Band 
Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
Seite
25
JPEG-Download
 

25

Entwickelung des Postwejens in Österreich, Ungarn und der Schweiz .

schenkte sie besondere Aufmerksamkeit und verschaffte dem bezüglichen Verkehr durch Er-richtung österreichischer Postanstalten an verschiedenen fremden Hasenplätzen, z. B Kon-stantinopel, Salonichi, Beirut, Alexandrien u. a. sehr schätzbare Erleichterungen. DieZahl der Postanstalten und Postverbindnngen im Inneren des Landes wurde erheblichvermehrt, die früher ziemlich hohen Portvtaxen erfuhren eine bedeutende Ermäßigung,und verschiedene andere zweckmäßiae Einrichtungen und Anordnungen trugen zur Hebungdes Verkehrs wesentlich bei. Im Jahre 1897 gab es in Österreich 5658 Postanstaltcn und19 929 Postbrieskasten. Post- und Tclcgraphenbeamte waren 45 687 im Dienste. Befördertwurden im ganzen 1096 Millionen Postsendungen, darunter befanden sich 606 MillionenBriefe, 201 Millionen Postkarten, 214 Millionen Drucksachen, Zeitnngsnnmmern, Ge-schäftspapiere und Warenprobensendungen, 22394000 Postanweisungen, 45326000Pakete und 5 597000 Briefe mit Wertangabe. Die Einnahmen betrugen 76001448Mark, die Ausgaben 69 286 326 Mark. Die Beträge aus dem Telegraphenwesen sindhierin mit enthalten.

Was die Posten in Ungarn betrifft, so wurde die Verwaltung derselben ursprünglichvon Wien aus geführt. Später, als in Österreich die Regierung das Postwesen übernahm,geschah dies auch von feiten der ungarischen Regierung, doch befaßte sich diese nur mitder Briefpost, während die Fahrpost in Ungarn von der obersten Hofpostverwaltnng inWien für eigene Rechnung betrieben wurde. Dieses Verhältnis, welches die weitere Aus-bildung der Posteinrichtnngen nicht wenig beeinträchtigte, fand erst 1849 seine Endschaft,als Ungarn die selbständige staatliche Stellung verlor und samt seinem Pvstwcsen inösterreichische Verwaltung genommen wurde. Auf die postalischen Zustände des Landesivirkte diese Veränderung so vorteilhaft ein, daß eine erhebliche Besserung der Verhält-nisse sehr bald zu bemerken war. Bei der Zweiteilung der österreichisch -ungarischenMonarchie im Jahre 1867 übernahm die ungarische Regierung die Berwalluug des Post-wesens des Landes im ganzen Umfange und führte dieselbe mit sichtlichem Erfolge weiter.Über den Stand des Pvstbetriebs und Pvslverkehrs im Jahre 1898 gewähren die nach-folgenden Angaben einen Überblick. Die Zahl der Postanstalten betrug 4352, die derBriefkasten 8649. Im Post- und Telegraphendienste waren 19 781 Personen beschäftigt.Der gesamte Versendnngsverkehr umfaßte 441 Millionen Gegenstände, darunter 180 Millio-nen Briefe, 69 Millionen Postkarten, 151 Millionen Drucksachen, Zeitnngsnnmmern, Ge-schäftspapiere und Warenprobensendungen, 18678000 Postanweisungen, 286000 Post-aufträge, 20106 000 Pakete, 1736000 Briefe mit Wertangabe. Die Einnahmen ausdem Post- und Telegraphenwesen bezifferten sich auf 34413000 Mark, die Ausgabenauf 25 707 000 Mark.

In der Schweiz bildete die Post vor dem Jahre 1798 keine einheitlich verwalteteVerkchrsanstalt; der Betrieb wurde vielmehr in einzelnen Kantonen von diesen selbstwahrgenommen, in anderen hingegen an Privatunternehmer abgetreten. Demnach gab esin dem an und für sich schon kleinen Lande eine Menge von Pchtgebietcn, welche ihrebesonderen Vorschriften und Einrichtungen, auch verschieceue Tarife hatten. Ticie Zer-rissenheit und Ungleichheit wirkten natürlich hemmend aus die Fortentwickeluug des Post-wesens ein und waren die Ursache, daß letzteres dem allgemeine» Vcrkehrsbcdürfnisseauch nicht im entferntesten zu genügen vermochte. Es kann nicht befremden, daß untersolchen Verhältnissen znr notwendigen Ergänzung der Vcrkchrseinrichtungen noch Privat-botenanstalten hinzukamen, welche freilich die Verwirrung noch vermehrten, so daß diePost in der Schweiz zu jener Zeit ein Bild der Unordnung und Zerfahrenheit darbot,wie wir es uns bei unseren jetzigen musterhaften postalischen Zuständen kaum noch vor-stellen können. Nach Gründung der helvetischen Republik im obenerwähnten Jahre gingman dazu über, das Postwesen für das ganze Gebiet der schweizerischen Eidgenossenschaftnach einheitlichen Grundsätzen zu regeln und einer einzigen Verwaltungsbehörde zu unter-stellen. Aber schon nach fünf Jahren gab man gleichzeitig mit der neuen Rcgiernngssormauch diesen ersten Versuch znr Zusammenfassung der postalischen Einrichtungen wiederaus und kehrte damit, daß man den Kantonen die Postgerechtsame von neuem übertrug,