Band 
Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
Seite
67
JPEG-Download
 

Postdiensträiiine. Posttransportmitle'. 7 g

ei» solches Maß unentgeltlicher Leistungen zu gunsten der Post auferlegt ist. Betrachtet mandie Sache aber genauer, so wird man finden, daß das Verfahren seine volle Berechtigunghat. Vor Entstehung der Eisenbahnen hatten die Posten für die Vermittelung nicht nurdes Briefverkchrs, sondern auch des Personen- und eines großen Teils des Güterverkehrszu sorgen. Als dann Schienenwege hergestellt wurden, wählte man dazu natürlich dieverkehrsreichsten und einträglichsten Linien. Die Überschüsse, welche die Post auf diesenLinien erzielt hatte, waren zum Teil dazu verwendet worden, minder verkehrsreichenGegenden die Vorteile regelmäßiger Verkehrsverbindnngen zuzuwenden, zum Teil dientensie mit zur Bestreitung der Ausgaben für allgemeine Staatsbedürfnisse. Nachdem dieEisenbahnen die Post aus ihren den meisten Gewinn abwerfenden Stellungen verdrängthatten, hätte die letztere fernerhin weder Beiträge zur Bestreitung der Staatsausgabenliefern, noch diejenigen Gegenden, in denen Verkehrseinrichtnngen sich nicht genügendbezahlt machen, mit solchen bedenken können.

Dadurch wäre also nicht nur der Staat, son-dern auch der hilfsbedürftigere Teil der Be-völkerung benachteiligt worden. Es war da-her nur ein Akt der Gerechtigkeit, bei Kon-zessionicrnng der Eisenbahnen von diesen fürdie ihnen von der Post abgetretenen RechteGegenleistungen zu verlangen, durch welche diePost in den Stand gesetzt wurde, dem Staatund der Bevölkerung das bis dahin Geboteneauch ferner zu leisten. Die beanspruchten un-entgeltlichen Dienste der Eisenbahnen sind ge-wissermaßen als eine diesen auferlegte Steueranzusehen, die für sie um so weniger drückendist, als von ihnen dafür besondere Aufwen-dungen nicht zu machen sind.

Post und Eisenbahn sind keineswegsKonkurrenten auf dem Gebiete des Transport-wesens. Während die Eisenbahnen zum Teilnach und nach die Personen- und Güterbeförde-rung absorbieren werden, bleibt der Post vor-zugsweise die Aufgabe, den allgemeinen Ge-dankenverkehr in der ganzen Nation und mitfremden Völkern zu Vermitteln. Will sie diesen bb. Inneres eines SisendahnpoiruiaIcns.hohen Berns vollständig erfüllen, so muß sie

die geflügelte Eile der Lokomotive sich nutzbar machen. Anfangs geschah dies in derWeise, daß die an den Eisenbahnen gelegenen Postanstalten sich gegenseitig die Post-sachen in Briespaketen, Briefbenteln n. s. w. mittels der Eisenbahn zusandten. Als aberdie Ausbreitung der Eisenbahnen immer größere Fortschritte machte, war ein solcherVerkehr zwischen den sämtlichen Eisenbahnpostanstalten nicht mehr möglich. Manschritt deshalb dazu, einen Teil des Bcrsendnngsdienstes auf die Schienen zu verlegenund in Eisenbahnwagen Postbureans einzurichten, welche, mit den Zügen dahin-brausend, die Entgegennahme und Ablieferung der Postsendungen auf den einzelnenStationen besorgen und während der Fahrt die empfangenen Gegenstände nach ihrenBestimmungsorten sondern und zur Ablieferung bereit stellen. Je schneller die Fahrt,desto größer die Eile, mit welcher diese Geschäfte erledigt werden müssen. Die Eisen-bahnwagen, in welchen der Dienst wahrgenommen wird, unterscheiden sich äußerlichnicht erheblich von den Personenwagen, sind aber im Inneren dem Zwecke entsprechendeingerichtet. Sie enthalten meist einen Geschäftsraum, in welchem die Briefschaften be-arbeitet werden, und einen etwas größeren Packranm zur Niederlegnng der Pakete. Dererstere Raum ist mit der nötigen Anzahl von Brieffächern ausgestattet, um darin die

8 Ki