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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Wagen für Sonderzwecke.

Der bedeckte Normalwagen der preußischen Stciatsbahuen, der namentlich im Stück-gutsverkehr, sowie für Mehl- und Zuckersendungen, Tüngermittel u. s. w. Verwendungfindet, ist allgemein bekannt. Er findet auch für Militärtransporte Verwendung undkann 6 Pferde oder 48 Mann fassen. Für letztere werden die sogenannten Militär-bänke eingebracht, desgleichen Tornisterbretter und Teckenlaternen. Der offene deutscheGüterwagen, wie er für Kohlen, Zuckerrüben u. s. w. benutzt wird, bietet nichts besondersBemerkenswertes. Dagegen zeigt der amerikanische Kohlenwagen eine völlig abweichendeBauart. Um beim Entladen Zeit und Kosten zu sparen, ist sein Boden mit großenKlappen versehen, durch die die Kohlen von einem erhöht liegenden Ladegleise abgestürztwerden. Manche Bahnverwaltungen Nordamerikas legen außerdem noch die Bodenflächevon den Wagenendcn nach der Mitte hin geneigt an, so daß das selbstthätige Entladennoch mehr beschleunigt wird.

In Deutschland hat Talbot-Aachen Mitte der 90er Jahre „Selbstentlader" für5000 bis 15 000 leg Ladung mit Erfolg eingeführt. Diese ganz aus Eisen hergestelltenWagen werden für jegliche Spurweite gebaut. Ihr hochliegender Kasten hat nachAbb. 269 dreieckförmigen Querschnitt. Im unteren Teile der sehr schrägen Seitenwändebefinden sich Klappen, die sich unter dem Druck der Ladung nach außen öffnen, sobaldein an den Stirnenden sitzender Hebelverschlnß sie freigibt. Damit das Frachtgut ge-nügend weit vorn Gleis abstürzt, sind unterhalb der Klappen unter 35 bis 45" geneigte

266 . Deutscher Dlaltformwaaen mit Drehgestellen für 30000 kß Last.

Leitbleche angebracht. Die Entladung geht ungemein rasch von statten und erfolgt ent-weder gleichzeitig nach beiden Seiten oder nur nach einer Seite. Ein Wagen mit15 000 leg Ladung erfordert zur Entleerung nur 3 bis 4 Minuten bei zwei Mann Be-dienung. Die „Selbstentlader" ermöglichen daher eine gute Ausnutzung und bieten fürdie chemische und Eisen-Industrie, in der sie schon vielfach Verwendung finden, beachtens-werte Vorteile gegenüber den Wagen gewöhnlicher Banart.

Als die wichtigeren Spezialwagen sind zu nennen unter den offenen Wagen:Koks-, Stroh-, Langholz-, Spiegel-, Dampfkessel-, Geschütz-, Plattformwagen für Schienen,Walzeisen und dergleichen, Säurewagen u. s. w., unter den gedeckten Wagen: Vieh-wagen für Kleinvieh, für Großvieh, für Luxnspferde und für Hunde (England), Fisch-wagen (lebende Fische), Fleisch-, Milch-, geheizte Wagen (Wein, Südfrüchte), Kühl-, Bier-,Gemüse- (Obst), Kalkwagen n. s. w. Alle diese vielen Bauarten zeigen eigenartige, durchdie Art, Form und Ausdehnung des Versandgutes bedingte Abweichungen. Abb. 270zeigt den 32rädrigen Geschützwagen von Krupp, auf welchem die gewaltigen Riesengeschützevon Essen nach dem Schießplätze bei Meppen und von da nach den Küstenforts befördertwerden. Das Eigengewicht des aus vier achträdrigen Drehgestellen gebildeten Wagensbeträgt 80 800 leg, die größte Ladelast ist auf 140 000 leg bemessen, das bedingt bei7000 leg Raddruck 32 Räder. Je zwei Drehgestelle sind durch einen Zwischenträgervereinigt, der an den Enden auf beiden Mittelzapfen ausruht, während sich auf die Zwischen-träger wiederum das große 15,8 in lange Rohrlager stützt. Infolge dieser Lastüber-tragung schmiegen sich die Räder trotz der Gesamtlänge von 26,5 in dieses Fahrzeugesund eines Radstandes von 24 nr gut den Gleiskrümmungen an und bleibt ihre Belastungunveränderlich. Das schwerste Geschützrohr, welches bis jetzt auf diesem Wagen ver-frachtet worden ist, wog 122 400 leg, hatte 42 ein Bvhrung und war 14 in lang.