Band 
Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
Seite
34
JPEG-Download
 

34

Posten und Postwesen.

Posten in Afrika und Asien . Die Post hat sich ihren zivilisatorischen Weg nichtblos; über den Schlügen und über den Brenner gebahnt, nicht nur der Ural und dieSteppen Sibiriens werden voui Postwagen durcheilt; auch die Wüsten Afrikas und derMongolei haben sich auf die Dauer nicht dein Boten des Gedankens verschließen können.Ägypten hat seine Wüstenpost und von Constantine und Algier führt nach den Oasen derSahara die Messagerie der Sahara . Aus dein jammervollen Wege von Stora nachTuggurt z. B., welcher den prunkvollen Namen der „Kaiserstraße" führte, verkehrt jedenfünften Tag ein mit vier arabischen Rossen bespannter Wagen, auf dessen Bock ein Beduineals Postillon thront. Über Flußrinnen, Steine und Blöcke, durch den fahlen Wüstensandeilt hier die knlturvermittelnde Post nach einer Oase, wo wenige Kolonisten angesiedeltund französische Truppen gegen die aufständischen Kabylen stationiert sind.

Im schwarzen Erdteil sind in postalischer Beziehung außer Algerien , das zumfranzösischen Postgcbiete gehört, nur Ägypten, die britische Kolonie Kapland und die süd-afrikanische Republik von einiger Bedeutung. In Ägypten gab es schon im Altertumund auch im Mittelalter wohlorganisierte Anstalten (darunter auch Taubenposten), welchevon den Beherrschern des Landes errichtet waren, um schnell Nachrichten nach den wich-tigsten Punkten des Reiches gelangen zu lassen oder von da zu empfangen. Diese Ver-anstaltungen hatten jedoch keinen dauernden Bestand. Die jetzige ägyptische Post ist erst1865 als Staatsanstalt eingerichtet worden. Sie hat aber in der kurzen Zeit ihres Be-stehens sich ziemlich schnell entwickelt. Im Jahre 1898 bestanden bereits 822 Post-anstalten mit 1330 Beamten. Die Zahl der beförderten Briefsendungen belief sich ausbeinahe 28 Millionen, die der Pakete auf 378000, Postanweisungen kamen 494000 Stückznr Versendung. Die Gesamteinnahme betrug 122 867 ägyptische Pfund, die Ausgabe99 690 ägyptische Pfund. Zu den Landbefördernngen werden teils Kamele, teils Läuferverwendet; den Dienst auf den Binnengewässern versehen der Postverwaltung gehörigeDampfschiffe, welche auch zur Personenbeförderung dienen.

Die Kapkolonie hat trotz ihrer geringen Einwohnerzahl (etwas über lll Millionen)einen recht lebhaften Postverkehr. Im Jahre 1897 waren dort 965 Postanstalten und 1139Briefkasten vorhanden. Die Einnahmen betrugen 349000 Pfund Sterling, die Ausgaben316 000 Pfund Sterling. In demselben Jahre gelangten 32 Millionen Briese,740000 Postkarten, 21500000 Drucksachen, Zeitungen und Warenproben zur Ver-sendung. Postanweisungen wurden 432 000 Stück befördert. Unter den nach dem Aus-lande gerichteten Sendungen befanden sich 286 000 Einschreibebriefe. Der Inhalt derletzteren besteht häufig aus Diamanten, Gold oder Straußenfedern, ist also meistens sehrwertvoll.

In der südafrikanischen Republik wurden durch die Posten im Jahre 1895etwa 9(, Millionen Gegenstände befördert; die Zahl der abgegangenen Postanweisungenbelief sich auf 129 364 Stück. Poitanstalteu gab es 186.

Von den deutschen Kolonien in Afrika ist Deutsch-Ostafrika die bedeutendste.Der Postdienst wurde im Jahre 1898 dort von 20 Postanstalten versehen, vvn denendie wichtigeren mit Fachbeamten besetzt sind, während die anderen von Gouvernements-beamten mit verwaltet werden. Die Postverbindung mit dem Heimatlande wird vorzugs-weise durch Reichs-Postdampfer unterhalten, welche alle 14 Tage zwischen Hamburg undder Kolonie verkehren. Den Posttransport im Inneren des Landes besorgen Postboten.1898 wurden versandt: 400000 Briefe, 5378 Pakete, 15 600 Postanweisungen über2 700000 Mark. Die übrigen deutsch -afrikanischen Kolonien haben einen noch geringerenPostverkehr.

Wenden wir uns aus dem Wüstenmeer nach dem „Lande der Gräser", nach Jnner-asien, wo der Mongole seine Filzjurte aufschlägt und lange Karawanenzüge von Peking ,der Hauptstadt des himmlischen Reiches, nach Kiachta an der sibirischen Grenze ziehen.Hier findet seit dem Jahre 1865 viermal monatlich eine direkte Postverbindung statt, undes kostet ein einfacher Brief 30 Kopeken Porto. Russische oder chinesische Kuriere, meistmongolische Lamas (Geistliche), besorgen den Dienst. Mit unterlegten Pferden machen sie