66 Posten und Postwcsen.
Sie ist diesem Institute durch ein Parlamentsmitglied geschenkt und im Lause der Jahreimmer mehr vergrößert worden, so daß sie jetzt außer einer großen Menge von Brief-umschlägen, Postkarten, Streifbändern n. s. w. über 200000 Briesmarken umfaßt undeinen Wert von mehr als einer Million Mark repräsentiert.
Die Dienstränme für den Betrieb der Postanstalten befanden sich ehedem meisten-teils in wenig befriedigendem Zustande. Sie waren eng, niedrig und dumpfig, so daßder dauernde Aufenthalt in ihnen für die Beamten nicht selten eine Schädigung der Ge-sundheit mit sich brachte. Das Publikum erhielt seine Abfertigung entweder auf demHausflur oder wohl gar auf der Straße an dem Fenster der Poststube, wo es der Zug-luft und den Unbilden der Witterung ausgesetzt war. Diese elenden Zustände sind jetztüberall beseitigt. Namentlich hat sich der Generalpostmeister von Stephan durch Her-stellung oder Aumietung besserer Diensträume große Verdienste erworben. Während derZeit seiner Amtsthätigkeit an der Spitze der Postverwaltuug sind gegen 300 reichseigenePosthäuser mit einem Kostenanfwande von nahezu 120 Millionen Mark neu errichtetoder umgebaut worden, deren äußere Gestalt der Würde des Reichs entspricht, und dereninnere Einrichtung ebenso den Bedürfnissen des Dienstes wie den Anforderungen derHygiene im vollsten Maße gerecht wird. Die für das Publikum bestimmten Räume sinddabei im allgemeinen mit einer besseren Ausstattung bedacht worden als die sonstigenTiensträume. Überall findet man bei den Postämtern schöne, hohe und geräumige Schalter-vorzimmer, die gegen Zugluft geschützt sind und in der kalten Jahreszeit erwärmt werden.Sie gewähren den an den Pauschaliern verkehrenden Personen einen behaglichen Aufenthaltund sind mit Schreibvorrichtnngen zum allgemeinen Gebrauche versehen. Welch ein Ab-stand gegen früher! Und wie sticht erst das Äußere der reichseigenen Posthänser gegendie Bauten der meisten anderen Verwaltungen ab? Hier büreankratisches Schablouen-wesen, dort wahrhaft künstlerisches Schaffen. Unter den Fassaden der Posthänser findetman die verschiedensten Baustile vertreten, je nachdem der eine oder der andere davon sichfür den betreffenden Ort als passender erwies-. Die Bauten sind alle mit gutem, dauer-haftem Material in gediegener, zum Teil kunstvoller Arbeit, doch ohne Luxus ausgeführt,so daß sie Zierden der Städte bilden und schon mehrfach zur Nachahmung angeregt haben.Für diejenigen Postämter, zu deren Unterbringung reichseigene Posthänser nicht zur Ver-fügung stehen, werden die Tiensträume mietweise beschafft. Die Aumietung geschieht ent-weder für unmittelbare Rechnung der Postkasse oder durch den Post-Amtsvorsleher aufseine Kosten. In letzterem Falle erhält er aus der Postkasse eine angemessene Miets-entschädignug. Wie sehr die Verwaltung bestrebt gewesen ist, für den Postbetrieb auchmietweise bessere Räume zu gewinnen, geht daraus hervor, daß der Etatsansatz zur An-mietnng von Postdienstränmen, der 1877 78 erst 2170000 Mark betrug, 1890 97 dieHöhe von 6464000 Mark erreichte. Bei den kleineren Postanstalten (Postagenturen),deren Betrieb nur wenig Raum erfordert, werden die Postdienstgeschäfte meist in Zimmernverrichtet, die auch noch zu anderen Zwecken dienen. Die Zahlung einer besonderenMietsentschädigung findet hier nicht statt.
Als Transportmittel werden von der deutschen Reichspost Eisenbahnen, Fuhr-werke, Fußboten und Schiffsgelegenheiten benutzt. Unter diesen nehmen die Eisenbahnendie hervorragendste Stelle ein. Ihre weite Verbreitung und die Schnelligkeit, mit derdie Beförderung auf ihnen stattfindet, haben die Postverwaltuug veranlaßt, von dem ihrzustehenden Rechte, sich zur Fvrtschaffung der Pvstgegcnstünde der Eisenbahnen zu be-dienen, in ausgiebigstem Maße Gebrauch zu machen. Den Eisenbahnen in Deutschland liegt gesetzlich die Verpflichtung ob, mit jedem regelmäßig verkehrenden Zuge auf Ver-langen der Postverwaltung einen von dieser gestellten Wagen unentgeltlich mitzunehmen.Die freie Beförderung erstreckt sich auch auf den Inhalt des Wagens, soweit solcher ausBriefsendungen, Zeitungen, Gold, Silber, Juwelen, Pretiosen und aus Paketen bis zumEinzelgewichte von 10 ÜA besteht. Ferner steht dem znr Begleitung der Sendungen undzur Verrichtung des Dienstes unterwegs erforderlichen Postpersonal freie Mitfahrt indem Wagen zu. Es mag auf den ersten Blick unbillig erscheinen, daß den Eisenbahnen