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Eisenbahnen: Güterwagen.
Wir finden heutigestags auf den festländischen Bahnen die Zahl der gedeckten Wagenim Verhältnis zu den offenen wesentlich größer als in England. Während z. B. inDeutschland und Frankreich durchschnittlich auf zivei offene Güterwagen ein bedeckter ent-fällt, kommt in England ein solcher auf je dreizehn offene Wagen. In letzterem Landesind jedoch, infolge seiner natürlichen Gestaltung und Ausdehnung, die Fahrstrecken kürzerals bei uns, auch werden die Gnterzüge mit wesentlich größerer Turchschnittsgeschwindig-keit gefahren als auf dem Festlande. Ferner sind die englischen Güterschuppen mit mechanischbewegten Hebezeugen in reichstem Maße ausgestattet, so daß das Be- und Entladen derWagen in sehr kurzer Zeit vor sich geht. Derartige Hebekräne können aber bei bedecktenWagen nur unvollkommen ausgenutzt werden. Wir sehen deshalb auch in den festländischenGüterschuppen das Ladegcschäft vorwiegend mit der Sackkarre bewältigt. Im Güter-verkehre steht England unübertroffen da und kann, was Schnelligkeit des Transportesund des Versrachtens einschließlich Gestellens an die Empfänger betrifft, als glänzendesVorbild allen anderen Eisenbahnländern dienen. Seine Frachtsätze sind allerdings auchhöher als bei uns, aber der erzielte Zeitgewinn im Güterumschläge und die bessere Wagen-ausnutzung sind schwerwiegende Vorzüge.
In Amerika haben sich aus früher schon dargelegten Gründen von Anfang an Treh-gestellwagen Eingang verschafft. Auch dort werden die bedeckten Wagen in großer Zahlbenutzt. Der Güterverkehr spielt sich ähnlich wie in Deutschland ab, d. h. es werden langeGüterzüge mit geringer Geschwindigkeit gefahren, um die Lokomotiven wirtschaftlich vollauszunutzen. Es ist aber nicht gerechtfertigt, nur die wirtschaftliche Seite der Lokomotiv-maschine im Güterverkchre als allein ausschlaggebend hinzustellen.
Güterwagen erfahren im Betriebe eine andere Behandlung als Personenwagen.Nach ihrer Beladung werden sie auf den Güterbahnhöfen zu Zügen zusammengestellt,unterwegs auf den Abzweigstationen in andere Züge eingestellt und auf den Empfangs-stationen wieder den Entladestellen zugeführt. Dieses Umsetzen vollzieht sich im Rangier -oder Verschiebedienst. Je schwerer eine aus Einzelteilen bestehende Wagenladung ist,desto sorgfältiger muß sie im allgemeinen verladen und desto vorsichtiger und langsamermuß sie beim Rangieren behandelt werden, damit bei starkem, plötzlichem Bremsen oderbeim Ausstößen auf andere Wagen ein Verschieben der Last im Wagen und ein Beschädigenderselben oder des Wagens vermieden wird. Dazu kommt die Rücksicht aus ein Bewegender beladenen Wagen an ihrer Be- und Entladestelle durch Pferde oder Menschen. Deshalbwerden allgemein nur verhältnismäßig kleine Nutzlasten zugelassen und zwar 10 000 bis15 000 Für Sonderzwecke (Kessel, Schienen, Walzeisen) kommen auch bei uns Wagenmit 30 000 Ladegewicht vor (Abb. 266). In Amerika hat man für Massengüter(Kohle, Erze u. s. w.) Wagen mit 27 000 und mehr, seit 1898 auch mit 50 000 llxTragkraft und bis 72 abm Fassnngsraum gebaut, in England für Dampfkessel, Panzer-platten u. s. w. solche bis zu 50000 i<§, während die gewöhnlichen englischen Güterwageneinschließlich der Erz- und Kohlenwagen meistens weniger als 10 000 leg Ladung aufnehmen.Derartige große Lasten erfordern natürlich Drehgestelle. Nach den bestehenden Vorschriftenist auf den Bahnen des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen für Wagen kein größererRaddruck als wie 7000 zugelassen. Durch Einführung der Lcnkachsen und Drehgestellehat man den Bau langer Wagen mit leichtem, ruhigem Laufe ermöglicht. Die fortschreitendeEntwickelung der Güterwagen bis auf die Neuzeit lassen die Abb. 267 und 268, die deroben angezogenen englischen Quelle entnommen sind, erkennen. Sie zeigen uns zwar nurdie Muster der englischen Midland-Bahn, aber ein ähnlicher Übergang vorn Kleinen zumGroßen und vom roh Gefügten zum besser Durchdachten hat sich überall vollzogen.
Mannigfaltig ist die Bauart der Güterwagen. Die verschiedenen Arten von Fracht-gut haben eine große Buntscheckigkeit erzeugt. Abgesehen von den beiden schon genanntenHauptklassen, bedeckte und offene Güterwagen, haben wir noch die Unterscheidung in all-gemeine und Spezialwagen zu treffen. Die ersteren sind, bedeckt oder offen, ohnebesondere Einrichtungen für das gewöhnlich zu verfrachtende Gut, dagegen meistens auchfür den Militärtransport vorgesehen, bedeckte Wagen für Mannschaften und Pferde, offenefür Geschütze, Fuhrwerke, Munition u.s. w.