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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Flußkaiialisieruiigen.

kanalisiernng zur Anwendung gekommen. Man hat sich dort aber wieder den Nadel-wehren zugewandt, da die Bewegung der Zahnstange oft durch Versandung oder da-zwischen geklemmte Steine gehemmt worden war.

Auch durch Wasserdruck selbstthätig sich öffnende und schließende Klappenwehre hatman erfunden. Sie sind aber nur bei den Speisebecken einiger Kanäle und für Bewässerungs-anlagen in Anwendung gekommen, denn für die Schiffahrt waren sie unbrauchbar, weilsie die Öffnung nicht ganz freigeben. In dem in Abb. 450 dargestellten Klappenwehreist die Klappe mittels Drehpunkt U an dem Schwimmer befestigt, der seinerseits sich umden Punkt 4) dreht.

Nach ähnlichen Gesichtspunkten sind die für Schiffsdurchlässe und Floßgassen sehrzweckmäßigen Trommelwehre gebaut. Sie bestehen aus einer zweiteiligen Klappe, dieum eine wagerechte, auf der Wehrkrone liegende Achse U drehbar ist. Der kleinere, nachrechts gerichtete Teil stellt die Stanwand dar, der untere, größere liegt in einer im Wehr-körper ausgesparten, kreiscylindrischen Kammer, welche von allen Seiten verschlossen istund durch die aufrechtstehende Klappe in zwei Teile zerlegt wird. Beide sind durch einenKanal sowohl mit dem Ober- als auch Unterwasser in Verbindung zu bringen. Je nach-dem man nun das Oberwasser auf der einen oder der anderen Seite der großen Klappewirken läßt, richtet sich dieselbe auf oder legt sich nieder, und zwar geschieht diese Be-wegung in sehr kurzer Zeit; an dem Wehre im Floßdurchlaß der Küddow bei Tar-nowske z. B. in wenigen Minuten.

Die Verbesserungen dieser Anlage zielen alle darauf hin, die Abmessungen desgrößeren Klappenteils und damit den Raum der Kammern zu vermindern, da man dadurchbesonders bei großen Stauhöhen bedeutend an Gründungstiefe spart. Die angewandtenKonstruktionen mögen hier als zu sehr ins einzelne gehend nicht besonders erwähnt werden.

Zum Schlüsse sei noch auf eine an einem Kanal in Südfrankreich angewandtebesondere Bauart eines Wehres hingewiesen. Tort kreuzt der Kanal, welcher Cetlemit der Rhone verbindet, einen der kleinen Küstenflüsse des Mittelmeeres. Die sehr plötz-lich eintretenden Hochwasser des Flusses mußten, weil sie viel Sinkstoffc führten, vornKanal abgehalten werden. Man brauchte dazu ein Wehr, das mit geringer Bedienungs-mannschaft gegen einen Überdruck von 1,7-, in zu schließen war. Als Stauwand wählteman, entsprechend versteift, einen genügend hohen Streifen eines Kreiscylindermantels,dessen gedachte Achse quer über dem Kanale lag. An den Ufern war dieser Streifen jean ein durch eine Winde bewegliches Rad von gleichem Durchmesser befestigt. Schließenund Offnen wurde mittels einer entsprechenden Drehung des Rades durch einen Mann inwenig Minuten bewirkt. Die Einrichtung hatte außerdem noch den Vorteil, daß keineTeile des beweglichen Wehres aus der Krone befestigt waren und die ganze Stau-vorrichtung leicht über Wasser gefordert werden konnte. Die Breite des Wehres betrug20 in, die Kosten rund 11000 Mark. Auch in Charlottenburg befindet sich am Werder-schen Mühlgraben ein, allerdings etwas anders konstruiertes Cylinderwehr.

Welche von den hier beschriebenen Bauarten im einzelnen Falle am zweckmäßigstenist, müssen die örtlichen Umstände ergeben. Im allgemeinen werden für Flußkanalisierungnoch immer die Nadelwehre vorzugsweise angewandt, wenigstens auf Flüssen, die einenstarken Eisgang haben, und wo nicht zu große Stauhöhen gefordert werden. Wo plötzlicheintretende und starke Anschwellungen zu befürchten sind, besteht die Gefahr, daß derBedienungssteg des Nadelwehres vor gänzlicher Niederlegung desselben schon überflutetwürd. Es steht dann meist eine Zerstörung der Wehranlage zu erwarten. Noch schlimmeraber ist der Schaden, den das nunmehr aufgestaute Hochwasscr in der Umgebung desWehres anrichtet. Man wendet deshalb neben dem Nadelwehr noch eine andere Kon-struktion an, die es gestattet, vorn hochwasserfreien Ufer aus einen beträchtlichen Teil desWehres schnell niederzulegen, so daß dadurch eine wesentliche Erniedrigung des Aufstauesherbeigeführt wird. Dadurch erleichtert man nicht nur das Niederlegen des Nadelwehres,sondern man verlängert auch die dazu verfügbare Zeit. Die Floß- und Schiffsdurchlässebieten für solche Anlagen eine besonders passende Gelegenheit, denn sie sind meistens nichtso breit, als daß nicht ein Trommelwehr oder eine ähnliche Konstruktion anwendbar wäre.