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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Wasserstraßen.

FluMufe und Flußschiffahrt.

N^ie bereits in der Einleitung hervorgehoben worden ist, wurde die in den Fluß-lausen dem Menschen gebotene günstige Transportgelegenheit frühzeitig erkanntund ausgenutzt.

ülE Lange hat sich der große Verkehr in einer Reihe von Ländern, so z. B.

"j" auch in Deutschland , vorzugsweise auf den Strömen abgewickelt.

Die im Beginne der Flußschiffahrt an die Wasserstraßen gestellten An-forderungen waren erklärlicherweise sehr bescheiden, und dieser Vorgang wiederholt sichauch jetzt noch überall in jenen Ländern, welche dem Handel erst erschlossen werden. DieMasse der zu verfrachtenden Güter war zunächst keine große und ließ sonach selbst einennur mit einem Boote befahrbaren Wasserlauf noch vorteilhafter erscheinen als einen nurschwer passierbaren Saumpfad.

Die ältesten Nachrichten, welche wir bis jetzt über den Flußverkehr besitzen, beziehensich auf die Flüsse Babyloniens und auf den Nil. Die Steinarmnt Babyloniens scheintbereits im 4. Jahrtausend v. Chr. den Anstoß zu einer Schiffahrt auf dem Euphrat undTigris , sowie auf dem Persischen Meerbusen gegeben zu haben. Eine umfassende Be-nutzung der Wasserstraßen dieses Landes trat jedenfalls ein, als der König Chammu-ragas (gegen 2000 v. Chr.) Babylon zur Reichshauptstadt machte. Wie aus der Jzdubar-legende hervorgeht, war man in jenem Zeitraume mit dem Bau kleiner Wasserfahrzeugeund ihrer Lenkung wohl vertraut. Seit Ende des 2. Jahrtausends bediente man sich dervon Herodot genau beschriebenen korbförmigen, mit Häuten überzogenen Fahrzeuge. —Frühzeitig benutzten die Ägypter zur Fortbewegung ihrer Schiffe sowohl das Ruder alsdas Segel und bewirkten durch zwei oder mehrere schaufelförmige Ruder eine Steuerung.Seit der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. wurde der Nil mit Last- und später auchmit Kriegsschiffen befahren. Herodot berichtet von einer sehr ausgebildeten Schiffahrtder Ägypter, die Zahl der Barken und Lastschiffe, die den Nil bedeckten, war eine ganzungewöhnlich große. Aus dem Wasserwege transportierten die Ägypter viele der kolossalenSteine, die bei ihren Bauwerken und Anlagen Verwendung fanden, und selbst ein ganzerTempel wurde auf diese Weise an seinen Bestimmungsort geschafft. Mit der Nil-überschwemmung, diesem für das gesamte Land so überaus wichtigen Ereignisse, begannendie festlichen Wallfahrten; von Stadt zu Stadt fuhren unter Gesang und Musik durch dasganze Land Schiffszüge. In den unzähligen Nilbarken mit bemalten Wänden, buntenSegeln und leichten Pavillons befanden sich Hunderttausende Ägypter, Männer undFrauen, und der Anblick, den der belebte Strom zu jenen Zeiten geboten hat, muß einsehr malerischer gewesen sein.

Die Chinesen wußten die Flußläufe ihres Landes in umfangreicher Weise dem Ver-kehre dienstbar zu machen. Auf den natürlichen Wasserstraßen, die in China wie in einerReihe anderer antiker Kulturländer durch ein weit ausgedehntes Netz von Kanälen mit-einander in Verbindung gebracht wurden, vollzogen sich zu einem großen Teile dieVisitationsreisen der Kaiser und ihrer Vasallenfürsten. Für die Schiffahrt kamen in