Die Appretur.
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Die Appretur oder Iluriilkung der Gewebe.
In der Einleitung wurde schon kurz auf die Aufgabe der Appretur hingewiesen.Dlie Gewebe sind so, wie sie voni Webstnhl kommen, in der Regel noch nicht gebraucheoder wenigstens nicht marktfähig. Es ist meist eine Reihe von Behandlungen, zu welchenauch die Wäsche gezählt werden kann, nötig, das rohe Gewebe znm Verkauf vorzubereiten.
Die wichtigeren Appreturarbeiten können eingeteilt werden in 1) solche, die die Befreiung der Stoffe von Verunreinigungen aus früheren-Operationen (Waschen, Entschlichten,Entstäuben) oder von Unebenheiten und Fehlern des Webens (Noppen) bezwecken; 2) Ar-beiten zur Veränderung der Stoffe nach Form und Charakter, wie Walken, Rauhen, Scheren,Sengen, Glanzgeben (Mangen, Kalandern , Pressen), Stärken, Beschweren, Wasserdicht-machen; 3) Hilfsarbeiten, wie Spannen, Dekatieren, Trocknen und 4) Verpacken, umfassenddas Falten, Legen und Messen. Die Reihenfolge der unter 1—3 kurz angedeuteten Ar-beiten wechselt je nach der Art der Stoffe.
Die Büttel, mit welchen die Appretur arbeitet, sind teils chemischer, teils physika-lischer oder mechanischer Natur; erstere kommen hauptsächlich für das Waschen und Im-prägnieren (Stärken, Wasserdichtmachen) in Anwendung; die rein physikalischen bestehenin der Benutzung von Wärme und Dampf, z. B. beim Dekatieren; die mechanischen Mittelsind Schlag, Stoß, Druck, Reibung, Ausdehnung n. s. w.; meist werden die physikalischenund mechanischen Mittel vereint angewendet; auch die chemischen Mittel erfordern meistdie Hilfe physikalischer Einwirkung.
Dem Laien dürfte die Appretur der Banmwoll- und Leinen-Gewebe am bekanntestensein, insofern die Zubereitung der Hans- und Leibwäsche durch Stärken, Mangen, Bügeln,auch Spannen dieser sehr ähnlich ist; allerdings kommen noch manche wichtige Arbeiten,wie Sengen, Scheren, Stoßkalandern, Moirieren in der Appretur vor, die der häuslichenWäscherei unbekannt sind. Ganz eigenartig ist die Appretur der Woll und Halbwoll-waren (wenngleich die meisten der dort vorkommenden Arbeiten auch für die Ausrüstungvon Geweben aus Baumwolle, Leinen, Seide n. s. w. Eingang gefunden haben). GeringeZurichtung verlangen im allgemeinen Seidenstoffe.
Eine bestimmte Reihenfolge der Appreturarbeiten läßt sich nicht aufstellen. Dieselbeist je nach dem zu erreichenden Ziele wechselnd, und zuweilen werden viele verschiedene,zuweilen nur wenige Operationen an dem Gewebe vorgenommen; bald wird die eine,bald die andere Art von Behandlungen, mit welchen ähnliche Erfolge erzielt werdenkönnen, vorgezogen. Im Folgenden betrachten wir daher nur die Hauptarbeiten, welchedas Gewebe fertig stellen, in der ungefähren Reihenfolge, in welcher sie im allgemeinenzur Ausführung kommen. Die Wäsche, welche ja auch einen Teil der Zurichtungder Gewebe ausmacht, wurde beim Bleichen und Färben behandelt und mag daher hierÜbergängen werden.
Appretur von Baumwollgeweben. Bei den meisten Baumwollgeweben beginntdie Appretur mit dem auf S. 550 besprochenen Sengen, durch welches die einzelnenaus der Oberfläche hervorragenden Fäserchen verbrannt werden und das unsauber-flaumigeAussehen der Stoffe beseitigt wird. Nicht allein glatte Gewebe, wie Kattun, Kambric,Schirting n. s. w., sondern auch Sammet, namentlich geschnittener Manchester (Kord) werdenhierdurch veredelt. Glatte Gewebe werden häufig nach dem Waschen noch geschoren, umdie Oberfläche vollständig zu glätten. Dieses Scheren, sowie das für die unrechte Seiteder Barchentstoffe nötige Rauhen sind vorzüglich der Wollwarenappretur eigentümlicheOperationen und mögen deshalb dort besprochen werden. Nach diesen Arbeiten oder nachdem auf sie zunächst folgenden Färben oder Bedrucken erhalten die meisten Banmwoll-zeuge den eigentlichen Appret, d. h. sie werden mit einer hauptsächlich aus gekochterStärke bereiteten Masse getränkt, welche ihnen die für den Verbrauch gewünschte größereoder geringere Steifheit, gleichzeitig aber auch ein dem Handelsgebranch entsprechendesgefälliges Aussehen verleihen soll, das zwar vorn Käufer verlangt, aber von ihm selbsthäufig noch vor dem Gebrauch durch Waschen beseitigt wird. Die Appretmischnngen werden,je nach der gewünschten Steifheit oder Geschmeidigkeit, Glätte oder Glanz auf mannig-