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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Strickerei und Wirkerei.

die Rnndstühle an und stellt sie dein Arbeiter in seine Wohnhütte. Der Arbeiter empfängtnnch hier das Material nnd hat mir fleißig zn schaffen; den Absatz sichert ihm der Kapitalist.

In der Weberei hatte man sich gleichfalls bemüht, einen ähnlichen Übergang vonder Hand- zur Maschinenarbeit zn vollziehen; leider war es jedoch dort nicht so leicht,ja überhaupt nicht möglich, da der Webstnhl, durch Mechanismen betrieben, viel zn vielKraft erfordert, nm durch Hand- oder Fnßarbeit beständig und mit Erfolg bethätigtwerden zu können. Bei den Rundwirkstühlen nnd Strickmaschinen ist dies der Fall, wes-halb die Sachlage weit günstiger stand.

Wohl ist mit Einführung der breiten, flachen Stühle, wie der Cottonmaschincn, auchin der Wirkerei an Stelle des Hansbetriebes der Fabriksbetrieb getreten, nnd die Arbeitstellt sich auch mit den Rundstühlen und Strickmaschinen durch Transmissionsantriebdieser wesentlich billiger, da dann ein Arbeiter mehrere Maschinen beaufsichtigen und be-dienen kann. Der heutige Standpunkt ist daher der, daß auch für Erzeugung von Wirk-waren größere Fabriksetablissements errichtet werden, in welchen durch eine Dampf- oderGasmaschine die erforderliche Arbeitskraft geliefert wird. Es schien daher bis noch vorganz kurzer Zeit, als ob die Hausindustrie unrettbar auch in der Wirkerei verloren wäre.Augenblicklich scheint sich aber durch Einführung des elektrischen Antriebes wieder eineandere, wenigstens für die nächste Zukunft der Hansindustrie nnd der kleinen Unternehmerfreudigere Perspektive erschließen zu wollen. Denn wenn es der Elektrizität gelingen wird,auch in dieser Beziehung erfolgreich durchzugreifcn, dann könnte der Arbeiter wieder inseiner Wohnhütte verbleiben, der geheimnisvolle Draht würde ihm seine Maschinen ebensowie ein Riementrieb in der Fabrik antreiben und er könnte, im Kreise der Seinen bleibend,die Vorzüge innigeren Familienlebens mit den Vorteilen vergrößerter Leistungsfähigkeit,durch Überwachung mehrerer Stühle, gleichzeitig genießen. Auch wäre es dann nichtnötig, daß die jetzt noch bestehenden kleineren Unternehmungen vollkommen durch diegroßen Fabriksbetriebe aufgesaugt würden!

Was die Maschinen anbelangt, denen voraussichtlich in der nächsten Zukunft dieHerrschaft auf dem Gebiete der Wirkerei zukommen dürfte, ja teilweise schon gegenwärtiganheimgefallen ist, so sind da in erster Linie die Cottvnmaschinen zn nennen, welchen aberdie selbstthätig arbeitenden mehrsystemigen Strickmaschinen mit Motorantrieb sowohl flacherals runder Bauart bald empfindliche Konkurrenz bereiten dürften! Denn ein vollkommennahtloser gestrickter Strumpf oder anderer Gebrauchsartikel ist schließlich immer noch einemzusammengenähten gewirkten vorzuziehen, wenigstens solange die Maschinenuähte nichtnoch vollkommener als die bisher auf den Nähmaschinen möglichen sind. Da aber eineweitere Vervollkommnung der letzteren tagtäglich stattfindet, so dürfte wohl noch fürgeraume Zeit, vielleicht für immer, der Wcttkampf der zusammengenähten, gewirkten nndder nahtlosen, gestrickten Waren andauern!

Wohl darf dies nicht mißverstanden werden, da gerade aus dem Gebiete der Wirkereider Fortschritt bisher sehr oft geradezu revolutionär aufgetreten ist und alle Vorans-sagungen wiederholt schon zn Schanden machte! Wie sich aber auch die Zukunft gestaltenmöge, das eine läßt sich doch mit voller Bestimmtheit hoffen nnd erwarten, daß in dieserIndustrie sowie in mancher anderen, die ursprünglich den Lebensodcm aus der Fremdeempfing, aber heute schon so weit gekräftigt ist, daß sie der Obhut der englischen Ammeschon längst cntraten kann, deutscher Fleiß und deutsche Arbeit für immerdar ton-angebend sein nnd bleiben werden! Diese Hoffnung ist aus dem Grunde vollauf be-rechtigt, als man die znr Warenerzeugung notwendigen Maschinen heute beinahe sämtlichauf deutschem Boden erzeugt. Württemberg baut Rundstühle nnd Strickmaschinen, Sachsen beide, sowie Cotton- und Pagetstühlc, Kcttcnstühle, Rascheln, Näh- und Kettel-, Spul-nnd alle anderen Vvrbereitnngs- und Vollendungsmaschinen in so vorzüglicher Qualität,daß englische Fabrikate schon längst aus dem Felde geschlagen sind, ja volle Mühe haben,sich in anderen Ländern als Konkurrenten zn behaupten! So liefert uns denn auch diesesIndustriegebiet den sprechendsten Beweis, wessen deutscher Geist und Fleiß fähig sind, undwir vermögen daher mit stolzer Zuversicht in die Zukunft zn blicken!