Band 
Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
Seite
4
JPEG-Download
 

4

Einleitung: Entwickelung des Verkehrswesens.

Welchen gewaltigen Einfluß das Verkehrswesen ausübt, führt uns namentlich unsereZeit, die in der That im Zeichen desselben steht, in besonders anschaulicher Weise vorAugen. Gleichsam über Nacht haben die Verhältnisse der Mensche» durch die Erfindungund Einführung der Eisenbahnen eine Umwandlung erfahren. Tiefer Einfluß ist auchin geistiger Beziehung ein so mächtiger und weittragender, daß man mit Recht die Be-hauptung aufstellen konnte, ein Watt, der Erfinder der Dampfmaschine in ihrer heutigenGestalt, und ein Stephenson, der Erbauer der ersten leistungsfähigen Lokomotive, habeneinen ebenso großen Einfluß aus die geistigen Anschauungen der Menschen ausgeübt alsein Luther und Voltaire.

Erfreuliche Bilder sind es in der Mehrzahl, die an unseren Augen vorüberziehen,wenn wir die Entwickelung des Verkehrswesens betrachten. Der ungeheuer große Unter-schied zwischen dem beladenen, auf schlechten Wegen dahiukenchenden Menschen und demmit rasender Geschwindigkeit dahineilenden, mit allem erdenklichen Komfort ausgestattetenEilzug ist das Resultat einer zwar Jahrtausende langen Arbeit, aber trotz dieses langen,für die Ausbildung erforderlich gewesenen Zeitraumes ist dieser Unterschied ein so gewaltiger,daß er vollauf geeignet ist, unsere Genugthuung über die erzielten Erfolge hervorzurufen.In diesem Umwaudlnngsprozeß spielten einzelne Erfindungen, welche zu den glänzendstendes menschlichen Scharfsinnes gehören, eine hervorragende Rolle, so der Wagen, das Schiffund vor allem, wie bereits ausgesprochen, die Eisenbahnen.

Den Ausgangspunkt des Verkehrswesens bildete die Ortsveränderung desMenschen.Dieselbe erlangte für die Verkehrsentwickelung jedoch erst mit dem Augenblicke Bedeutung,als sie von einer Ansiedelung zur anderen stattfand und mit ihr ein Austausch von Natur-produkten oder Erzeugnissen der menschlichen Thätigkeit verbunden war. Dem Handelkommt für die erste Ausbildung des Verkehrs eine ganz hervorragende Bedeutung zu,wie dieser Einfluß wohl für alle Zeiten der wirksamste bleiben wird. Wir brauchen unsin dieser Beziehung nur daran zu erinnern, daß selbst in unserer Zeit mit ihrem gegenfrüher geradezu enormen Personenverkehr dennoch dieser gegen den Frachtverkehr weitzurücksteht, und daß der letztere es ist, der in den weitaus meisten Fällen sowohl für dieVerbindungen zu Lande wie zu Wasser von ausschlaggebender Bedeutung ist. Durch seineErgiebigkeit hat er zu einem nicht geringen Teile den ausgebildeten Personentransporterst ermöglicht. Neben dem Handel waren von früher Zeit an einige andere Momente,besonders der Krieg, wirksam, daß Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen derErde hergestellt wurden. Das Erfordernis, die Armeen leicht von einem Ende des römischenWeltreiches nach dem anderen schaffen zu können, trug nicht am wenigsten dazu bei, jenesausgedehnte Straßennetz entstehen zu lassen, das heute noch in seinen Überresten unsereBewunderung erregt. Das Streben nach möglichst großer Kriegsbereitschaft ist auch inunseren Tagen noch aus die Entstehung ausgedehnter Verbindungen, besonders auf dieSchaffung von Schienenwegen, von Einfluß.

Selbstgetretene Pfade, welche Flußläufen und Thalbildnngen folgten und welcheohne eigentlichen Arbeitsaufwand durch das fortwährende Betreten während mehrererGenerationen entstanden waren, bildeten die ersten Wege. Es verstrich zweifellos ein sehrlanger Zeitraum, ehe durch die Thätigkeit der Menschen diese Wege eine weitergehendeAusbildung erfuhren. Auf diese Ausbildung hat die Entwickelung der Transport-mittel einen sehr großen Einfluß ausgeübt. In den ersten Anfängen der Kultur war derMensch sein eigenes Lasttier und spielte die Muskelkraft der Menschen bei der Transport-vermittelung eine große Rolle. Auch heute finden wir diese primitive Art der Güter-bewegung noch vielfach, namentlich im Orient wird der Lastträger noch lange nicht ver-schwinden, wie derselbe auch im Gütertransport Chinas und Mittelafrikas vorläufig nochnicht verdrängt werden wird. Der Neger trägt auf seinem Kopse oder Rücken bedeutendeLasten mit größter Leichtigkeit. In Amerika wurden vor der Entdeckung durch die Europäerfast alle Lasten durch Träger befördert, in Südamerika ist in den Anden auch heute nochder Lastträger, der Carguero , eine häufige Erscheinung.

Frühzeitig wußte sich der Mensch jedoch einzelne Tiere für den Transport zu nutzezu machen, so Las Kamel, das Pferd, den Ochsen, den Esel, den Hund, den Elefanten,