Vorbereitende Arbeiten des Gerbers. 02!)
lockert sind, kommen die Honte zum Enthaaren, welche Operation bei geschwitzten Häuten nlSPeelcn oder Pählcn bezeichnet wird.
Das Kalken oder Äschern. Dieser Prozeß, welcher durch Einlegen oder Einhängendes Hnntinaterials in mit Kulkmilch gestillte, gemauerte und zementierte Gruben, sogenannteÄscher, ersolgt, wird bei allen den Häuten und Fellen vorgenommen, welche für die ver-schiedensten Lcdcrarten, mit Nnsnahmc des geschwitzten lohgaren Sohlledcrs, bestimmt sind.Znr Herstellung der Äschcrbrnhc wird gebrannter Kalt z» Kalkbrei gelöscht und mit Wasserzu Kalkmilch verdünnt. Gewöhnlich verteilt man die angewandte Kalkmcngc auch aufmehrere Äscher, meist auf , drei von steigender Konzentration. Die Häute gelangen zuerststets in den schwächsten Äscher und verbleiben darin mehrere Tage, während welcher Zeitman sie mehrmals herausnimmt, („aufschlägt") und die Äscherflüssigkeit gut aufrührt.Hieraus werden sie in stärkere Äscher gebracht und erst dann herausgenommen, wennsie vollständig haarlassig sind. Die Äschcrflüssigkcitcn können, wenn ein Teil des Kalkeswieder ersetzt wird, mehrmals benutzt werden. Den schwächsten Äscher, in welchen die Häutezunächst gelangen, bezeichnet man gewöhnlich als „faulen Äscher". Die Äscherdaucr richtetsich nach dem Hantmaterial und ganz besonders nach der Lcdcrart, welche man herstellenwill; diejenigen Häute, welche zu möglichst festem Leder, wie Halbsohlledcr, Brandsohlleder,Maschinenriemcnledcr, verarbeitet werden, äschert man möglichst kurz sö—8 Tage), da hierbeiim wesentlichen nur Haarlockcrung erreicht werden soll. Hantmaterial, aus welchem manZcngledcr, Geschirrleder, Vachctten n. s. w. herstellt, wird länger geäschert >,8—15 Tage) undschließlich Häute, die für Oberleder bestimmt sind, bleiben am längsten im Äscher (bis zu25 Tagen), weil man bei diesen durch den Kalk zugleich auch eine Lockerung des Haut-gewebes erreichen will. Zur Beschleunigung des Äscherprozesscs sind in neuerer Zeit vieleVorschläge gemacht worden, welche im wesentlichen darin bestehen, daß man die Häute zeit-weilig im Äscher oder die Äscherflüssigkcit selbst bewegt.
Den Äschern werden behuss intensiverer Wirkung mancherlei Substanzen zugesetzt, wieSoda oder Holzasche (die stärkere Wirkung derselben beruht auf der Bildung von Natron-,bezw. Kalilauge durch Umsetzung der zugesetzten Stoffe mit dem Kalke), Gas- und Grünkalk(d. i. ein Produkt, welches bei der Reinigung des Leuchtgases erhalten wird und als wirk-samen Bestandteil Calcinmsulfhydrat enthält), roter Arsenik (auch Realgar oder von, Gerberkurz „Gift" genannt, d. i. dasselbe Gemisch, welches von den Orientalen unter dem NamenRhnsma znr Entfernung der Barthaarc verwendet wird) oder Schwcfclnatrinm. DerartigeÄscher, welche man als verschärfte Äscher bezeichnet, werden angewendet, wenn dieÄscherzcit möglichst abgekürzt werden soll, oder wenn man ein besonders weiches Leder ausHäuten herstellen will, die sehr stark aufgetrocknet sind, wie z. B. die Kipse. Der Zusatzvon Schweieluatrinm erfolgt namentlich bei solchen Häuten, die zu festem Leder, wie Halb-sohllcder, Riemenlcdcr verarbeitet werden, und der von rotem Arsenik wird zu solchen Häutenund Fellen angewandt, die für weiches, geschmeidiges Leder ^Oberleder, weißgare Leder) be-stimmt sind.
Das Schwödcn oder Anschwöllen. Um die Haarlockerung möglichst zu beschleunigen,oder um die Haare, bzw. die Wolle, welche bei dem Einlegen in die Äscherflüssigkcit starkleiden, zu schonen, verfährt man in der Weise, daß der Kalk in Brcisorm, der eventuell nochdie oben angeführten Zusätze erhält, auf die Häute aufgetragen wird; wenn es lediglich aufAbkürzung der Zeit, aber nicht auf Erhaltung des Haares ankommt, so ersolgt der Auftragauf die Haarseite, im anderen Falle jedoch auf die Fleischseite, da hierbei die alkalischen Sub-stanzen nicht nachteilig auf das Haar bezw. die Wolle wirken können. Das letztere Verfahrenwird namentlich bei Schaf- und Lammfellen ausgeführt, bei welchen die Wolle meist einenhöheren Wert als das cntwollte Fell besitzt. Nach dem Auftragen der Schwöde klappt mandie Felle derart zusammen, daß die Haare, bezw. die Wolle nach außen kommen, und legt siehieraus in Bottiche oder Gruben ein, welche entweder trocken stehen bleiben oder mit einerganz dünnen Kalkmilch gefüllt werden. Nach 4—20 Tagen, je nach der Stärke und sonstigenBeschaffenheit der Felle, beim Auftragen auf die Haarseite schon nach einigen Stunden, sinddie Haare, bezw. die Wolle und das ganze Hautgcwebe so weit gelockert, daß die Enthaarungerfolgen kann.
Rcinmachearbeiten. Nachdem die Haare bez. die Wolle nach einem der an-geführten Verfahren genügend gelockert worden sind, werden die Häute znr Entfernungvon Kalkbrühe, Schwödebrei u. s. w. zunächst in nicht zu kaltem Wasser gespült (inmanchen Gerbereien wird diese Operation in Walkfässern bei zu- und abfließendem Wasserausgeführt); alsdann kommen sie mit der Haarseite nach oben aus den Baum (Haarbaum)und werden mit Hilfe eines stumpfen Messers (Haareisen) von Haaren und Oberhautbefreit, worauf sie wieder in Wasser gespült werden. Znm Enthaaren verwendet maujetzt zuweilen Euthaarmaschiuen. Hieran schließt sich die Entfernung der Unterhantund des an ihr sitzenden Fleisches an. Häute, die für Sohl-, Halbsohl-, Brandsohllederund ähnliche Zwecke bestimmt sind, werden mit der Fleischseite nach oben auf den Baun,