Ausbildung der Fahrbahn.
14b
Oberbau.
Eisenbahnen sind Spnrbahnen. Verschiedentlich findet man in der Litteratur ihreAnfänge zurückverfolgt bis in die graue Vorzeit, als die Ägypter ihre Pyramiden, dieInder ihre Riesentempel bauten und die alten Griechen ihre Opserfeste und nationalenVolksspiele feierten. Bei jenen Völkern sehen wir allerdings schon Spurwege, d. b. durchPlattenreihen gebildete Fahrbahnen oder in Stein gearbeitete Rillen, auf bezw. in denenam Nil Lastfuhrwerke, im Hellas Fest- und Lpferwagen sich bewegten. Die in den felsigenBerghängen Griechenlands erhaltenen Spurwege zeigen in der Umgebung von Delphi,Eleusis n. s. w. eine Tiefe von 5 bis 7 ein; sie sind an verschiedenen Stellen sogar mitregelrechten Ausweichrillen versehen. Dieses scheint auf eine künstliche Herstellung hin-zudeuten, wenngleich es nochwahrscheinlicher sein wird, daßalle diese Rillen durch natür-liche Abnutzung hervorgerufenwurden. Auch in unserer Zeitsehen wir derartige Rillenbil-dungen vor sich gehen. Sozeigte beispielsweise eine ver-kehrsreiche Londoner Straße,welche mit Granitplatten belegtworden war, schon nach dreiJahren die Rillenspur. DieWegeanlagen der Alten gerietenmit dem Verfall jener Völkerin Vergessenheit und könnendaher nicht als die Vorläuferder späteren eisernen Spur-bahnen angesehen werden. Alssolche könnten eher schon die imMittelalter in den deutschen Bergwerken, im Elsaß, Harz ,in Sachsen und anderen Ortenbenutzten Holzgleise betrachtetwerden, wie dies auch zahlreicheSchriftsteller thun. DerartigeHolzbahnen bestanden aus zweiLängsbalken, die in gleichem
Abstände voneinander auf Querhölzern befestigt und an manchen Orten zur Schonung desHolzes entweder in ganzer Länge oder nur in den Krümmungen mit Eisenstreifen beschlagenwaren. Aus ihnen wurden die kleinenErz- undKohlenwagen, Hunde genannt, durch Menschen-kraft geschoben (Abb. 100). Außer Sebastian Münster überliefert uns die allgemeine Anordnungdieser Bahnen unter Beifügung von Abbildungen das „Bergwerksbuch" von Ettonhardi(1556), sowie das von Agricola <Chemnitz 1557). Hier ist von einem Neidnagel die Rede,durch den die Wagen in den dunklen Stollen und Gängen der Berge sicher geführt wurden.
Eine der ursprünglichsten Gleisarten — hölzerne Laufbahn ohne jegliches Eisen —steht noch heute in der Apostelgrnbe Brad-Siebenbürgen in Benutzung. Rundstämmebilden die Schienen, auf denen plumpe „Hunde" laufen, deren kleine, aber breite Räder(richtiger Rollen) zwecks Spurhaltens in der Mitte ausgekehlt sind. Die Weichen besitzennur eine Zunge (um einen Endpunkt drehbares Rundholz), sind also von denkbar ein-fachster Bauart. Die Bewegung der Hunde erfordert wegen der starken Reibung undder kleinen Laufrollen große Kraftanstrengung. Das Osnabrücker Gleismnseum besitzteine derartige alte, aus Ungarn stammende Weiche mit Karren.
unnan