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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Strickerei und Wirkerei: Die Kulierwarcn.

facher Anzahl im Vergleich zu den Fersen- und Fnßstühlen vorhanden sind, da die Arbeitletzterer viel mehr Zeit beansprucht. Für kleinere Werkstätten sind indes auch svlchePagetstühle gebaut worden, bei welchen man mittels weniger Handgriffe eine Umwand-lung eines Längenstnhles in einen Fersen- oder Fußstuhl vornehmen kann, so daß manmittels eines und desselben Stuhles den ganzen Strumpf fertigstellen kann.

Mit dem gewöhnlichen Pagetstnhle kmm man ungefähr 30—35 Maschenreihen ineiner Minute wirken. Die Stühle sind jedoch heutzutage derartig verbessert, daß man50 — 70 Maschenreihen in einer Minute fertig bringt. Dadurch sind dieselben etwaskonkurrenzfähiger mit den Cottonmaschinen geworden, welche sie eine Zeitlang vollständigzu verdrängen drohten. In Abb. 358 ist ein solcher Pagctstnhl verbesserter Konstruktionabgebildet, auf dem gleichzeitig, wie ersichtlich, zwei Warenstücke auf einmal erzeugt werden.

Die leistungsfähigste Maschine für Massenerzengung von Strümpfen und anderenGebrauchsartikeln in großen Fabriksbctriebcn ist heute unbestritten der Cottonstuhl.Mit diesem können bis zu 20, ja bis 24 Strümpfe gleichzeitig auf einmal gemacht werden,bei einer Geschwindigkeit von 60—70, ja bis 80 Maschenreihen in einer Minute, so daßein einziger Arbeiter 18 Dutzend und mehr Paar feiner Strümpfe in einem Tag mitLeichtigkeit herzustellen im stände ist. Diese Cottonmaschinen gleichen den Handstühlennicht mehr, es wurde bei ihnen mit allen alten Traditionen gebrochen und wurden alleTeile in genialster Weise umkonstrniert. Es läßt sich daher auch nicht mehr eine Trennungzwischen Gestell und Werk vornehmen, sondern es sind im Gegenteile die wichtigstenAntriebsmechanismen und insbesondere die schwere Triebwelle mit ihrer verwirrendenMenge von Tanmenscheiben und Exzentern in das Gestell möglichst tief hinuntergelegt,so daß alle Erschütterungen und Stöße von einem möglichst tiefen Teile des Gestelles auf-gefangen und in den Fußboden geleitet werden, was einen sanften und ruhigen Gangder ganzen Maschine znr Folge hat. Ein Hanptvorteil des Cottonstnhles, welcher über-haupt erst das Bauen desselben in so großer Breite ermöglichte, ist dessen außerordentlicheÜbersichtlichkeit, welche dadurch hervorgerufen wird, daß man von der horizontalen Nadel-barre zu der vertikalen überging. Die Folge davon war, daß, während an den Hand-stühlen und Pagetstühlen die Ware vertikal herunterhängt, beim Eottonstnhle, wie ausder Abb. 359 ersichtlich, die Ware horizontal abgezogen wird und dadurch viel besserbeaufsichtigt werden kann. Dies wird insbesondere auch dadurch ermöglicht, daß keinerleigrößere Maschinenbestandteile oberhalb der erzeugten Ware vorhanden sind, so daß dasLicht voll und frei aus sie fällt.

Charakteristisch für den Cottonstuhl bleiben die vertikalen Nadeln, und diese Nadelnmachen eine äußerst sinnreiche auf- und nieder-, sowie hin- und herschwingende Bewegung.Die Platinen sind horizontal und sind zur Hälfte fallend, zur Hälfte stehend; die fallendenwerden durch Vermittelung von Schwingen durch ein hin- und hergezogenes Rößchenvorgedrückt und bewirken dadurch das Kulieren. Auch ohne Schwingen hat man dieCottonstühle gebaut, und zwar war dies eine deutsche Erfindung (von Gustav Heidler inChemnitz ), jedoch zieht man den Bau mit Schwingen heutzutage wieder vor. Auch dieCottonstühle werden als Längen- und als Fußstühle verwendet, wenngleich es bereitsgegenwärtig auch schon gelungen ist, sogenannnte Universal-Cottonmaschinen zukonstruieren, welche einen Strumpf vollkommen fertigzustellen in der Lage sind. Anden Cottonstühlen geschehen alle Bewegungen selbstthätig, die Erzeugung der Wade inder richtigen Form, die Bildung der Ferse und eventuell deren Verstärkung durch einenzweiten Faden, die keilförmige Verengerung des Fußteiles, sowie die Bildung einerrichtigen und schönen Fußspitze; dabei kann man entweder nur mit einem Faden arbeiten,oder auch mit zwei oder mehr Fäden von verschiedener Farbe, so daß der Strumpf Ouer-streifen von zwei oder mehreren Farben in beliebiger Breite erhält. Das richtige Zu-sammenarbeiten der einzelnen Teile bei der hohen Geschwindigkeit, namentlich das rascheund sichere Eingreifen der Minderapparate znr Veränderung der Breite hat für denBeschauer etwas Geheimnisvolles und mag wohl jeden, der einen Cottonstuhl arbeitensieht, mit Bewunderung erfüllen für den schöpferischen und genialen Geist jener Männer,denen derselbe seine Entstehung und Vervollkommnung verdankt.