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Eisenbahnen: Stadtbahnen.
von 1075 000 Menschen befahren. Wollte man diese Menge in den bei uns vorkommen-den größten Personenzügen befördern, d. s. die Militärzüge, die bis 55 zweiachsige Wagenführen, so würden sich 400 vollbesetzte Züge dieser Art ergeben, die, unmittelbar hinter-einander aufgestellt, zusammen eine Gleislänge von etwa 230 Kur, also fast die Ent-fernung Hamburgs von Osnabrück , bedingen würden.
Stadtbahnen müssen die Straßen freilassen; sie sind daher über oder unter diesezu legen, somit als Hoch- oder Tiefbahn auszuführen. Sie erfordern zur Bewältigungdes starken Verkehrs mindestens zwei Gleise. Die dichte Bebauung städtischen Geländes,die oft erstaunlich hohen Bodenpreise im Herzen der Städte, erschweren und verteuernaber die Anlage solcher Bahnen sehr, nicht minder auch die Inanspruchnahme des Unter-grundes durch Wasser-, Gas-, elektrische und Rohrpostleitungen, sowie namentlich durchdie oft recht umfangreichen Kanäle für die Abwässer.
Die Tiesbahnen weiden entweder so tief in das Erdreich gelegt, daß sie unter denFundamenten der Gebäude sich hinziehen, wobei sie in ihrer Richtung nicht eng an dieStraßcnzüge gebunden sind — sie heißen dann Untergrundbahnen — oder sie liegen mitihrem Tunnelscheitel dicht unter dem Straßenpflaster und folgen dann naturgemäß demLaus der öffentlichen Straßen; sie werden Unterpflasterbahnen genannt. Hochbahnenwerden durch Eisengerüste oder durch Steinbögen, seltener durch Erddämme oder Holz-bauten gestützt.
Die älteste Stadtbahn (Untergrundbahn) besitzt London ; sie wurde bereits 1853vom Parlament genehmigt, aber erst 1860 in Angriff genommen. Dann begann Ansangder 70er Jahre der Ban der New Aorker Hochbahnen (Eisengerüste inmitten derStraßen), wiederum fast 10 Jahre später folgte die Berliner Stadtbahn (Steinbögen amSpreeuser, durch die Häuserblocks u. s. w.), bis 1890 in London abermals durch dieelektrische Untergrundbahn (gußeisernes Tunnelrohr) ein neues Tiesbahnsystcm eingeführtwurde, dem nach einem weiteren Jahrzehnt durch die im Jahre 1900 eröffnete SchwebebahnElberfeld-Barmen eine ganz neuartige Hochbahn sich zugesellte.
So sind nach und nach — seltsamerweise in fast genau 10 jährigen Zeiträumen —5 Stadtbahnsysteme entstanden. In ihrer Bauart grundverschieden voneinander, habensie doch alle in gleicher oder abgeänderter Anordnung Nachahmung gefunden. Die Ansangder 90er Jahre eröffnete Zentralbahn in Glasgow ist z. B. mehr oder weniger nach demVorbilde der älteren Londoner Untergrundbahnen angelegt, ebenso die Liverpooler, Bostonerund Chicagoer Hochbahn (Abb. 56) nach dem der New Iorker. Der 1898 eröffneten WienerStadtbahn hat die Berliner Hochbahn als Vorbild gedient, während die Röhren-Tiesbahnmehrfache Nachahmung in London, Amerika und in Berlin (Spreetunnel) gesunden hat.Auch die Schwebebahn ist nicht auf Elberfeld —Barmen beschränkt geblieben. Die zurZeit im Bau befindliche elektrische Hochbahn von Siemens L Halske in Berlin , welchestreckenweise als Unterpflasterbahn zur Ausführung gelangt, hat für ihre HochbahnlinienVorläufer in New Dort, Chicago und Liverpool, für die Unterpflasterbahn solche in London ,Glasgow und Budapest. Boston hat sich als erste amerikanische Stadt den Städten mitUntergrundbahnen angereiht, Paris und New Iork werden darin in kurzem folgen, währendfür Berlin ein vollständiges Netz von Untergrundbahnen (schmiedeisernes Tunnelrohr)geplant war, aber behördlicherseits abgelehnt ist. Vorläufig ist nur der Spreetunnel beiTreptow nach dieser Bauweise zur Ausführung gebracht worden.
Jede dieser Anlage» bot eine Fülle großer Schwierigkeiten, die in sehr verschiedenerWeise überwunden wurden. Ihre eigenartige Ausführung, zugleich verschieden von denoben erörterten Haupt- und Nebenbahnen, bietet eine wahre Musterkarte von hervor-ragenden Leistungen der Technik. Nicht minder bemerkenswert ist der Betrieb dieserBahnen, nirgends finden wir eine so dichte und schnelle Zugsolge wieder. —
Welcher Anordnung nun auch die Stadtbahn sein mag, stets muß ihr Linienzug sich dengegebenen Verkehrsader» der Stadt thunlichst anschmiegen und mittels zahlreicher Stationenanpassen, wenn sie die Straßen entlasten und eine wirkliche Verkehrserleichterung bilden,sowie genügende Einnahmen zur Verzinsung ihres hohen Anlagekapitals erzielen soll.Den Vorzug unter den bestehenden Stadtbahnen verdient in Bezug auf äußere Anlage