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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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546 Die Färberei und Appretur nebst Bleicherei und Zeugdruck.

Kunst gelangte durch Pcrsicn und Borderasien nach der Türkei und Griechenland , undwurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts durch griechische Färber nach Runen, Luvnund Langnedve verpflanzt, wv mehrere Türkischrvtsärbereien begründet wurden. ImJahre 1785, liest dann die französische Regierung durch Le Pilenr d'Aplignp eine vollständige Anleitung zum Färben vvu Türkischrvt veröffentlichen, und infolgedessen eutstanden in Mittel- und West-Europa neue Färbereien für diese überaus echte und schöneBanmwvllfarbe, die namentlich auch für den Kattnnvrnck bedeutungsvvll werden füllteund die Entwickelung der Farbenindnstrie mächtig beeinslnstt hat.

Die nni die Mitte des 18. Jahrhunberts beginnende schnellere Entwickelung derreinen und technischen Chemie hat teils durch Erfindung neuer Farbstoffe und Beizenund anderer Hilfsmittel, teils durch Aufklärung und Verbesserung der alten und Einführnug neuer Verfahren die Färberei und Druckerei gewaltig beeinflusst und nahezu neugestaltet. Bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entdeckte Cornelius Drebbel ,ein holländischer Alchimist, halb durch Zufall, halb durch gutes Beobachten die Methode,mit Kvchenille Scharlach zu färben, und so überhaupt die Anwendung des Zinnes alsBeizmetall. (Bei Versuchen mit Kochenille soll ihm ein Glas mit Scheide- oderKönigswasser zerbrochen und über die Zinnfassnng des Fensters in die Kvchenilleabkochung geflossen sein.« Im Jahre 1740 wurde dann durch Bergrat Barth in Sachsen die Darstellung deS Jndigokarmins durch Auflösen von Indigo in Schwefelsäure lSächsisch-blau — zusammen mit Qncrritrvngelb Sächsischgrün) erfunden. Etwa tun dieselbe Zeitgelangte die Vitriolknpe znm Färben der Baumwolle mit Indigo zur Einführung. Das1704 von Tiesbach entdeckte Berliner Blau lehrte Macgner 174!» auf Banmwolle n.s.w.zu färben. Die Färbeeigenscbaften der Qncrcitrvnrinde wurden 1775 durch Bancrvftbekannt und dadurch ein neuer gelber Farbstoff eingeführt. Die Entdeckung des MetallesChrom durch Vaugnelin nud durch Klaprvth in, Jahre 17!»7 führte bald zu vielfäl-tiger Anwendung seiner Verbindungen in der Färberei, 1819 zum Färben von Chrom-gelb, 1826 zur Erzeugung wcister Muster auf Jndigogrnnd > Ätzbeize) und 1832 znmFärben von Blanhvlzchrvmschwarz aus Wolle. Die folgenden Jahre bringen Versuchezur künstlichen Bereitung von Farbstoffen, namentlich aus der Harnsäure; der erste iuGebrauch gelangte künstliche Farbstoff war das aus ihr 1839 von Licbig und Wühlergewonnene Mnrexid. Allein dieses und andere ähnliche Produkte sollten keine dauernde Be-deutung gewinnen. Die Untersuchungen einerseits der Krappfarbstoffe, andererseits desStcinkvhlentcers lenkten die erst im Entstehen begriffene Farbindustrie in andere Bahnen.Im Jahre 1826 stellten Robignct und Cvlin die Gegenwart von zwei bestimmtenFarbstoffen in, Krapp fest, welche sie Alizarin und Purpurn» benannten, und boten dieseiu konzentrierter Form den Kattnndruckern, wodurch sie die Erzeugung feinerer Musterals bisher ermöglichten: die nächsten vierzig Jahre forderten Verbesserungen in derRein-darstellnng der natürlichen Krappfarbstoffe, welche die wichtigsten Farbstoffe der Kattun-drucker wurden, bis im Jahre 1868 Gracbe und Liebermann deren chemischen Banklarlegten und Methoden zu ihrer Darstellung anS Produkten des Steinkvhlcnteerslehrten und damit die namentlich für Deutschland so einträgliche Industrie der Alizarinfarb-stofse begründeten. In das Jahr 1826 fällt auch die erste Darstellung des Anilin ausIndigo durch Unverdorben, das 1834 von Runge im Gasteer aufgefunden, 1842 vonZinin zuerst aus Benzol, bezw. Nitrobenzol dargestellt und im folgenden Jahre vonA. W. Hofmaun genau untersucht wurde.

Bei seinen Untersuchungen des Steinkohlenteers im Jahre 1834 erkannte Rungebereits mit prophetischem Geiste die Möglichkeit, aus ihm zahlreiche Farbstoffe zu bereiten;aber noch war die chemische Forschung und vor allem Deutschlands wirtschaftliche nudtechnische Eutwickclnng nicht genügend fortgeschritten. Eingehend wurden die Destillatedes Teers 1849 von Mansfield studiert, der durch die Entflammung dabei entwichenerBeuzoldämpfe sein Leben cinbüstte. Den aus den Destillaten bereiteten zukünftigen Roh-materialien der Anilinfarbenfabrikatiou widmete A. W. Hvfmann erfolgreiche und wich-tige Untersuchungen. Sein Schüler W. H. Perkin brachte dann 1856 den ersten Anilin-farbstoff, das Mauvem ant den Markt: ihm folgten 1858 Rathamohn und A. W. Hof-