Band 
Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
Seite
414
JPEG-Download
 

414

Flußläufe und Flußschiffahrt.

erster Linie die beiden bedeutendsten Flüsse Chinas, der Hwang-Ho und Jantse-kiang, inBetracht. Der Hwang-Ho erhält in der Gegend der in der chinesischen Geschichte einegroße Rolle spielenden Festung Tung-kwan seine Hauptzufliisse, den Fönn-Ho, der ihm dieGewässer der Provinz Shansi zuführt, den Wei-Ho und den Lo-Ho, durch welche er dieNiederschlüge der Provinzen Kaufn und Shensi empfängt. In den von den Flüssen durch-strömten Thälern liegen die berühmten antiken Städte Phinyang-fn und Singan-fu.Unterhalb der Einmündung des Lo-Ho beginnt jener Teil des Hwang-Ho , der ihm durchseine Unbändigkeit den Namen „Chinas Kummer" eingetragen hat. Es ist immer nurfür eine bestimmte Zeit möglich gewesen, den Fluß durch Eindämmung in ein bestimmtesBett zu zwängen. Ist dasselbe durch die großen, von den chinesischen Strömen mit-gefühlten Lößmassen zu weit erhöht, so tritt der Strom über seine Ufer und sucht sich,alles verheerend, ein neues Bett. Weniger unruhig ist der Jantse-kiang, der weit hinauf

431 . Am oberen Jantse-kiang.

den Schiffahrtszwecken dienstbar gemacht ist. Von seinem oberen Laufe gibt die beigefügteAbbildung eine Darstellung.

Das Wasser hat für die südlichen Länder einen so überaus großen Wert, daß diedemselben dargebrachte Verehrung sehr erklärlich erscheint. Nirgends dokumentiert sichdiese Verehrung in einer so intensiven Weise als an dem heiligsten Flusse Indiens , demGanges , sind doch nach der Brahmanenlehre die Welt und die Götter aus dem Wasserhervorgegangen. Alle Wasser des Ganges sind Abkömmlinge der Götter, und viele derFlüsse, wie der Ganges selbst, sind weibliche Gottheiten. Im Gangesbade sucht der KrankeGenesung, und der Gesunde sorgt dafür, daß einst seine Asche in den Fluß gestreut wird. DasStromufer ist der bedeutendste, bewohnteste Teil des Landes, und das religiöse Elementdas Hauptmoment zur Kultivierung eines Wassergebietes geworden. Der Strom hat insehr wirksamer Weise die Bewohner auf die Ausnutzung des Wassers hingelenkt.

Sehr viel später erst als die Ströme Asiens und Afrikas dürsten die Flüsse Europas dem Verkehre dienstbar gemacht worden sein. Über manche Ströme liegen bestimmteNachrichten nicht vor, von anderen, wie dem Tiber, dem Po, der Rhone, dem Rhein und