374 Eisenbahnen: Stadtbahnen.
das Kilometer etwas über 2 Millionen Mark ergibt, also fast dasselbe wie bei derUnterpflasterbahn in Budapest .
Die im Anschluß au die Hochbahn entworfene Unterpflasterbahn nach dem Schloß-platz sowie »ach dem Spittelmarkt lehnt sich ganz an das Budapester Vorbild au,nur ist ihr Tunnelquerschnitt geräumiger bemessen und zwar ist seine Breite auf 6,25 in,seine lichte Höhe aus 3,3 in festgesetzt. Die Ausführung selbst wird sich in Berlin schwieriger gestalten, da hier die Boden- und Grundwasserverhältuisse weit ungünstigersind. Die Tunnelsohle liegt fast durchweg im Grnndwasser. Die Tunuelwände nebstSohlengewölbe müssen deshalb durch Asphaltfilz wasserdicht gemacht werden (vgl. Abb. 370).
Durch ihren Bau wird der Reichshauptstadt nicht nur eine hochbedeutsame Verkehrs-erleichterung geschaffen, sondern auch eine technische Sehenswürdigkeit ersten Ranges.
Hänge- oder Schwebebahnen.
Die schon oben kurz berührten Schwebebahnen stammen niit ihrem ersten Entwurfaus dem Jahre 1821. Ihr Erfinder, der Engländer Robinson Palmer erbaute 5 Jahrespäter eine Modellbahn mit tierischer Zugkraft in dem Museumsgarteu zu Elberfcld. Siebewährte sich, und nach ihrer Anordnung sollte eine Kohlenbahn zwischen Barmen undElberfeld angelegt werde». Die Sache zerschlug sich aber und geriet ziemlich in Ver-gessenheit, um erst 1870 in wesentlich verbesserter Form durch Fell (S. 140) in Englandneu zu erstehen. Er führte in jenen Jahren in Lancashire eine 100 in lauge Schwebe-bahn auf Einzelstützeu aus, die er „Hängebahn" nannte.
Die Wagen griffen sattelförmig über die beiden mit 1'// engl.--- 475 nrnr Spurverlegten Fahrschienen und stützten sich mittels Rollen unten gegen die Längsträger. DerBetrieb erfolgte durch eine feststehende Dampfmaschine und endloses Seil, an das dieWagen gekuppelt wurden. Die Geschwindigkeit betrug bis 24 Kilometer in der Stunde.Eine ähnliche Bahn baute Fell zwei Jahre später in dem bekannten Militärlager vonAldershot .
Seitdem sind zahlreiche Entwürfe zu ähnlichen Bahnen aufgetaucht, teils auchverwirklicht. Haddan baute im Jahre 1875 nach einer abgeänderten Anordnung einelängere Bahn in Syrien . Ein Jahr später war von Le Roy-Stone auf der Weltausstellungin Philadelphia eine Probebahn mit einer Fahr- und zwei Stützschienen ausgestellt, wobeidie Zugkraft durch eine eigenartig angeordnete Lokomotive ausgeübt wurde. Die Fahrzeugegriffen auch hier sattelförmig über das dreieckförmig gestaltete Fahrbahngerüst.
Eine ganz ähnliche Anordnung finden wir darauf um das Jahr 1880 bei Lartigue,durch den die sogenannte Einschienenbahn allgemein bekannt geworden ist. Abb. 382 zeigtseine Bauweise in einfachen Linien. Die dreieckigen Bockgerüste für die Schiene» sindhier aus eisernen Querschwcllen befestigt. Die 3 Schienen bilden zugleich den Längs-verband für die Böcke, deren Entfernung voneinander 1 in beträgt. Bahnen dieser Artsind mehrfach ausgeführt in Spanien, Tunis, Algier (105 lern), Irland u. s. w. Die 1888eröffnete irische Anlage ist 15 lein lang und durch die gute Durchbildung ihrer Betriebs-mittel bemerkenswert. Die größte Steigung beträgt 20° „g (-- 1:50), der kleinsteKrümmungshalbmesser 20 in. Im Betriebe stehen drei Verbundlokomotiven, von je4500 Ic§ Leer- und 6500 lc§ Dieustgewicht,sieben Personenwagen und eine Anzahl Vieh-nnd Güterwagen. Abb. 383 zeigt die Vorderansicht der Lokomotive. Auf jeder Seitedes Schieneugerüstes liegt ein Dampfkessel, während die beiden Dampfcylinder (O O) ober-halb der Fahrschiene sich befinden und ihre Arbeit an drei miteinander gekuppelte und mitdoppelten Spurkränzen versehene Treibräder (Isi abgeben. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt21 lcin in der Stunde.
Die Sicherheit gegen Entgleisung ist groß. Wegen ihrer hohen Schieueulage überErdfläche (^- 1 na) eignet sich eine solche Bahn für Gegenden, welche der Saudverwehungausgesetzt sind. Nachteilig ist aber das Hindernis, das jedem anderen Verkehr durch diefortlaufende Gerüstanlage erwächst. In dieser Form kann die Lartiguesche Bauart nichtfür städtische Hochbahnen Verwendung finden, wohl aber, wenn statt der Gleisböcke Gitter-träger auf hohen Eisenpfeileru gewählt werden, wie es für Paris in größerer Ausdehnung