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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Rohstoffe: Tcr Flachs, die Jute.

Land

Flachsspindeln

Leinenwebslirhle

Groß-Britannien .

. . . 1168 790

52185

Rußland . . .

. . . 412 590

12 285

Frankreich . . .

. . . 400000

18820

Österreich Ungarn

. . . 328050

—

Belgien ....

. . . 307 940

4 755

Deutschland . .

. . . 273000

13500

Italien ....

. . . 43000

775

Andere Länder .

. . . 31750

2 680

Summa 2 965120 105 000

Außerdem beschäftigte Deutschland 1893 noch 30400 Zwiruspindelu und ungefähr150000 Handwebstühle.

Die Zunahme der deutschen Leiueuindustric seit 1880 geht aus den Einfuhrendeutlich hervor. Diese betrugen:

für 1880 Hanf . . 40689 000 l-x im Werte von 24400000 Mark,

Flachs . 36 369 000 „ „ „ „ 29 100000 „ ^

77058000 leg im Werte von 53 500000 Mark.

Während sie im Jahre 1894 stieg

an Hanf (außer Aloe- und Manilahanf auf 44 366 900 b» im Werte von 25 378000 Mark,

an Flachs (außer neuseeländischem- . ,, 54 494 000 ,, „ ,, ,, 36 238000 ,,

an Hccde, Werg .,, 210382000 ,, „ ,, ,, 7178000 ,,

Hiervon lieferte Rußland 91 ,s 0 (, Flachs und 69,Hanf. Die Ausfuhr ausDeutschland nach England betrug im gleichen Jahre 3 489000 stx.

Die jährliche Flachsernte Europas läßt sich auf 492000000 schätzen, wovonRußland allein 287 Mill. stx erzeugt.

Die Jute ist die Bastfaser mehrerer Corchorusarteu, Pflanze», welche zur Familieder Tiliacecn gehören, also mit unsrer Linde verwandt sind. Die Heimat dieser Pflanzen istIndien , und hier werden Oorollorns «lpoutaris und olitorins schon seit undenklichen Zeitenzu groben Geweben verarbeitet, während die europäische Industrie sie kaum seit 50 Jahrenkennt, und eigentlich erst die während des Krimkrieges eintretende Verminderung derZufuhr von russischem Hanf ernstlich daran denken ließ, der Inte seitens der Wcbindustriegrößere Aufmerksamkeit zu schenken. Gegenwärtig wird die Jute bei uns schon in sehrbedeutenden Mengen verarbeitet, und während 1852 die Ausfuhr aus Kalkutta sich nur auf17022 Ballen belief, hatte sie sich in den 20 Jahren bis 1871 auf 1891912 Ballenoder 6 Mill. Zentner gesteigert, und war 1885 bis auf etwa 8 Mill. Zentner gestiegen,wovon allein 838000 Zentner in Deutschland Verarbeitung fanden.

Die Kultur der Jutepflanzen, welche sämtlich einjährig sind, ist sehr einfach. JedesJahr im April oder Mai, wo der Boden genügend feucht ist, wird, wie bei uns für denHanf, in Indien die Aussaat für die Jute gemacht; etwa 100 Tage darauf, im August alfo,ist die Pflanze reif, um gecrntet zu werden. Die Triebe haben dann eine Höhe von 3—4 inerreicht; sie werden von den Seitentrieben, Blättern und Fruchtkapseln befreit, in dicke lockereBündel zusammengefaßt und in fließendem Wasser einer Kaltwasserroste unterworfen. DieAuflockerung in den Geweben der Jutestengcl erfolgt sehr rasch, so daß sich schon nach einigenTagen der Bast in langen Streifen vom Stamme trennen läßt. Diese Abschcidung erfolgtauf sehr einfache Weise mittels Handarbeit, indem der vom Stengel abgestreifte Bast nurnoch durchs Wasser hindurchgezogen und durch die Luft geschwungen wird. Trotzdem ist dieso erlangte Jutesaser außerordentlich rein, und da durch die Röste der Zusammenhang derBastbündel vollständig gelockert ist, so hat der so erhaltene Rohstoff eine mehr oder minderfeinfaserige Zusammensetzung. Die Jutesaser selbst ist sehr lang, 1,s—3 m, in frischem Zu-stande nur wenig gefärbt, weißlich oder flachsgelb. An der Luft jedoch ändern manche Jute-sorten ihre Farbe ins Grane oder Gelbe und dunkeln sogar unter Umständen bis in eintiefes Braun nach. Je feiner die Qualität ist, um so länger ist die Faser und um so reinerdie Farbe. Die Jute gelangt in den Handel bereits nach der Güte gesondert, wobei dieFaserbündcl zu Risten vereinigt und zu festen Ballen von 185 bx zufammcngevackt werden.

Die feinste Sorte heißt Serajgnnge, die zweite Nnraingnngc; Towrahjnte bezeichnetdie geringste Gattung. Ein großer Teil der in Bengalen erzeugten Jute wird daselbstauch gleich verarbeitet, ähnlich wie früher bei uns auf dem Lande der felbstgebante Flachsim Hause versponnen und verwebt wurde. Die Eingeborenen fertigen daraus von jeher

Buch der Sisiud. VIII. 35