Taubenpost. Ballonpost. Rohrpost. 79
fort, in dem sie schwebten. An jedem Ballon befanden sich zwei Sicherheitsventile, daseine an dem oberen und das andere an dem unteren Ende. Nach zwei- bis dreistündigerFahrt gingen die Ballons nieder. Während der Belagerung von Paris wurden von da65 Ballons abgelassen; davon fielen 36 in den vom Feinde nicht besetzten französischen Landesteilen nieder, 14 kamen in den von den Deutschen besetzten Departements an, dochgelangten nur fünf hiervon in die Hände des Feindes, die übrigen nenn wurden vonFranzosen geborgen. 13 Ballons gingen im Auslande nieder, und zwei gerieten aufsMeer, wo sie ihren Untergang fanden. Im ganzen sind durch die Ballonpost etwa2 500 000 Briese im Gewichte von ungefähr 10 000 befördert worden. Die Pariser Journale wurden ebenfalls mit der Ballonpost nach den Departements expediert. Mitder Kapitulation von Paris erreichten auch diese eigentümlichen Unternehmungen ihreEudschaft. Doch wird militärischerseits dem gedachten Beförderungsmittel fortgesetzt diegrößte Aufmerksamkeit geschenkt und die Handhabung desselben durch eine Lnftschiffer-abteilnng der Eisenbahnbrigade der deutschen Armee schon in Friedenszeiten eingeübt, umim Kriege für den Notfall davon Gebrauch machen zu können.
Nachdem wir hier zwei Arten von Posten besprochen haben, die ihren Weg durchdie Lüfte nehmen, wollen wir noch eine Gattung erwähnen, welche im Gegensatze zujenen, dem Manlwnrse gleich, auf unterirdischen Bahnen sich bewegt; es ist die
Rohrpost, durch welche in einzelnen großen Städten Sendungen von einem Stadt-teile zum anderen befördert werden. Obgleich sie noch nicht sehr lange besteht, hat sich dieRohrpost doch schon zu einem unentbehrlichen Verkehrsmittel der großen Städte heraus-gebildet. Sie wurde zuerst in London im Jahre 1854 angelegt; später folgten Paris ,Wien und 1876 Berlin mit der gleichen Einrichtung. Wie bei der Ballonpost, so bildetauch bei ihr die Luft die bewegende Kraft.
Die zu befördernden Sendungen werden in Kapseln eingeschlossen, deren Fort-bewegung in eisernen, in die Erde gebetteten Röhren erfolgt. In London laufen dieRöhren strahlenförmig von der Hauptstation aus, so daß die übrigen Stationen nur mitder Hauptstation in unmittelbaren Verkehr treten können, während in Paris und Wien die Röhren im Kreisläufe verschiedene Stationen berühren und den Verkehr zwischendiesen untereinander ermöglichen. In Berlin wurde zunächst das letztere System gewählt,weil bei diesem die Anlage- und Betriebskosten sich erheblich niedriger stellten als beidem anderen. Nachdem sich aber gezeigt hatte, daß bei Anwendung des erstgedachtenSystems sich im allgemeinen eine weit schnellere Übermittelung der Sendungen nach demBestimmungsorte erreichen ließ, wurde die kreisförmige Anlage bis znm Jahre 1884nach und nach in eine strahlenförmige umgewandelt. Die Rohrpostanlage in Berlin (mit Einschluß der Vororte Charlottenburg, Rixdorf und Schöneberg ) bestand 1898 aus118,05 bm schmiedeeiserner Röhren von 65mru lichtem und 74 mm äußerem Durchmesser.Sie liegen etwa 1,25 m tief unter dem Straßenpflaster und verbinden 53 Rohrpostämtermiteinander. Durch diese Rohren wird täglich in der Zeit von 7 Uhr morgens bis10 Uhr abends zwischen je zwei Stationen alle Viertelstunden ein Zug von 5 bis 10Brieskapseln befördert. Letztere sind in cylindrischer Form aus 1 mm dickem Aluminiumblechhergestellt; ihre Länge beträgt etwa 15 cm, während ihr Umfang dem inneren Raumeder Röhren so angepaßt ist, daß zwischen ihnen ein Spielraum von 3H^ mm verbleibt.Die Cylinder haben an dem einen Ende einen Metallverschluß, während sie an demanderen offen sind, um die zur Beförderung bestimmten Gegenstände aufzunehmen. Nachder Füllung der Cylinder wird ihr Verschluß durch eine 11 em lange lederne Kappehergestellt, die sich an die äußeren Metallwände des Cylinders eng anschließt. Der Kopfder Kappe besteht aus mehrfach übereinander gelegten Lederstücken, um die Wirkung dcrStöße, welche die Kapseln bei der Beförderung zu erleiden haben, abzuschwächen. DieFortbewegung der Kapseln in den Röhren geschieht entweder durch Druck mittels gepreßterLuft oder durch Ansangen mittels verdünnter Luft. An acht verschiedenen Stellen derStadt Berlin sind Dampfmaschinen aufgestellt, durch welche unter Verwendung von jezwei Luftpumpen die Luft in geräumigen, von starkem Eisenblech gefertigten Behälter»