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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Hauptverkehrsstraßen im Mittelalter. Ter Seeweg nach Indien. Die Entdeckung Amerikas . 2 7

Soldaja durch die Venezianer emporgebracht. Im Südwesten Rußlands entwickelte sichKiew , das aus einem Fährhause erwuchs, zu einem bedeutenden Handelspunkte. Amoberen Tnjepr erlangte Smolensk besondere Bedeutung. Ter Transport zwischen vor-stehend genannten Orten wurde auf weiten Strecken unter Benutzung der Wasserwegezurückgelegt.

Tie Entdeckung des Kaps der guten Hoffnung und die Erschließung eines neuenSeewegs nach Indien gab der alten schon im Niedergang begriffenen HerrlichkeitVenedigs einen sehr empfindlichen Stoß. Hatte sich auch in einzelnen der an der atlan-tischen Küste bclegenen Städte bereits ein ausgedehnter Handel und eine nicht ganzunbedeutende Schiffahrt entwickelt, so konnten diese Orte doch keinerlei Vergleich mit derHandelsbedeutung verschiedener italienischer Städte, namentlich also nicht mit Venedig aushalten. Tie unaufhörlichen, aus gegenseitiger Eifersucht entsprungenen KämpfeVenedigs und Genuas hatten für beide die nachteiligsten Folgen, welche auch für dasübrige Europa nicht ohne Einfluß blieben. Statt mit vereinten Kräften das Vordringender Osmanli zu verhindern, lähmten sich die beiden Republiken in ihrem blinden Eifer,sich zu schaden. Bereits 1350 faßten die Türken festen Fuß auf europäischem Boden,aber selbst als von dem griechischen Reich nur noch die Hauptstadt bestand und deritalienische Handel auf dem Schwarzen Meer eine außerordentliche Einschränkung erlittenhatte, glaubte Genua noch seinen Vorteil dabei finden zu können, wenn es die Türkenin der Eroberung Konstantiuopels unterstützte. Nach der Besitznahme von Konstantinopel breiteten die Türken ihre Herrschaft in dem Gebiet des einstigen byzantinischen Reichesimmer weiter aus, auch die von den verschiedenen italienischen Städten besetzten Inselndes Ägäischcn Meeres fielen nur allzubald in die Hände der Osmanen. Ter adriatischeuRepublik blieb schließlich nur der Handel nach Ägypten übrig.

Tas Vordringen der Türken hatte die außerordentliche Folge, daß der Welthandelmit Indien in empfindlichster Weise gestört wurde. Es kam hinzu, daß etwa um dieselbeZeit die Tataren die alten russisch-indischen Wege versperrten. Von selbst mußte sichdie Frage aufdrängen, ob kein anderer Weg als über die Levante oder durch Mittelasien nach Indien erschlossen werden könnte. Den Portugiesen war es beschicken, diese großegeographische Ausgabe glücklich ihrer Lösung eutgegenzusühren. Portugal hatte bisher vonseiner günstigen Lage am Meer wenig Vorteil gehabt und im Weltverkehr eine nur sehruntergeordnete Rolle gespielt. Weder mit der wichtigen Hansa noch mit den Handels-städten des Mittelmeers hatten die Portugiesen bis dahin in Wettbewerb zu treten ver-mocht. Streng achteten die Venezianer darauf, daß die von ihnen nach den Niederlandenausgeführten Waren nicht aus den Zwischenmarkt in Lissabon gebracht wurden. Miteinem Schlag änderten sich die Verhältnisse, als Basco de Gama im Jahre 1497 dasStreben nach einem neuen Weg nach Indien durch die Umschiffung Afrikas glücklicherfüllte. Lissabon trat als Handelsplatz immer mehr in den Vordergrund.

Tie Entdeckung Amerikas (1492i hatte in Verbindung mit der 5 Jahre spätereingetretenen Landung der ersten portugiesischen Flotte (unter Vasco de Gama ) in Kalikutaeine weitreichende Umwälzung auf dem Gebiete des Verkehrs, des Handels wie über-haupt in den Weltverhältnissen im Gefolge. Mit dem Hinzutreten der Neuen Welt undder hierdurch eintretenden Befahrung der gesamten Erde mußte der Welthandel imalten Sinne, d. h. die Verkehrsvermittelung zwischen den beiden äußersten Enden desbis dahin bekannt gewesenen Länderkreises sein Ende erreichen. Zu den von den neuenVerhältnissen in sehr günstiger Weise betroffenen Ländern gehörten neben Portugal undSpanien namentlich die Niederlande und England.

Jahrhunderte hindurch war die Nordsee von weit geringerer Bedeutung für denSeeverkehr als das baltische Meer gewesen. Noch im 15. Jahrhundert soll beispielsweisedie Bürgerschaft Londons nur 4 Seeschiffe besessen haben, deren Tragfähigkeit 120 1erreichte. Hatte Flandern , sehr zu dem Mißvergnügen der italienischen Seestädte, bereitsfrüher begonnen mit Lissabon in direkte Handelsbeziehungen zu treten, so nahm dieserHandel nunmehr einen größeren Umfang au. Als die Portugiesen sich zum Herrn dergesamten indischen Meere gemacht hatten — in ihren Händen befand sich Goa , Lrmus,