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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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68 Posttransportmittcl.

Briefsendnngen für die einzelnen Stationen niederzulegen. Ferner befinden sich in demWagen die erforderlichen Tische und Stühle sowie Heiz- und Beleuchtnngsvorrichtungen.Überhaupt ist die ganze innere Einrichtung der Wagen den dienstlichen Bedürfnissen genauangepaßt. Auf den Stationen erfolgt der Austausch der Sendungen an den Wagenthürenmit einer erstaunlichen Sicherheit und Naschheit. Die Einrichtung der fahrenden Post-ämter, auch Eisenbahnpostburcaus, Bahnposten u. s. w. genannt, erfolgte im Jahre 1840in Amerika, 1845 in Frankreich und 1849 in Preußen. Seitdem sind fast alle Post-verwaltungen der Welt dem gegebenen Beispiele gefolgt. Wie ungeheure Massen vonBriefschaften einzelnen Bahnposten mitunter zugehen, mag beispielsweise daraus ent-nommen werden, daß beim Eintreffen starker überseeischer Posten zur Bearbeitung der-selben in den betreffenden Eisenbahnzug von Ostende nach Köln mehrere Postwageneingestellt und 12 bis 16 Beamte herangezogen werden, welche oft nur mit größter An-strengung die ihnen zufallende Arbeit auf der Fahrt bis Köln zu bewältigen vermögen.Im Jahre 1898 waren im Bahnpostdienste des Deutschen Reichs 2293 Beamte und 3795Unterbeamte thätig, welche täglich in 5683 Eisenbahnzügen 351 713 zurücklegten.Zur Postbeförderung überhaupt wurden jeden Tag 9901 Eisenbahnzüge auf eine Ent-fernung von 488 098 ton benutzt. Die Postbehörde bestimmt, mit welchen fahrplan-mäßigen Zügen Postsachen befördert werden sollen. Liegen zu einzelnen Zügen in derRegel nicht so viele Sendungen vor, daß sich die Einstellung ganzer Postwagen verlohnt,so erfolgt die Beförderung der Postsachen entweder in Abteilungen von Eisenbahnwagenunter Begleitung von Postunterbeamtcn oder durch Vermittelung des Eisenbahnpersonals.Diese beiden Beförderungsarten kommen namentlich aus Neben- und Kleinbahnen inAnwendung. Die Eisenbahnen empfangen dafür von der Post Entschädigung.

Auf den Landstraßen geschieht die Postbeförderung mittels Fuhrwerks oder durchFußboten. In früherer Zeit unterschied man Briefposten (auch wohl Reitposten) undFahrposten. Briefschaften wurden, in „Felleisen" verschlossen, von reitenden Postillonen,später in leichten einspännigen Wagen (Karriolen) von Ort zu Ort weitergebracht, währenddie Personenbeförderung sowie die Versendung von Paketen und nicht eiligen Gegenständenmit den Fahrposten erfolgte. Gegenwärtig besorgen die Eisenbahnen den Personen- undGütertransport auf den Hauptverkehrslinien. Nach den von den Eisenstraßen und Damps-schifsahrtslinien entfernt liegenden Orten bestehen aber überall noch Fußboten-, Karriol-,Güter- und Personenposten. Die letzteren dienen zum Transporte von Personenund Postgegenständen aller Art, die Güterposten befördern Packereien, mittels der Karriol-und Fußbvtenposten werden meistens alle Gattungen von Postsachen, mitunter aber auchnur Briefsendungen verschickt. Früher nannte man diejenigen Personenposten, welche einetägliche Verbindung von Ort zu Ort unterhielten, Journalieren. Zwischen Berlin und Potsdam verkehrten solche zuerst im Jahre 1754. Noch in den ersten Jahrzehntendes 19. Jahrhunderts war eine Reise von Berlin nach Leipzig ein großes Unternehmen;Leute, die gar von Hamburg nach Wien fuhren, machten vorher ihr Testament. Tage-lang saß man in dem engen Postkasten, machte freilich dabei Bekanntschaften, weit mehrals dies jetzt auf Eisenbahnen der Fall ist, und lauschte zeitweilig den Nachrichten, dieder Schirrmeister zum besten gab, oder den Tönen des Posthornes, das der „Schwager"trefflich zu blasen verstand. Das Posthorn gehört so recht eigentlich als bezeichnendesMerkmal dem reitenden und fahrenden Postpersonale vornehmlich in Deutschland an,während in der Schweiz und in Frankreich die Rosselenker nicht im Blasen, sondern inder kunstfertigen Handhabung der Peitschen, beziehentlich im Knallen, ihre Stärke suchen.Langte die Post in einer Stadt an und entlud ihren Inhalt an Menschen, Briefschaften,Schachteln, Koffern u. s. w., dann strömte alt und jung neugierig herbei, um die „ge-räderten" Ankömmlinge zu begrüßen und Neuigkeiten von ihnen zu erhäschen.

Um die sprichwörtlich gewordene Langsamkeit der Postbeförderung (Schneckenpost)in das Gegenteil umzuwandeln, stellte die Thurn und Taxissche Postverwaltung 1805die ersten Eilwagen ein. Später sind diese in Frankreich unter der Bezeichnung„Velocifcres", in Preußen unter dem Namen „Schnellposten" und auch anderswo