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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Der Buchdruck.

vor demselben stehende, dicht angepreßte Matrizenzeile gedrückt, damit aber ist der Gnßder Linotype oder Buchstabenzeile vollendet. Während jetzt die Matrizenzeile ein wenignach oben steigt und sich dann rechts in der Richtung der Setzerei wendet, macht dasGußrad eine Bierteldrehnng, wodurch die gegossene Zeile eine senkrechte Stellung erhält,entsprechend einem hinter dem Rade stehenden Stößer; dieser tritt jetzt in Thätigkeit;drückt die Zeile aus der Gnßspalte heraus und durch einen vor derselben stehendenApparat mit Schabemessern, die den Grat entfernen und sie vollkommen fertig machenfür den Druck. Sie gelangt zunächst auf ein vor dem Schabcapparat angebrachtes Schiff,auf welchem sie sich, durch einen oscillierenden Arm geschoben, ihren Vorgängern anreiht,Spalten oder Kolumnen bildend.

Die Matrizenzeile hat während dieser Zeit aber auch nicht stillgestanden; sobald sieeinen bestimmten Punkt rechts in der Mitte der Maschine erreicht hat, senkt sich ein be-weglicher Arm — er ist auf der Abbildung als senkrechte Leiste gezeichnet — dessenunteres Ende in die gemeinsamen Führungszähne der Matrizen paßt, hebt sie ganz nachoben und schiebt sie dann noch weiter nach rechts auf eine Führungsleiste, die sich überdie ganze Breite des Matrizenbehälters erstreckt und mit zahlreichen, den Einzahnungender Matrizen entsprechenden Rippen versehen ist. Diese Leiste ist einer der wichtigstenTeile der Linotype , denn von ihr hängt die Genauigkeit des Ablegens und somit derganze korrekte Gang der Maschine ab. Unter ihr öffnen sich die 90 Matrizenbehältcrund in jeden derselben fällt die richtige Matrize, was durch die verschiedene Zähnungderselben und die dieser Zähnung entsprechenden Rippen der Führungsleiste erreicht wird.Ihre Rippen müssen natürlich mit den Zähnen der betreffenden Type vollkommen über-einstimmen, so daß diese, wenn sie von zwei Wurmschraubenwellen unterhalb der Leistevorwärts bewegt werden, sich von selbst lösen und in den für sie bestimmten Kanal fallenkönnen.

Diese Maschine, welche als eine der genialsten Erfindungen des 19. Jahrhundertsbezeichnet werden muß, hat im Laufe der letzten Jahre fortwährend Verbesserungen er-fahren. Sie kostet 12 000 Mark, und es sind bereits gegen 7000 im Betrieb, in Amerika und England allerdings die meisten, da sie in Deutschland erst seit 1897 eingeführtworden ist. Doch zählt man auch in den deutschen Offizinen bereits mehrere Hundert,und ihre Verwendung wächst täglich. Neuerdings hat man auch zwei ganz wesentlicheNeuerungen an der „Linotype " zu verzeichnen; da ist erstens die sogenannte Dnplex-Maschine für schnelles Ändern der Schrift. Dieselbe hat zwei Magazine und eine Extra-Gießform, sowie eine Extra-Serie Matrizen, wodurch man in wenigen Minuten Schrift,Zeilenlänge und Kegel ändern kann. Das erste Magazin wird bei Veränderung ab-gehoben, das zweite eingesetzt, wodurch die Schrift verändert wird; dann schiebt man eineandere Gußform ein zur Änderung des Kegels. Zur Veränderung der Zeilenlänge brauchtman übrigens die Gußform nicht auszuwechseln, sondern es werden nur entsprechendeEinsatzstücke eingefügt.

Eine zweite bedeutende Verbesserung ist die soeben fertiggestellte Zweitypen-Maschine, welche ermöglicht, zu gleicher Zeit zweierlei Schriftbilder zu setzen, wie diesim Werksatz sehr häufig notwendig ist. Dies wird dadurch ermöglicht, daß auf einerMatrize sich zwei Schriftbilder befinden, z. B. Antiqua und Kursiv oder Fraktur undhalbfette Fraktur. Das Setzen geht hierbei in der üblichen, oben beschriebenen Weise vorsich. Der oben angeführte Sammelelevator, in welchem sich die Matrizen aneinander-reihen, ist mit einem Hebel versehen, der den Zweck hat, einen sogenannten Schlitten ein-zuschicken oder herauszuziehen. Wird Auszeichnungsschrift gewünscht, so wird der Hebelnach vorn gezogen, wodurch der Schlitten in die Sammelrinne, in der sich die Matrizenanhäufen, hineingedrückt wird. Die Matrizen, welche jetzt in den Sammler fallen, werdenhierdurch gehindert, ebenso tief wie die vorhergehenden zu fallen, und sie schieben sich auseine zweite, etwas höhere Sammelrinne, so daß die unteren Buchstabenbilder dieserMatrizen auf gleicher Höhe mit denen der zuerst gesetzten stehen. Hierauf wird die sogesetzte Matrizenzeile vor die Gußform gebracht, welche mit zwei Rinnen versehen ist,