, der an derLust rasch erhärtet. Mit diesem Faden befestigt sie sich iu mehreren Punkten an dem Gegen-stände, wo sie sich einspinnen will, bewegt den Kops hin und her nnd wickelt den Seidcnfadcnmit den Vorderfüßen in unregelmäßigen Kreuzungen zu einem lockeren, groben und durch-sichtigen Gewebe um sich herum. Die nächsten Tage benutzt sie zum inneren Ausbau, indemsie den Faden in regelrechten Kreuzungen derart anordnet, daß nach vier Tagen ein ovaler,walzenartiger Schlauch (Kokoul von der Größe eines Taubeneies fertig ist, dessen innersteSchicht pergamcntartige Beschaffenheit hat und durch den sie unsichtbar wird. Nach zwei bisdrei Wochen durchbricht der ausgebildete Schmetterling den Kokon, indem er durch einen ausseinem Munde kommenden Saft die Fascrmassc auflöst. Diese Entwickelung läßt man abernur zu, insoweit man für das nächste Jahr Eier zur Zucht frischer Raupen erzielen will.Um davon keine zu verlieren, setzt man das Schmetterlingsweibchen vor dem Eierlegen aufein Papier, wo diese dann ankleben. Die Eier bringt man, wenn die Zeit des Auskriechenskommt, in eine Stube, deren Wärme nach und nach von 14 aus 22° U. gesteigert wird.