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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Die Spinnerei.

in der Hand, den Stengel, falls er ihn beim Herausziehen nicht genügend bearbeitetfindet, nochmals den Schlitz durchlaufen zu lassen oder nur noch denjenigen Teil zurBearbeitung einzuführen, den er vorher in der Hand hielt.

Die beim Brechen des Flachses zwischen den Fasern noch hängen gebliebenen Holz-teile werden durch das Ribben, Risten und daS Schwingen des Flachses mittels desSchwingstocks und der Schwinge entfernt. Das Ribben oder Reiben besteht in einemAbstreichen der Schaben, indem die zwischen beiden Händen ausgespannte Masse übereinem Wagerechten, ausrechtstehende», scharfkantigen, oft mit Eisenblech beschlagenen Brettehin und her geht, während beim .Risten" das scharfe Ausstrcichcn des Flachses mit einerstumpfschneidigen Klinge von Eisenblech oder Stahl über der Lederschürze der Arbeiterinoder über einem mit Leder bezogenen Polsterschcmel, dem Ribbebock, die Schäbe sehr gutentfernt wird, ohne der Faser zu schaden. Das Schwingen geschieht durch ein breitesSchwingmesser, das der Arbeiter in der rechten Hand führt und mit dem er die mit derLinken über einem lotrecht stehenden Brette, dem „Schwingbock", in seiner Mitte gehalteneRiste (Flachsbündel) sehr energisch streicht.

Statt dieser Handarbeit werden in den größeren Betrieben oft Schwingmaschinenverwendet. Bei diesen sind eine Anzahl hölzerner Schwingmesser an den eisernen unddurch einen Kranz verbundenen Speichen einer wagcrechten Welle befestigt, so daßsie bei deren Umdrehung an dem über den nahestehenden Schwingstock gehaltenen Flachsvorbeistrcichen. Das Brechen und Schwingen erfolgt häufig in eigens dazu bereitetenFlachsbearbeitungsanstalten, und das Produkt kommt dann als Schwingflachs oderReinflachs in den Handel, öfters aber werden diese Handhabungen auch schon in denSpinnereien selbst ausgeführt, um eine vorsichtigere Sonderling von Grund aus eintretenlassen zu können.

Im Handel kommen besonders vor: ägyptischer, Archangclcr, böhmischer, Tan-ziger, flandrischer, finnländischer, französischer, holländischer, irländischer, Königsberger,Libauer, Lüneburger, Mcmeler, Narwaer, österreichischer, Peruaner, Petersburger,Rigaer, sächsischer (lansitzcr), schlesischer und thüringischer Flachs. Er wird sehr oftunterschieden nach der Art der Röste in „Rasenflachs" (Taurvttci und „Wasserflachs"(Wasserrotte).

Der Hanf (aannabis sativrn ist neben dem Flachs unsere einheimische Gespinst-pflanze; neben dem Flachs, denn die Gebiete seines Anbaues fangen in der Regel da an,wo der Flachsbau nach Süden zu aufhört. Österreich-Ungarn, Rußland und Italien stehen unter den Hanf hervorbringenden Ländern obenan. Man unterscheidet nach denBlüten männliche und weibliche Pflanzen, welche in Wert bedeutend voneinander ab-weichen. Die männliche Pflanze, welche gewöhnlich kleiner und dünner bleibt als dieweibliche, wird Sommerhanf, Sünderhanf, tauber Hanf oder auch Fimmel genanntund findet vorzugsweise Verwendung zu Zwirn, Netzen, Segeltuch, Hanfleinen rc. Dieweibliche, bis 2,5 in hoch werdende Pflanze, Winterhanf, Bästling, auch grüner Hanfgenannt, dient dagegen fast ausschließlich zur Herstellung von Seilerwaren. Der Jnncn-bau des Hanfstengels ist ein der Flachspflanze gleicher, weshalb auch die Behandlungder Pflanze, um den Faserstoff abzuscheiden, eine ähnliche ist, wie beim Flachs, in Röstenund Brechen bestehende. Die so gereinigte Faser führt den Namen Reinhanf und hateine Länge von 1 — 1,7» m, welche, soweit das Erzeugnis nicht zu Seilerarbeitcn Ver-wendung findet, eine unnötige ist; man teilt sie in solchem Falle durch das Stoßen inzwei bis drei Längenteile, eine Arbeit, die an den ausgespannten Fasern in ziemlichplumper Art mittels schwerer, hölzerner Schlegel ausgeführt wird. Ein besonders ge-schätztes und sehr reines Erzeugnis, der Schleißhanf oder Pellhanf, wird aus demgerösteten Hanf statt durch Brechen und Schwingen dadurch gewonnen, daß man durchSchleißen oder Pellen von jedem einzelnen Stengel den Bast der Länge nach mitden Fingern abzieht.

Um sich eine Vorstellung von der Ausdehnung der Leinenindustrie Europas zumachen, genügt es, die Anzahl der Flachsspindeln und der mechanischen Leinenwebstühle,die im Jahre 1893 thätig waren, anzuführen.