Kaiser Wilhelm-Kanal. 511
Aus der Tabelle geht hervor, daß der Kanal für alle diejenigen Häfen am meistenBorteil bietet, welche südlich vom Kanal liegen, und daß für Hamburg die Abkürzungund damit der Zeitgewinn für die Fahrt nach der Ostsee am größten ist. Hamburg hatseine günstige Lage rechtzeitig erkannt, eine ganze Anzahl direkter Linien nach den Ostsee-häfen eingerichtet und dadurch seinem gesamten Seeverkehr mit den Ostseehäfen einen ge-waltigen Aufschwung verschafft.
Die Zeitersparnis der Segelschiffe ist natürlich von der Witterung abhängig undkann sich auf Wochen belaufen.
Die Ersparnisse, welche der Schiffahrt bei der Fahrt durch den Kanal erwachsen, setzensich zusammen ans der Ersparnis an Frachtkosten für die kürzere Fahrtdauer, aus der Ver-minderung der Versicherungsgebühr wegen des weniger gefahrvollen Weges und aus demFortfall der Gelder, welche namentlich im Winter durch das häufig notwendig werdendeAnlaufen eines Nothafens im Kattegat und Skagcrrak zu entrichten waren.
Die Tageskosten für Dampf- und Segelschiffe in Fahrt werden wie in nachstehenderTabelle zusammengestellt, angegeben:
T a g e«l o s> e n
Grobe der Schiffe
für Dampfschiffe
für die
für Segelschiffe
für die
Registertonnen
sur oas
M.
Registertonne
Pf.
M.
Registertonne
Vk.
200—300
- -
30-35
13
300—400
—
35—42
II
400- 5lX»
—
—
42 48
10
500- 000
225
41
48 54
;>
000-700
240
37
54 00
0,5
700 800
295
39
00 08
9
600- 900
320
38
08-80
9
900 —lOM
350
37
80- 90
9
Welche Gefahren den Schiffen auf der Fahrt um das Kap Skagen trotz verbesserterSeekarten, Betonnnng und Beleuchtung drohen, mag daraus hervorgehen, daß nachneueren zuverlässigen Aufstellungen an Kap Skagen jährlich 500 Menschenleben, 100 Schiffeund Werte im Betrage von 10 000 000 Mark verloren gehen.
Ganz ohne Gefahren hat sich die Fahrt durch den Kaiser Wilhelm-Kanal bis jetztallerdings auch nicht erwiesen; innerhalb 1^ Jahre haben 224 leichte und 18 schwereUnfälle stattgefunden. Die Hebung des bei einem Zusammenstoß gesunkenen dänischenDampfers „Johann Siem" hat allein 68 000 Mark gekostet. Die Versicherungsgesell-schaften sind deshalb auch in der ersten Zeit nach der Eröffnung des Kanals mit denPrämien nicht herabgegangen.
Der Ertragsberechnung wurde eine jährliche Zahl von 18000 den Kanal passieren-den Schissen mit etwa 5 500 000 Registertonnen zu Grunde gelegt und daraus beieiner durchschnittlichen Kanalabgabe von 75 Pfennig für die Registertonne eine Ein-nahme von 4125 000 Mark berechnet, wodurch sich nach Abzug der jährlichen Unter-haltungskosten im Betrage von 1900 000 Mark eine Verzinsung zu 4°/y für die55 Millionen Mark ergeben, welche von den Gesamtbaukosten von 156 000000 Markübrig bleiben, wenn man die Auswendungen im Interesse der Kriegsflotte im Betrag von51000000 Mark und den von Preußen bezahlten besonderen Beitrag von 50000000 Markin Abzug bringt. Diese Erwartungen haben sich bei weitem nicht erfüllt, obgleich dieAbgaben nicht zu 75 Pfennig für die Registertonne, sondern für die ersten 600 Register-tonnen netto zu 60 Pfennig, für die überschießenden zu 40 Pfennig festgesetzt wurden.Während des Winterhalbjahrs, 1. Oktober bis 31. März, trat eine Erhöhung um 25° „obiger Sätze ein. Der Verkehr im ersten Betriebsjahre nach der Eröffnung, I.Juli 1895bis 30. Juni 1896, war
7531 Dampfschiffe mit zusammen 1140 578 Registertonnen9303 Segelschiffe „ „ 365 405 „
zus. 16834 Schiffe
1 505 983 Registertonnen.