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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Gewinnung und Verarbeitung des Leders.

lack, bestehend aus Berlinerblau, Kieuruß und Leinölfirnis, ein- bczw. zweimal aufträgt.Nach jedem Auftrage kommen die Leder auf zwei Tage in den Lackiervfcn und werden da-felbst am ersten Tage der Einwirkung einer gleichmäßigen Temperatur von 50" 0. und amzweiten Tage einer solchen von 60" 6. belassen, worauf man sie au sonnigen Tagen nochmehrere Stunden dem Sonnenlichte aussetzt. Hiernach werden die Leder nur noch mit demKorkholze pantosselk, an den Rändern beschnitten und auf der Lackseitc sauber abgerieben.

Sollen anders als schwarz gefärbte Lackleder hergestellt werden, so ersetzt man den Kien-ruß und daS Bcrlincrblau durch entsprechend gefärbte Mineralfarben.

Saffian-, Korduan- und Marvkkoledcr. Saffianlcder sind schwarz gefärbte,-nicht oder sehr wenig gefettete, glatte snmachgare Ziegen- oder Schaffelle (die Ziegcn-leder werden gewöhnlich als echte, die Schaflcdcr als unechte Saffiane bezeichnet). DieMarokkoleder unterscheiden sich von den Saffianen nur durch die schwarze Farbe und dieKordnanleder dadurch, daß sie mit Naturnarben oder künstlichem Narben versehen sind.Diese Lederarten find ursprünglich fast ausschließlich im Orient und in den Mittclmccr-ländcrn hergestellt worden; gegenwärtig werden dieselben meist in diesen Ländern, nament-lich auch in Indien, gegerbt und in Europa gefärbt und zugerichtet. Als Gerbmatcrialienverwendet man zur Herstellung dieser Ledcrartcn außer Sumach jetzt auch Eichen-, Weiden »oder Fichtenrinde.

Die gut reingemachtcn Blößen werden entweder in einer Reihe von Snmachfarbenvollständig gar gemacht (französische Methode), oder man gerbt dieselben in Snmach-farben an und vollendet die Gerbung durch Walken der Felle in einer starken Snmach-brühe im Walkfasse (italienische Methode). Die ursprüngliche Methode, die auchjetzt noch angewendet wird (türkische Methode), besteht darin, daß man jedes einzelneFell zu einem Sacke zusammennäht, der nur mit einer kleinen Öffnung versehen ist.Diese Säcke werden mit Sumachbrühe gefüllt, worauf man die Öffnung zubindet und dieSäcke einem starken Drucke unterwirft; die gerbstoffhaltige Brühe wird dadurch durch dieBlößen gedrückt und bewirkt deren Gerbung; zur Erzielnng einer vollständigen Garemuß diese Operation zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Sehr starke Schaffelle, besonders die englischen, werden als Blößen auf der Spalt-maschine in einen sehr dünnen Narbenspalt (Spaltfcll) und den eigentlichen Spalt ge-spalten, von denen der erstere zur Herstellung von dünnen Saffianen, der letztere in derSämischgerberei Verwendung findet.

Nach dem Gerbcprozesse werden die Felle sorgfältigst ausgewaschen, gereinigt undim nassen Zustande gefärbt (näheres hierüber bei der Betrachtung der Lederfärbcrei),aus Rahmen gespannt, getrocknet und fertig zugerichtet. Die für Marvkkolcder bestimmtenFelle werden vor dem Trocknen schwach mit Degras geschmiert. Zur Egalisiernng derFleischseite werden die Leder im wenig feuchten Zustande mit dem Schlichtmonde geschlichtetoder mit Hilfe besonderer Maschinen glatt geschliffen; man weicht sie dann in Wasser einund reckt sie auf der Tafel glatt aus, damit sie bei dem nachherigen Trocknen aufNahmen eine glatte Facon erhalten. Hieraus werden die Leder aus der Narbenseite miteinem Eiweißglanze versehen und auf der Glänzmaschine geglänzt; die für genarbte Warebestimmten Leder erhalten zuvor durch Pantoffeln oder Chagriniereu einen natürlichenoder einen beliebigen künstlichen Narben. Zur Erzielnng einer großen Weichheit werdendie Leder nach dem Glänzen mit dem Pantvffelholze unter sich gezogen. Die Saffian-und Kordnanleder finden eine ausgedehnte Verwendung zu Buchbinder- und Portefeuille-arbeiten, die Marokkoledcr (Maroquins) namentlich als Oberleder für feines Schuhwerk.

Der ursprünglich nur in Rußland , jetzt aber auch in anderen Ländern als Leder-spezialität hergestellte Juchten oder Insten ist eine Lederart, welche hauptsächlich alsOberleder, außerdem auch als Portefeuillclcder verwendet wird. Der Juchten unterscheidetsich von unserem Oberleder dadurch, daß er ausschließlich mit Weidenlohe gegerbt und mitBirkentccröl (Juftenöl) geschmiert ist, wodurch ihm der charakteristische Geruch verliehen wird.

Mittel zur Beschleunigung der Gerbung. Infolge der sehr langen Gerbe-dauer bei der Lohgerberei ist man in diesem Gewerbe von jeher bestrebt gewesen, dieGerbzcit abzukürzen, und es sind, abgesehen von den bereits oben genannten Mittelnhierzu die verschiedensten Wege teils mit, teils ohne Erfolg in Vorschlag gebracht worden.