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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Tiegeldruckpressen.

in New Aork gebaute „Libertypresse". Fundament und Tiegel liegen bei dieserPresse nicht wagerecht, sondern bilden, wenn dieselbe geöffnet ist, zu einander einenWinkel, wie wenn man zwei Hälften eines Buchdeckels halb aufmacht. Der Druck ge-schieht, indem Fundament und Tiegel sich begegnen, wie wenn das geöffnete Buch mit demSchnitt nach oben wieder zugeklappt wird. Der Farbetisch ist eine sich drehende Metall-platte, die unter den Farbewalzen weggeht, so daß diese die Farbe verreiben, die sie dannder Schriftform mitteilen. Bewegt wird die Maschine durch Treten oder durch eine Kurbel.

Boten nun auch die Pressen dieses Systems gegenüber den Cylinderschnellpressenbei der Herstellung kleiner Truckarbeiten große Vorteile, so stellte sich doch im Laufe derZeit heraus, daß dieselben nicht allen Anforderungen genügten. Namentlich für schwerenDruck erfordernde Arbeiten waren die Libertypressen ganz ungeeignet. Die Amerikanerwaren auf diesem Gebiete wieder die ersten, welche zu einer ganz anderen Bauart über-gingen und Tiegeldruckpressen schufen, welche einen genau parallelen Druck wie dieHandpressen ausübten, und mit Cylinderfarbewerk wie die Schnellpressen ausgestattet waren.

Des Amerikaners Merilt Gallys Universaltiegeldruckpresse war die erste Tiegel-druckpresse, die durch ihre sinnreiche Konstruktion einen parallelen Druck auszuüben imstände war. Das Farbewerk gleicht dem einer Schnellpresse vollständig. Die großenVorzüge der Gallypresse ließen den praktischen Wert einer guten Tiegeldruckpresse immermehr erkennen und sicherten ihr bald die erste Stelle unter allen bis dahin existierendenTiegeldruckpressen.

Noch weiter verbessert wurde die Maschine, nachdem die amerikanische Waffenfabrik„Colts-Armory" den Vertrieb der bisher für den Erfinder Gally hergestellten Pressenselbst in die Hand nahm, jedoch nicht so, daß man sie nach den gemachten Erfahrungenals vollkommen bezeichnen konnte. Wie bei allen als praktisch und vollkommen geltendenEinrichtungen sich nach Jahren immer wieder Verbesserungen notwendig machen, so wares auch bei der verbesserten Gally, der unter dem Namen „Colts-Armory" bekanntgewordenen Maschine, der Fall.

Die Firma Rockstroh L Schneider in Dresden war die erste deutsche Maschinen-fabrik, die in den achtziger Jahren den Bau der Tiegeldruckpresse nach dem Gallysystemaufnahm. Abb. 134 zeigt eine Presse der genannten Bauart. .4 ist das die Formtragende senkrecht feststehende Fundament. Das mit OK? bezeichnete kompakte Gußstückist der Trucktiegel, welcher durch die auf beiden Seiten angeordneten Zugstangen imAugenblick des Druckes genau parallel gegen die Form gepreßt wird. Die vier sichtbarenAnftragwalzen besorgen das Einfärben der Form, indem sie auf- und absteigend überdieselbe geführt werden. Das Einlegen der Bogen besorgt eine Person. Die Pressewird in verschiedenen Größen gebaut, und die kleineren Nummern können durch Tretenbewegt werden. Für den Betrieb der größeren Pressen ist Elementarkraft nötig.

Die Firma Rockstroh L Schneider hat bei der Konstruktion ihrer Victoriapressedie guten Eigenschaften der amerikanischen Vorbilder beibehalten, ihre Mäugel aber be-seitigt und dadurch eine ausgezeichnete Presse geschaffen. Ihre Pressen mit Doppelfarbc-werk eignen sich für die feinsten Bilderdrucke und den Druck großer Tonflächen undwerden hierin von keinem anderen Fabrikate übertroffen.

Der Firma I. G. Schelter L Giesecke in Leipzig gebührt das Verdienst, GallysUniversal- und Colts-Amorypresse in Deutschland eingeführt zu haben und damit demdeutschen Buchdrucker einen großen Dienst erwiesen zu haben. Da die genannte Firmaindes sah, daß ein deutsches Fabrikat die Amerikaner überflügelte, ging sie selbst zumBau von Tiegeldruckpressen über und brachte mit ihrer „Phönix" eine ebenfalls guteTiegeldruckpresse auf den Markt. Heute bauen mehrere Maschinenfabriken Pressen desGallysystems, und die Amerikaner sind vom deutschen Geschäft abgedrängt.

Gewissermaßen als vermittelndes Glied zwischen den Tiegeldruckpressen und denSchnellpressen hat man kleine Cylindermaschinen konstruiert, welche durch die das An-legen besorgende Person durch Treten bewegt werden und für den Accidenzdruck aus-gezeichnete Maschinen sind. Diese Druckpressen bezeichnet man mit den Namen Cylinder -