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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Eisenbahnen: Personenwagen.

nicht als Luxuswagen. So wurde auf den Bahnen in Württemberg und in der Schweiz diese Bauart eingeführt. Doch besaßen diese Wagen nur ein einfaches Drehgestell,das ein sanftes Fahren ermöglichende Gestell mit Wiege und doppelter Federung, wiesolches weiter unten zu Abb. 258 näher erläutert ist, fehlte ihnen. Im allgemeinensind Wagen mit Mittelgang, abgesehen von den Speisewagen, in Nordeuropa nichtbeliebt; die Reisenden lieben hier mehr die Absonderung, ziehen Abteile den einheit-lichen Wagenräumen vor. Erstere geben für längere, besonders nächtliche Reisen wenigerStörung durch zu- und abgehende Reisende. Anderseits hat das reine Abteilsystem denNachteil, daß es die Reisenden an den kleinen Sitzplatz bannt und von den anderenFahrgästen des Zuges isoliert. Vor allem aber birgt es, wenn nicht Bahnsteigsperreoder das englische Kartenkoutrollsystem eingeführt ist, schwere Nachteile für das Zug-personal, da dieses während der Fahrt auf den außen befindlichen Trittbrettern vonWagen zu Wagen mit Lebensgefahr gehen muß. Die Verlustziffern der Schaffner durchAbstürzen von den Trittbrettern sind nicht gering. In der Schweiz sind Abteilwagenin den Tageszügen überhaupt verboten. (Nachtzüge verkehren nur aus den wenigen durch-gehenden Linien, wie aus der Gotthardbahn u. s. w.) Hier kann der Zugbeamte vermittelstder Plattformen gefahrlos von Wagen zu Wagen gelangen. Preußen ist dann voreinigen Jahren mit der Bahnsteigsperre und einem Verbote des Trittbrettbegehenswährend der Fahrt in löblicher Weise vorangegangen, die Reichslande sind gefolgt, undhoffentlich wird jenes gefährliche Kontrollverfahren im Interesse der Fahrbeamten baldüberall verschwunden sein.

Wagen mit Seitengang. Schon 1870 schlug der verdienstvolle IngenieurHeusinger von Waldegg Turchgangswagen vor, die auch die Vorteile der Abteilwagenboten. Der Durchgang war an eine Längswand gelegt, auf ihn mündeten die Seiteu-thüren der Abteile. Vier Jahre später wurde der erste Wagen dieser Bauart in Deutsch-land (Hessische Ludwigsbahn) in Betrieb gesetzt, doch brach sich erst nach 1890 derenallgemeine Einführung Bahn, nachdem die Turchgangswagen der amerikanischen Luxus-züge von preußischen Maschinenbaubeamten 1891 an Srt und Stelle eingehend geprüftworden waren.

Luxuszüge. Pullmann hatte 1887 den ersten Luxnszug gebaut, der als derGipfel des Fortschrittes gepriesen wurde. Diesem folgten bald weitere Züge gleicher Art,die sich schnell die Gunst der Amerikaner erwarben. Es sind dieses die schon oben kurzerwähnten, aus Salon-, Speise-, Schlaf- und Rauchwagen zusammengesetzten Züge mitgeschlossenem Verbindungsgaug an den Wagenenden (Vestibüls trains) und im Innerenauf das reichste und bequemste ausgestattet (vergl. Abb. 247 bis 253). Aus Grund desgünstigen Berichtes vorerwähnter Beamten verfügte der preußische Eisenbahnminister denBau ähnlicher geschlossener Züge. Es sind dieses die heute bei uns so beliebten und ingrößerer Zahl verkehrenden V-Züge mit Trehgestellwagen und durch Faltenbälge ein-gehüllten Übergangsbrücken an den Enden, vom Volksmunde aus letzterem Grunde auchHarmonikazüge genannt. Wagenkasten und Drehgestelle sind deutscherseits selbständigdurchgebildet worden. Die V-Wagen gestatten ein sicheres, gegen Luftzug geschütztesWandern der Reisenden durch den ganzen Zug, ohne Störung der Personen in denAbteilen. Da die Plätze nach amerikanischem Vorbilde numeriert sind, so kann mansich im Zuge auch noch nach der Abfahrt einen passenden Platz wählen, soweit dieBesetzung es gestattet. Da die Züge auch Speisewagen (Abb. 257) bezw. Küchen-einrichtung führen, so kann man in ihnen bequem sich leiblich erfrischen.

Das Reisen in solchen V-Zügen ist keine Unbequemlichkeit mehr. Ihre Benutzungin Preußen ist auch so stark, daß aus dem verwaltungsseitig erhobenen Zuschlage (ffz bis2 Mark, je nach Entfernung und Wagenklasse) sich die hohen Beschaffungskosten dieserZüge verzinsen. Publikum und Verwaltung haben also durch dieselben gewonnen.

In England sind derartige V-Züge zur Zeit in nur geringer Zahl, dagegen werdenin die Schnellzüge vielfach Speise-, Salon- und Schlafwagen mit Drehgestellen eingestellt.V-Wagen laufen ferner in Österreich-Ungarn, in Rußland, Schweden , auf der Gotthard-bahn u. s. w. Sie werden sich immer mehr Eingang verschaffen. Die seit 1897 die