Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
490
JPEG-Download
 

490

Die Stickerei.

fängt, woraus sich der Greiser schnell aus der Schlinge zieht, nin im nächsten Momentdie nengebildete Schlinge zn erfassen (Abb. 503).

Bei allen so arbeitenden Maschinen ist der Stickboden in einen Rahmen gespanntund entweder so eingerichtet, daß er der Mnsterzeichnung entsprechend unter der Nadelverschoben werden kann; oder der Rahmen ist fest, in welchem Falle der Nadel- undGreifapparat der Mnsterzeichnung nachgefühlt werden müssen und daher am Gestell derMaschine verschiebbar angeordnet sind. Trotz dieser Beweglichkeit der Nadel reicht die-selbe doch gewöhnlich nicht aus, um die ganze Fläche des ausgespannten Stoffes bestickenzn können, und es muß daher, sobald die von der Nadel beherrschte Fläche mit Stickereibedeckt ist, eine Verschiebung des Rahmens ebenfalls zur Ausführung kommen.

Um die Leistungsfähigkeit dieser Maschinen zu erhöhen, wurden dieselben mit zweibis vier Nadeln ausgeführt und zwar in der Weise, daß zwei bis vier Stickboden über-einander in einem Gestelle aufgespannt wurden, so weit von einander, daß dazwischender Stickapparat Platz fand. Eine solche viernadlige Kettenstich-Stickmaschine vonA. Voigt, wie sie noch hier und da in Anwendung steht, ist aus der Abb. 504 ersichtlich

so» so: b<>2

49S-sos. Bildung drs Krttcustichs durch die iöhrnadrl.

Man bemerkt vor allem ein eisernes, mittels Räder auf Schienen verschiebbares Gestell,aus dem vier Stickboden übereinander aufgespannt sind. Dieses Aufspannen wird in der Weiseausgeführt, daß das Gewebe auf eine Walze aufgewickelt, in das Gestell gelegt, von dieserWalze abgewickelt, eine Strecke lang wagerccht aufgespannt und dann nach dem Besticken aufeine andere Walze aufgewickelt wird. Das Spannen erfolgt durch die Drehung von Kurbeln,von welchen eine unlcn rechts sichtbar ist. Es werden hier meist lange, gardinenartige Ge-webe bestickt.

Neben diesem Gestell, ganz links, sieht man den eisernen Ständer, auf dem die Stick-Maschine angeordnet ist, die aus vier Armen besteht, die zwischen die Stickboden hineinreichennnd so konstruiert sind, daß die Nadel den Linien des Musters nach allen Richtungen folgenkann. Der oberste Arm befindet sich über dem obersten Stickboden und wird von der aufeinem Schemel neben dem Rahmcngcstell stehenden Stickerin den Musterlinien nachgefühlt,wodurch die anderen Arme zu derselben Bewegung gezwungen werden, daher das Mustergleichzeitig viermal znr Ausführung kommt. Sind die Stickbödcn, soweit die Arme derMaschine reichen, mit Stickereien bedeckt, dann wird das Rahmengestell aus den Schienenweitergeschoben und eine neue Gewebefläche in Angriff genommen.

Zu erwähnen märe nun noch das Sticken mit dem Languettenstich, welcheraus einer Kombination des Platt- und Kettenstiches besteht und von der sogenanntenLanguettiermaschine ausgeführt wird, die mit einer Haken- nnd einer Öhruadel arbeitet,von welcher die letztere höher steht, den Stoff daher später durchsticht als die erstere.Die älteste dieser Maschinen von L. Lindley und F. Taylor ist nur zum Besäumender Gewebe verwendbar; eine neuere Maschine von I. Gutmann in Berlin erzeugt denLangnettierstich auch an irgend einer beliebigen Stelle des Stickbodens und ist Ende dersiebenziger Jahre so verbessert worden, daß sie selbst den Kreuzstich herzustellen vermag.

Bei all diesen mit den Kettenstich-Stickmaschinen ausgeführten Stickereien muß derArbeiterin das Muster genau vorgezeichnet sein, da sonst ein schnelles Sticken nicht aus-führbar wäre. Diese am Stickboden direkt angebrachte Zeichnung wird nun entweder