4 Posten und Postwejen.
sie nunmehr mit den Funktionen einer Bcfördernngsanstalt auch diejenigen eines Bank-instituts in sich vereinigst
Die Post der Gegenwart unterscheidet sich von den vormaligen verwandten Anstaltenganz wesentlich. Während nämlich die Posten der alten Zeit, insbesondere die persischenund römischen Staatsposten, als ausschließliche Staatsanstalten fast nur dynastischen,polizeilichen und Verwaltungszwccken der Machthaber dienten und ihre Benutzung inPrivatangelegenheiten im allgemeinen ausgeschlossen war, während weiterhin die Boten-anstalten des deutschen Mittelalters außerhalb der öffentlichen Verwaltung des Staatesstanden und meist nur den Insassen der Klöster, den ansehnlicheren Bürgern der Handels-städte sowie den Lehrern und Schülern an den höheren Unterrichtsanstalten zu gute kamen,zeichnet sich die moderne Post charakteristisch dadurch aus, daß sie ihre Thätigkeit wederauf staatliche und dynastische Zwecke, noch auf einzelne Körperschaften beschränkt, vielmehrden Verkehr aller vermittelt und den Bedürfnissen sämtlicher Staatsangehörigen dient.
Die Posten im Altertnm. Um einen Vergleichsmaßstab für die Einrichtungender modernen Post zu gewinnen, wollen wir zuvörderst einen Blick aus das Postwesender alten Völker werfen. Die ältesten Nachrichten über postalische Einrichtungen findenwir bei Herodot , Tenophon und anderen griechischen Geschichtsschreibern, sowie in der Bibelim Buche Esther vor. Als Gründer der ersten Posten wird der Perserkönig Cyrus ge-nannt. Aber erst Darius, der große Organisator des persischen Reiches, hob undvervollkommnete das Postwescn. Schriftsteller jener Zeit sprechen mit Anerkennung undBewunderung von dieser nützlichen Anstalt, deren zweckmäßige Einrichtungswcise auch uns,wenn wir die frühe Zeit ihrer Entstehung in Betracht ziehen, überraschen muß. In den3 bis 4 Meilen voneinander entfernten, an den Straßen gelegenen Stationshänsern standenstets gesattelte Pferde und zum Aufbruche fertige Männer bereit. Der erste Reiter über-gab das zu Befördernde dem zweiten, der zweite dem dritten n. s. f., bis der letzte mitseiner Sendung aus Ziel gelangte. Diese Kuriere hießen auf Persisch „Angaren". Eingriechischer Berichterstatter sagt von ihnen: „Nichts auf der Welt ist schneller als sie. DieTauben und Kraniche vermögen ihnen kaum zu folgen. Auf jeder Station wechseln Roßund Reiter, die ihren Lauf zu vollenden weder Regen, noch Schnee, noch Frost, noch Hitze,noch die Finsternis der Nacht hindern kann." Diese Angaren brauchten, um die Streckevon Snsa nach Sardes (13 500 Stadien oder 337 deutsche Meilen) zurückzulegen, nichtlänger als sechs Tage. Sie machten also, ohne den notwendigen Aufenthalt zu rechnen,in einem Tage 56, in einer Stunde 21g deutsche Meilen. Nach der Zerstörung desPerserrcichs durch Alexander den Großen kam das persische Postwcsen auch nach Ägypten und nach anderen Teilen des Orients, verlor aber nach dem Verfall des von dem genanntenWelterobercr gegründeten Reichs seine Bedeutung.
Der Postverkehr im alten Griechenland fand, gemäß der Beschaffenheit des küsten -und inselreichen Landes, vielfach zur See statt. Landboten , die bei Tag und Nacht ihremBerufe oblagen, kannte man nicht. Die Hemerodromen oder Schnellläufer, welchein einzelnen Fällen dem provinziellen Verkehre dienten, wechselten nicht regelmäßig ab,gingen auch über die Grenzen des einzelnen Staates nicht hinaus. Ihre Schnelligkeitwar berühmt, und manchem von ihnen wurden wegen seiner hervorragenden LeistungenAuszeichnungen zu teil. Von den zahlreichen Häfen liefen zeitweilig Postschiffe nach demArchipelagus oder der ionischen Küste aus. Mit der Sicherheit sah es freilich schlimmaus, denn im Hinterhalte lauerten nicht selten Seeräuber und Abenteurer, die in den Baienund Meeresbuchten sichere Schlupfwinkel fanden. Der Ordnung des griechischen Post-wesens stand die politische Zerfahrenheit hindernd im Wege, die Landstraßen waren ge-wöhnlich schlecht, denn fast nur zu den nationalen Heiligtümern, den Orakeln und denWettkampfplätzen führten gute Wege. Die Fahrpreise für die Passagiere, welche den Ge-fahren einer Reise Trotz boten, waren bei weitem billiger als heutzutage, selbst wenn manden veränderten Geldwert in Betracht zieht. So machte man beispielsweise die Seefahrtnach Ägypten für nur zwei Drachmen oder 11g Mark! Erst in späteren Zeiten begingenregelmäßige Boten die griechischen Landstraßen und brachten Nachrichten und Briese