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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Fluszkanalisicrnngen: Nadclwehrc.

Die wichtigste Forderung, die au ein brauchbares bewegliches Wehr gestellt werbenmuß, ist zunächst die, daß es bei Hochwasscr und Eisgang die notwendige Tnrchflnß-össnung schnell, sicher und vollständig freigibt. Alle festen Teile müssen daher so an-geordnet sein, daß sie eine Verengung des Querprofils in keinem nennenswerten Umfangherbeiführen. Vor allem muß eine feste Überbrncknng, wenn sie zur Wehrkonstruktiongehört, stets über dem höchsten Hochwasserstand liegen. Auch darf sie in keinem Falleder freien Schiffahrt Erschwerungen auferlegen. Dieselben Anforderungen sind in Bezugaus alle Teile des Wehres zu stellen, die an dieser Brücke befestigt sind und hochgezogenwerden können. Hinter den beweglichen Teilen dürfen im aufgerichteten Zustande sichdie Ablagerungen von Schlamm und Sand nicht so hänfen oder festsetzen, daß im ent-scheidenden Augenblicke eine gefährliche Verzögerung der Freigabe verursacht werden kann.Die auf dem Boden umlegbaren Teile des Wehres dürfen nicht über die feste Wehrkronehervorragen, damit sie bei umgelegtem Wehre der Schiffahrt nicht hinderlich sind, unddamit Eisgang und etwa am Boden rollende feste Körper sie nicht beschädigen. Ihreeinzelnen Teile müssen ferner im niedergelegten Zustande so liegen, daß sich während desHochwassers auf oder zwischen ihnen keine erheblichen Schlamm- oder Sandablagernngcnbilden, da sonst die zum Aushub nötige Kraft so groß wird, als daß sie noch von leichtenWinden geleistet werden kann.

Außer den Anforderungen, die sich auf das Wehr hinsichtlich seiner Beweglichkeitbeziehen, sind noch andere im Schiffahrtsinteresse zu stellen. Hier soll nämlich das Stau-werk einen festen und möglichst dichten Verschluß gewähren, denn in den Sommermonatenist die Wassermenge mancher Flüsse so gering, daß jeder andere Abfluß als die unbedingtzum Durchschleusen nötige Wassermenge und der Ersatz der Verdunstungsverluste in deneinzelnen Haltungen schon einen ungünstigen Einfluß für die Schiffahrt hervorrufen kann.Je dichter also eine Wehrkonstruktion schließt, und je einfacher und daher billiger undsicherer ihre Anlage und Bedienung sind, um so besser eignet sie sich für die Zwecke derFlnßkanalisierung.

Die gebräuchlichste Art beweglicher Wehre ist das Nadelwehr. Die Abb.447 n. 448veranschaulichen ein solches Wehr. In diesem Falle ist hinter dem Nadelwehr noch einKlappenwehr angeordnet. Die Abbildungen zeigen die Anlagen in dem Banstadium,weshalb noch kein Wasser vorhanden ist. Die Stanwand des Nadelwehres besteht ausdicht nebeneinander liegenden Hölzern von rechteckigem Querschnitt und ausreichenderLänge und Festigkeit. Diese, Nadeln genannt, stützen sich mit ihrem unteren Endegegen einen auf der Flußsohle im sestgegründeten Wehrboden befindlichen Vorsprung,mit dem oberen gegen den sogenannten Holm oder die Nadellehne, einem quer über denFluß gehenden Balken. Die Stütze des Holmes bilden eiserne Böcke, die um eine wage-rechte Achse aus den Wehrkörpcr niedcrlcgbar sind. Über sie wird eine Brücke gelegt,um die Bedienung des Wehres zu ermöglichen. Der Holm, dessen Material ebenfallsEisen ist, besteht aus einzelnen Teilen, die so lang sind, wie die Entfernung der Böckevon einander.

Die Freigabe der Qsfnung beginnt damit, daß man den Nadeln entweder die untereoder obere Stütze entzieht. Die erstere Art findet an den Wehren der oberen LderAnwendung. Ein oder zwei geübte Arbeiter heben jede Nadel einzeln mit geeignetenHebewerkzengen so hoch, daß sie ihre Stütze gegen die Wehrkrone verliert. Das gänzlicheAbschwimmen wird durch einen Haken, der sich um den Holm legt, verhindert. Erstnachdem die ganze Stanwand ansgehoben ist, findet die Bergung der Nadeln statt. Lderman hat auch die einzelnen Teile des Holms um eine senkrechte Achse am Ständerbeweglich gemacht. Die Drehung wird durch Vorschieben einer Art Riegel gewöhnlichverhindert. Naht Gefahr, so löst man diesen aus, und alle Nadeln zwischen zweiStändern sind mit einem Mal beseitigt. Damit sie nicht verloren gehen, sind sie unter-einander mittels einer Kette zusammengeschlossen. TaS Auffangen dieser Bündel istdann leichter zu bewerkstelligen als das der einzelnen Nadeln. Nach Beseitigung derStauwand legt man, von einem Ufer aus anfangend, die Böcke und mit ihnen die darüberführende Bedienungsbrücke aus die Flußsohle nieder.