35
die Reise von Kalgan an der chinesischen Mancr bis nach Kiachta , eine Entfernung, die780 englische Meilen beträgt, in 17 bis 19 Tagen. Wenn die frommen Boten sichindessen etwas mehr beeilen wollten, so könnten sie die Reise in zehn Tagen vollbringen;statt dessen aber sprechen sie in den Jurten vor, erteilen den Segen, trinken Thee undverplaudern manche Stunde mit ihren zopftragcnden Landslenten.
Ter europäische Reisende, welcher die Mongolei jetzt durchreisen darf, seit die euro-päischen Westmächte im Jahre 1860 die Eröffnung Chinas für den Weltverkehr erzwängen,bedient sich zur Postfahrt der zweiräderigen, ganz geschlossenen und sehr leicht gebautenmongolischen Karren, die mit vier Pferden bespannt sind und im Fluge durch die Gras-wüste Gobi hinsansen. Tie Leichtigkeit, mit welcher sich die mongolischen Postillone in derWüste zurecht finden, erregt die Bewunderung aller Reisenden. Sie bedürfen gar keinerLandmarken und wissen immer genau, wo die Brunnen liegen, nach denen sich die Reise-linie richtet. Ihr nomadischer Instinkt, der ihnen angeboren ist und welchen sie im hohenGrade weiter ausgebildet haben, leitet sie stets richtig.
20. Nusstlch-chinkstschr Post.
Ziemlich geordnet erscheint das Postwesen in China schon seit den ältesten Zeiten.Nirgends fehlt es an Straßen, Chausseen und Kanälen, an Herbergen und Pferdestationen.Die Regierung unterhält Botenposten und Eilposten. Tie ersteren sind auf die 18 Pro-vinzen des eigentlichen China beschränkt und für nicht eilige Sachen bestimmt, währenddie Eilposten das ganze große „Reich der Mitte" von einem Ende bis zum anderen durch-ziehen und nicht allein Briefe, sondern auch Geldsendungen, Steuerbeträge, Tribut-gegenstände, Kupfer aus den Minen des Minnan und andere Sachen nach der Hauptstadtdes Reiches befördern, ja sogar zur Fortschaffung von Verbrechern dienen. Als Be-förderungsmittel kommen Pferde und zweiräderige Karren, Kamele, Maulesel und ausden Gewässern Boote zur Anwendung. Die Zahl der Botenpostämter ist eine sehr große,und russischen Angaben zufolge sollen in China nicht weniger als 150000 Postbeamtein Thätigkeit sein. Die Benutzung dieser Posten durch das Publikum war jedoch bisvor kurzem ausgeschlossen, sie dienten nur den Zwecken des Hofes und der Regierung.Zur Besorgung von Privatsendungen bestehen in den Hauptorten an den großen Ver-kehrsstraßen des Reiches Privatanstalten; dieselben sind aber nur mangelhaft organisiertund befördern vorzugsweise Pakete, nur nebenher auch Briefe. Zwischen den Unter-