Au Farben wird das Licbt auf jedem Wolkensaum,
Und tausendfache Bllit' und Frucht an jedem Baum.
Es freut sich feines Spiels, und ihm zum Spiel zu dienen,Freut sich die Welt. und wir freu'n billig uns mit ihnen.
Rückert.
Die Färberei und Appretur
nebst Bleichern und Zengdruck.
Geschichte der Färberei und Upprel«r. Äle Faser». Büsche und Bleiche. Die Färberei: Farbniillek;Beizen; Forblloffe des Bssnnzen- und Tierreichs; Suiilllichc organische Forbllolle (Anilin-, Uliznrinlnröcn «. dergl.);Mineralische FacbNoffe; Linrichlnngen nnd Bersnljren der Inrderei; Färben l>eslin>nüer Farben; Färben vanHnllnvollc, Halbseide und GloriaNolsrn. Der Jengdrncii. Die Avv reine oder Inrniinng der Gewebe.
Bollisnnrlschallliche Bedenlung.
i^MP/cic Freude an der Farbe ist eines der ersten künstlerischen Gefühle, welche dernnzivilisierte Mensch empfindet, nnd Vvr allein in der sarbenstrahlcnden Naturder wärmeren Teile unseres Erdballs wird überall und jederzeit in den wil-besten Völkern der Wunsch rege, die bunte Pracht der Tier- nnd Pflanzenweltnachzuahmen. Vielfach beginnt die Ausübung der Färberei am eigenen Leibe
des Wilden durch Bemalen und Tättowieren der Haut mit den Farbstoffen,welche der Erdboden und die Pflanzensäfte darbieten. Bei fortschreitender Entwickelungbeginnt der Mensch seinen Leib zu verhüllen nnd überträgt nun seine primitive Kunstauf die Gewandung, indem er diese, gleichviel ob sie aus Rindenstoffen oder Flechtwcrk oderFellen gefertigt sei, in der gleichen Weise, wie seinen Körper bunt bemalt. Die Natur dieserBekleidnngSstvffe gestattet im allgemeinen nur eine Befestigung der Farben auf ihrer Ober-fläche durch „Bemalen"; ein Durchdrungen der Masse mit der Farbe, wie es der eigent-lichen „Färberei" eigentümlich ist, entspricht nicht dem Wesen des zu färbenden Materials.Diese Färberei kann sich erst entwickeln, nachdem die Verarbeitung von Stoffen, welchezweckmäßig in der Masse zu färben sind, erfunden ist. Solche Stoffe sind vor allem dieSpinnfasern, die Pflanzen- und Tierreich liefern: die pflanzlichen Fasern Flachs (Leinen)nnd Baumwolle n. a. m. nnd die tierischen, die Schafwolle sowie die Haare einigeranderer Säugetiere, zu welchen die Chinesen bei weiterem Kultnrfortschritt die Seidegefügt haben. Nachdem der Schmuck der Gewandung durch bunte Farben bereits znrGewohnheit nnd zum Bedürfnis geworden, entwickelt sich die Färberei der gewebtenStoffe nnd der zu ihrer Herstellung dienenden Spinnfasern nnd Garne um so leichter,als die Natur dem Menschen zahlreiche Pflanzensäfte zur Verfügung stellt, in welche jeneErzeugnisse nur kurze Zeit eingetaucht zu werden brauchen, um die prächtigsten Farbtöneanzunehmen. Der Natur der Spinnfasern entsprechend tritt das Bemalen mit den anihnen nicht leicht haftenden Mineralfarbstoffen zurück nnd wird durch die eigentlicheFärberei mittels Durchtränken der ganzen Masse des Materials mit den nicht in festerForm, sondern in Wasser oder anderen Flüssigkeiten aufgelösten Farbstoffen verdrängt.