638 Gewinnung und Verarbeitung des Leders.
«Verwendung von gerbstoffreichcrcn Materialien und Abtränken der Sätze mit starkenBrühen) 50—55 lcg und beim norddeutschen System 53—59 lcZ Svhlleder erhält. Ausdiesen Zahlen ist ersichtlich, daß die neueren Systeme hinsichtlich der Ausbeute (Rende-inent) viel vorteilhafter arbeiten. Diese günstigeren Verhältnisse bei den neuen Systemenhängen namentlich mit der besseren Ausnutzung der Gerbmatcrialien zusammen.
Halbsohlleder (Vachcleder, Brandsohlleder). Diese Ledersorten dienen ent-weder als Svhlleder für leichteres Schuhwerk (Damen- und Kinderschuhe, feinere Hcrrcn-schnhe) oder zur Herstellung der inneren Sohlen (Brandsohlen). Für Bache - und Halb-svhlleder verwendet man schwächere Lchsenhänte oder vorzugsweise Kuhhäute, die vonguter äußerer Beschaffenheit (möglichst ohne Narbenvcrlctznng) sein müssen, während manfür Brandsohlleder minderwertiges Rohmaterial benutzt. Die Vorbereitung der Häuteerfolgt in der beschriebenen Weise durch Äschern und nachhcriges sorgfältiges Reinmachen.Der Gcrbeprozcß wird bei den einzelnen Ledcrartcn im wesentlichen in gleicher Weisedurchgeführt; beim Vachcleder wird auf die Zurichtung mehr Sorgfalt gelegt als beiden anderen Sorten. Der Gcrbeprozcß wird etwa in folgender Weise ausgeführt: diereingcmachtcn Blößen kommen zum Anfärben und Angerben zunächst in die Farben«das sind in den Erdboden eingelassene Hvlzgcfäße, die mit schwachen Gerbebrnhen ge-füllt sind und in welche die Häute eingeworscn werden), deren man gewöhnlich sechs bisacht gibt und deren Gcrbstoffgehalt von Farbe zu Farbe steigt. Durch Zugabe frischerEichen- oder Fichtcnlohe in die Farbe wird dafür gesorgt, daß der Gcrbstoffgehalt injeder einzelnen Farbe immer auf derselben Höhe bleibt. In der ersten Farbe (Eintreib-sarbe) bleiben die Häute zwei bis vier Tage und in jeder folgenden fünf bis acht Tage;während dieser Zeit werden sie zur besseren Tnrchmischung der Brühen und zur Erziclnnggleichmäßiger Angerbnng öfters herausgenommen und wieder hineingeworfen, was manals „Aufschlagen" bezeichnet. Nach genügender Angerbnng in diesem Farbengange werdendie Häute in gleicher Weise wie beim geschwitzten Svhlleder in Gruben versetzt, wobeiman z»m vollständigen Garwerdcn je nach der Stärke der Häute zwei bis drei Sätze gibt.
Da ursprünglich bei der Herstellung dieser Ledcrartcn nur Eichenlohe oder höchstensauch Fichtenlohe angewendet wurde, dauerte der Gerbeprozeß meist zehn bis zwölf Monate,zuweilen noch länger. In neuerer Zeit ist zur Abkürzung der langen Gcrbedancr diesesGerbcvcrfahrcn in ähnlicher Weise wie die Svhllcdergerbemcthoden abgeändert worden.Man wendet jetzt mehr Farben an, deren Gerbstvffgchalt regelrechter gesteigert wird undzwar nicht durch Zusatz von Lohe, sondern meist durch Zugabe von starken Brühen, diedurch Extraktion von gebrauchtem und frischem Material oder durch Auflösen von käuf-lichen Extrakten erhalten werden; ferner wirft man die Häute nicht in die Farben,sondern hängt sie an Stangen in dieselben ein („Hängcfarben"). Nach den Farben gibtman ein oder zwei Versenke, und nachher reicht meistens ein Satz aus, als dessen Streu-material namentlich gerbstoffreichere Materialien verwendet werden.
In Amerika und England stellt man die Vachcleder sehr häufig in reiner Brühcngcrbungoder nach einem kombinierte» Systeme «Vachcleder nach englischem Systeme) her, das sehrstark an die Brühengerbiing herankommt. Man bringt die Häute zunächst in einen Farben-gang von 10-12 Farben (.slüt'tv" genannt^, deren Gerbstossgchalt sehr regelmäßig steigt,alsdann in 3—5 sehr lockere Versenke «viel Brühe und wenig Streumalerial, „Ia,ver" genannt)und zuletzt in 1—2 etwas festere Versenke (.cknster" genannt); hierauf ist der Gerbeprozeß,der im ganzen je nach der Stärke der Häute 3—5 Monate dauert, beendet. Die in denVersenken benutzten Brühen sind sehr gcrbstoffrcich.
Die in Österreich nach dem alten Verfahren hergestellten Svhlleder, welche unserem Sohl-ledcr bezw. Vachcleder entsprechen, bezeichnet man als Terzen und unterscheidet in Rücksichtauf die hauptsächlich verwendeten Gerbmatcrialien Fichtenterzen, Knoppcrntcrzcn, Valoncen-terzcn und neuerdings auch Mhrobalanentcrzcn.
Die Trocknung und Zurichtung erfolgen in der gleichen Weise wie beim Svhlleder,nur verwendet man beim Bcichelcdcr auf die Zurichtung eine größere Sorgfalt. Zudiesem Zweck werden die Vachcleder, die übrigens ebenso wie die Brandsohlleder nachdem Gcrbeprvzesse meist in zwei gleiche Hälften vom Kopfe zum Schwänze zu geschnittenwerden, mehrmals mit Wasser gewaschen, alsdann zur Erzielnng eines hellen, glattenNarbcns und einer gleichmäßigen Fa«;on der ganzen Haut anf einer großen Zinktafel mit