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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Buchbinderei.

einzelnen Zeilen in den Schriftkasten, schraubt sie fest und druckt sie heiß auf. Erhitztmüssen sowohl alle Stempel als auch die Trncklctteru werden; nur unter Hitze findet einguter, bleibender Eindruck statt, und der Bergolder muß sich auf die verschiedenen Hitz-grade verstehen und wissen, was auf Leder, Zeug n. s. w. das Richtige ist.

Die Eindrücke, welche mit Stempel und Fileten auf dem bloßen Leder und Zeug-grund hervorgebracht werden können, heißen Blinddruck. Zur Erzeugung vergoldeterOrnamente werden die betreffenden Stellen vorher mit Goldblättchen überlegt oder dasGold wird gleich mit dem Stempel aufgenommen. Durch die Hitze der Stempel wird dieEiweißgrnndiernng so umgewandelt, daß sie Gold an den getroffenen Stellen festhält; dasvon dem Stempel nicht berührte Gold läßt sich wegnehmen und abwischen. Für Stoffe, diekeine Feuchtigkeit vertragen, gibt es eine trockene Grundiernng aus getrocknetem Eiweißoder gewissen Gummiharzen, die feiugepulvcrt aus einer mit Flor überzogenen Büchseanfgepudcrt werden. Mit den sehr einfachen Handvergoldewerkzeugen ist ein geschickterBuchbinder im stände, die kunstvollsten Zeichnungen auf dem Bucheinband herzustellen.

Leider finden sich in Deutschland für derartige kunstvolle Werke der Buchbindereisehr wenig Liebhaber, während in Frankreich und England reiche Bibliophilen derartigeluxuriös gebundene Bücher als einen Bestandteil eines vornehmen Haushalts betrachten.Man begnügte sich jedoch vielfach nicht mit der einfach vergoldeten Dekoration, sondernwandte auch verschiedene farbige Leder an, um in die Zeichnung Abwechselung zu bringen.Das Leder wurde zu diesem Behufe ganz dünn auSgeschärft, genau in der Form desOrnaments ausgeschnitten, auf das mit Leder bezogene Buch aufgeklebt und die Konturenmit Goldlinien eingefaßt. Dadurch entstand die sogenannte Ledcranslage, mit welcherFarbeneffekte von überraschender Schönheit geliefert werden können. Eine andere Technik,die Ledermosaik, welche der Neuzeit angehört, besteht darin, eine Zeichnung in ver-schiedenem farbigen Leder so auszuschneiden und wieder ineinander zu fügen, als ob dieverschiedenen Leder ein Srück bilden. Hier können die Konturen nicht mit Goldlinieneingefaßt werden, und deshalb muß diese Arbeit mit peinlicher Genauigkeit gemacht werden.Sie läßt sich am besten mit den Jntarsiaarbeiten des Kunsttischlers vergleichen, mit welchensie auch die größte Ähnlichkeit hat.

Die Verzierung der Einbände durch Handarbeit erfordert viel Zeit und konnte aufdie Dauer bei großen Mengen gar nicht oder nnr sehr unvollkommen genügen. Deshalbkam auch hier die Maschine, die Vergoldepresse in Anwendung und zwar in so aus-gedehntem Maße, daß die Handvergoldnng in vielen Werkstätten zu einer fast gar nichtmehr geübten Kunst geworden ist. Die Vergoldepresse ist englischen Ursprungs; inDeutschland wurden die ersten derartigen Maschinen in Leipzig in den 50 er Jahrengebaut. Seitdem haben dieselben hinsichtlich ihrer Bauart noch vielfache Verbesserungenerfahren.

Von allen Pressensystemen, welche in der Buchbinderei zur Anwendung gelangten,hat sich diejenige der Kniehebelpressc am besten bewährt und bis heute vorteilhaft be-hauptet. In der Buchbinderei sowohl als auch in den mit ihr verwandten Geschäfts-zweigen, wie Album-, Portefeuille-, Cartonnage- und Luxnspapierfabrikativn ist die Knie-yebelpresse allgemein eingeführt. In neuester Zeit sind Kniehebelpressen mit selbstthätigemFarbewerk von der Firma Aug. Fomm, sowie von Earl Krause, Leipzig , gebaut worden,doch entspricht die Konstruktion des selbstthätigen Farbewerks noch nicht ganz den An-forderungen der Neuzeit. Auch das System der Tiegeldruckpresse, welches sich in unserenBnchdruckercien so gut bewährte, hat für Präge- und Vergoldeprcssen in veränderterForm mit heizbarem Körper in der Buchbinderei Verwendung gefunden. Die FirmaRockstroh L Schneider Nachf. in Dresden baut diese Heiß-Prägepressen in vorzüglicherAusführung. Dieselben arbeiten schneller als die Kniehebelpressen, sind daher für Massen-artikel von großem Wert. In größeren Werkstätten sind besondere Preßvergolder an-gestellt, welche ausschließlich die Pressung an den Buchdecken ausführen und die inder Behandlung ihres Materials um so geschickter sein müssen, als dasselbe sehr wertvollist; gibt es doch Werkstätten, welche für 30 000 bis 40 000 Mark echtes Blattgold neben