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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Waschen und Bleichen der Wolle. — Farbmittel.

tritt noch die Verunreinigung durch den Kettlcim hinzu und endlich beim Walken dasDurchtränken des Tuches mit Leise. Alle diese Stoffe müssen wieder entfernt werden,bevor daS Garn oder Gewebe gefärbt werden darf, soll nicht die Färbung ungleichmäßigausfallen oder die Farbe abschmieren. Das zu färbende Garn oder Gewebe wird dahertrotz bester Wollwäsche nochmals gründlich in lauwarmer Soda- oder Seisenlösung unddann in reinem Wasser gewaschen, Garn durch Umziehen in Kufen über Stöcken oderdirekt mit der Hand, Gewebe mit Hilfe der Waschmaschinen, auf welchen das Zeug ent-weder strangartig zusammen gefaltet und mit zusammengehefteten Enden (Strungwasch-maschine Abb. 584) oder glatt ausgebreitet lPreitwaschmaichine Abb. 585) als endlosesBand durch die Waschflüssigkeit läuft und dabei beständig zwischen Quetschwalzen aus-gepreßt wird.

Garne und Gewebe werden ähnlich wie Seide mittels Schwefeln gebleicht, loseWolle nur selten.

Die oben erwähnte Karbvnisation beruht auf dem Umstand, daß pflanzlicheFasern, Stroh, Blätter, Kletten n. dergl. leicht durch Säuren zerstört werden, Wolle (undSeide) dagegen bei richtiger Behandlung nicht leiden. Die zu entklettende Wolle wirdin stark verdünnte Schwefelsäure gelegt, abgepreßt und langsam bei allmählich steigenderWärme getrocknet; die durch Verdunstung des Wassers stärker werdende Schwefelsäurezerstört die pflanzlichen Stoffe, ohne die Wolle anzugreifen. In gleicher Weise werdenwollene Lumpen zur Verarbeitung auf Kunstwollc (Shoddy, Mungo), von beigemengterBaumwolle befreit; hierfür dient jedoch vielfach SalzsänrcgaS statt verdünnter Schwefel-säure, da dieses die Farben der Lumpen nicht angreift und daher beim späteren FärbenErsparnis an Farbstoff gestattet.*)

Die Technik der Färberei.

Die Farbmittel.

Die Ausführung der einzelnen Färbeprozesse ist hauptsächlich durch die Natur derzu färbenden Fasern einerseits und andererseits durch die Eigenschaften der anzuwen-denden Farbmittel bedingt. Unter letzteren nehmen die Farbstoffe den ersten undaugenfälligsten Platz ein. Jedoch werden sie selten für sich allein gebraucht; der Färber muß fast stets für diesen oder jenen Zweck verschiedene Chemikalien wie Schwefelsäure,Soda, Seife, Glaubersalz n. a. m. dem Farbbade zusetzen, um den Farbstoff in die Fasereinzuführen. Unter diesen Chemikalien spielen eine ganz besondere Rolle die Beizen,die nicht bloße Hilfsmittel zur Befestigung der Farbstoffe sind, sondern vielfach sclbst-ständig an der Entstehung der Farbe mitwirken, indem viele (aber bei weitem nicht alle)Farbstoffe für sich allein noch keine fertige Farbe darstellen, sondern erst durch die Ver-bindung mit der Beize zu dieser werden. Ein Beispiel möge dieses kurz an zwei typi-schen Vertretern großer Farbstvffgruppen erläutern: Benzopnrpurin färbt Baumwolle,Seide, Wolle n. s. w. schon, wenn diese Fasern in seine warme Lösung eingebracht werden,kräftig rot, und die Farbe fällt nur tiefer, aber nicht wesentlich anders aus, auch nichtbezüglich der Echtheit (d. h. Widerstandsfähigkeit gegen die verschiedenen Einwirkungen,namentlich beim Gebrauch), wenn dem Farbbade Salz, Soda, Seife, Schwefelsäure, Alaun,oder andere Beizmittcl zugesetzt werden oder wenn die Faser vorher mit solchen behandelt

Die vielfach, aber bei weitem nicht immer mit Recht beklagte Verschlechterung der Weg-waren in innerer Zeit ist jedenfalls nicht auf das Karbonisieren der Wolle, viel eher auf die aus-giebige Verwendung der Knnstwolle zurückzuführen. Thatsächlich ist selbst in besseren Fabri-katen viel häufiger Knnstwolle enthalten, als ihre erbittertsten Feinde ahnen, und es ist dieskaum zn beklagen. Denn so riesig sich auch die Wollprodnktion der Erde in unserem Jahrhundertvermehrt hat, vermag sie doch den Bedarf nicht zn befriedigen, und die Kunstwollc ist ein volks-wirtschaftlich höchst wertvolles Surrogat, indem sie auch dein minder Begüterten gesunde Woll-kleidung zugänglich macht. Die Haltbarkeit der Knnstwolle ist allerdings geringer als die frischerWolle, aber immerhin grüner, als man im allgemeinen z» glauben geneigt ist (weshalb sie auchso große Verwendung finden kannt. Es sei hier nur noch bemerkt, daß Übertragung von Krank-heitsstosfcu durch die Knnstwolle durchaus nicht zn befürchten ist: die Karbonisation wirkt sehrkräftig desinfizierend und in gleicher Richtung wirken die Wäsche und andere Fabrikatiousarbeiten.

Buch der Erfind. VIII. 71