Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
550
JPEG-Download
 

ö50

Die Färberei und Appretur nebst Bleicherei und Zengdruck.

Waschen nnd Bleichen der Baumwolle.

Wie bereits erwähnt, erfordern die beiden Haupt-Fascrgrnppen durchaus ver-schiedene Wasch- nnd Bleichbehandlnngcn, nnd säst jede einzelne Faser ist wieder aufbesondere Art zu waschen nnd zu bleichen. Wir beginnen mit den pflanzlichen Fasernnnd zunächst mit der Baumwolle als der heute von diesen am meisten gebrauchten.

Banmwvllgewcbe erfordern eine besonders gründliche Wäsche zwecks Entfernungder absichtlich nnd unabsichtlich bei der Fabrikation hineingelangenden Verunreinigungen,

namentlich des Kettlcimcs, so-wie der natürlichen Verun-reinigungen, wie Banmwollcn-wachs nnd -öl; Garne nnd loseBaumwolle sind einfacher zureinigen, als hier zunächst be-schrieben.

Vor Einführung desChlors als Bleichmittel wardie Banmwollblciche lang-wierig und viel umständlicher,als mit dem modernen Groß-betriebe vereinbar wäre. DieWare wurde in Holzaschcn-laugc (Pottasche » abgekocht, inButtermilch eingeweicht nnddann an der Sonne gebleicht;ein großer Fortschritt war derErsatz von Buttermilch durchSchwefelsäure, indem dieBleichzcit nun von 6 auf3 Monate herabging. Umdas Jahr 1837 bürgerte sichzuerst in England, dann auchin andern Ländern als „ame-rikanische Bleiche" das Ab-kochen mit Kalk ein, welchesauch jetzt noch sehr allgemeingebraucht wird, aber in neuererZeit großenteils durch dasAbkochen mit Ätznatron ver-drängt ist; bcideBchandlnngenbezwecken die Entfernung derfett- nnd wachsartigen Stosse,nicht die der Farbstoffe, durch

577. Injrktorkirr.

welche die Rohbaumwolle gelblich, bläulich oder rötlich gefärbt ist.

Beim Eintritt ins Bleichhans werden die Stücke mit unzerstörbarer Farbe (Teer)gezeichnet („Stempeln") und dann in langer Reihe Ende an Ende zusammengeheftet(„Heften"). Druckware wird vor Beginn der Wäsche meist der Behandlung des Sengensdurch glühendes Metall oder Gasflammen unterworfen, um die aus dem Zeuge hervor-ragenden Härchen zu verbrennen und eine ganz glatte Oberfläche zu erzeugen. Veraltetfür Baumwollware ist das „Plattensengen", bei welchem das Gewebe über zwei vonnuten bis znr Rotglut geheizte gewölbte Kupserplatten läuft, dagegen noch für Wollcn-nnd Halbwollengewebe wichtig. Die festen Platten werden zu sehr abgekühlt und sengenungleich nnd sind deshalb beim „Walzensengcn" durch hohle, sich drehende nnd von innengeheizte Walzen ersetzt; das Zeug läuft glatt ausgebreitet über die Scngwalze, dann zum