Die Wachstuch- und Linoleumfabrikatiou.
^^M^einen Namen hat das Wachstuch davon erhalten, daß man früher zur Herstellungdesselben Leinen- oder Baumwollengewebe mit einer Wachslösung in Terpentinölüberstrich und eintrocknen ließ. In der Kälte wird ein derartiger Stoff spröde,in der Wärme leicht klebrig. Einen wichtigen Fortschritt machte man in der Her-^ stellung des Wachstuches, als man die Wachsterpcntinöllösung durch Leinölfirnisersetzte, welch letzterer durch Kochen von Leinöl mit Bleioxyd erhalten wurde.Zur Verminderung der Klebrigkeit wurde die Schicht noch mit einem durchsichtigen Lacküberzogen. Zur Herstellung des Wachstuches werden verschiedene Gewebe, Leinen, Bar-chent, Musseline, Kattun u. s. w. verwendet, die aber alle nach der Fertigstellung mit demNamen Wachstuch bezeichnet werden.
Herstellung des Wachstuches. Eine Wachstuchfabrik braucht große Räumlich-keiten zum Bearbeiten und hauptsächlich zum Trocknen der Zeugflächen. Man verlegtdaher im Sommer einen Teil der Bearbeitung so viel als möglich ins Freie. DieGrundlage des eigentlichen Fabrikates ist ein starkes, festes Flachsgewebe, das wegen derhierbei vorkommenden Breiten meistens auf besonderen Stühlen erzeugt wird, da Nähtein dem Teppich nicht willkommen sein würden. Die erste Arbeit, die mit dem Gewebevorgenommen wird, ist das Aufspannen desselben aus ein Gerähme in senkrechterStellung — bei sehr großen Stücken keine leichte Arbeit. Das eine Ende des auf-gerollten Zeuges wird an einem Endpsosteu des Rahmens angenagelt oder mit Bindfadenangeheftet, dann die Rolle in senkrechter Richtung, nötigenfalls auf einem kleinen Karren,längs des Rahmens hinbewegt und der sich abwickelnde Stoff an den oberen Längsbalkeumit Haken vorläufig befestigt. Der Eckpfosten der anderen Seite, an welchen das andereZeugende genagelt wird, ist durch Schrauben verschiebbar, und durch Anziehen derselbenwird das Zeug in seiner ganzen Länge straff ausgespannt. Nachdem sodann das An-nageln auch an den Seiten, also an den oberen und unteren Langhölzern des Rahmens,geschehen ist, erfolgt das Ausspannen in Querrichtung durch Tieferschraubeu des unterenLangholzes.
Das Tuch erhält zuvörderst auf beiden Seiten eine Grundierung, wodurch es so-wohl geebnet, als zur Aufnahme der Ölfarbe vorbereitet wird. Hierzu dient in derRegel dünnflüssiger Leim, der mit Bürsten aufgetragen und nach dem Trocknen mit Bims-stein fleißig verrieben wird, bis die Unebenheiten des Stoffes verschwunden sind. DerLeimgrund verhindert das Eindringen des Firnisses ins Innere des Gewebes und erteiltdadurch dem Stoffe eine größere Biegsamkeit; gewisse billige Stoffe erhalten auch bloseine Kleistergrundierung. Je nach der Färbung, die man mit dem Stücke vorhat, wirddem Leimgruude auch schon Farbstoff zugesetzt. Andere Ware, besonders die zu Tisch-decken vielfach benutzten Wachsbarchente, werden nur auf der einen Seite grundiert, dieandere Seite wird zum Schutze der Politur darunter befindlicher Flächen in ihrer fein-wolligen Beschaffenheit gelassen. Die Farbstoffe selbst, welche dazu, sowie zum Bedrucken