228 Buchbinderei.
Goldstänbchen werden durch Bänschchen von Baumwolle, Tuch oder Gummi, je nachdemes der Stoff erfordert, entfernt. Der Abfall des Goldes, Kehrgold genannt, wird sorg-fältig gesammelt, um wieder eingeschmolzen zu werden.
Die ersten Farbendrucke auf Buchdecken bestanden im Schwarzdruck der Ornamente.Dieselben wurden Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrh, zuerst von den Engländern aus-geführt, und mit denselben wurden in Verbindung mit Gold sehr gute Effekte erzielt. DieseSchwarzdrucke bürgerten sich auch in Deutschland bald ein und beherrschten eine Reihe vonJahren den Geschmack in der Einbandschmückung. Seit einigen Jahren hat man begonnen,mit bunten Farben zu drucken, und einige große Buchbindereien haben es darin zu großerVollendung gebracht. Man findet jetzt eine große Anzahl Prachtwerke und Werke derGeschenklitteratnr mit solchen buntfarbigen Einbänden verziert, auf welchen Landschaften,
Blumenstücke, Genrebilder und Ornamenteaufgedruckt sind. Die Ausführung undFarbenstimmung ist teilweise eine so vor-zügliche, daß sie sich getrost mit den gutenErzeugnissen der Chromolithographie messenkönnen. Dem aufmerksamen Beobachterwird nicht entgangen sein, daß auch hierinin der Neuzeit eine Wendung des Ge-H schmuckes eingetreten ist. An Stelle derI landschaftlichen und figürlichen Bilder tritti vielfach durch Farbe gehobenes Flachvrna-! ment, was dem Charakter des Bucheinbandesweit besser entspricht.
Damit haben wir das Pressen, Ver-! golden und Farbendrucken dargestellt, wie esseiner Theorie nach und in seinen einfach-sten Anwendungen wohl ausgeführt wird,s, indessen unseren Lesern freilich keineswegssalle die Handgriffe und Vornahmen, alle die^ Rücksichten und kleinen Vorteile schildernkönnen, wie sie bei nur einigermaßen um-fangreicheren Arbeiten zur Anwendungkommen. Mit einer einmaligen Pressung istin der Regel nichts gethan, wiederholt, oftbis sechs- und mehrmal, wandern die Deckenin die Presse, und es ist dann die höchsteSorgfalt und Genauigkeit anzuwenden, um das Muster rein und scharf herauszubringen.
Lederplastik. Von Wichtigkeit ist auch die alte Kunst des Lederschueidens undPunzierens, die, dem Anfang des Mittelalters entstammend, seit dem 16. Jahrh, nicht mehrgeübt wurde und erst in den 70er Jahren des 19. Jahrh, durch den verstorbenen Buchbinder Wunder in Wien der unverdienten Vergessenheit entzogen wurde. Eine Anzahl derartigerArbeiten aus dem Altertum, bestehend in Bucheinbänden, Kassetten,o c> ° H H. Rollen, Stnhlbezügen, befinden sich im Besitz von Kunstgewerbe-i6?. pliinen. museen und Privatsammlungen und geben Zeugnis von der künstle-
rischen und stilvollen Vollendung dieser Arbeiten der damaligen Zeit.Dem geschickten Buchbinder bietet diese Technik ein weites und dankbares Feld, Vielseitigesund Hervorragendes zu leisten, weil nicht nur Einbände, sondern auch eine große AnzahlGebrauchs- und Lnxusgegenstände, z. B. Brieftaschen, Schreibmappen, Lampenteller,Körbchen, Stnhlbezüge u. s. w., sich darin ausführen lassen.
Einige Fertigkeit im Zeichnen, möglichst auch im Modellieren, und eine kleine Anzahlsehr einfacher Werkzeuge, bestehend in einem kleinen Messer, einigen Perl- und Stern-punzen in verschiedener Größe, einem Mattpnnzen, einem Modclliereisen und einem
166. Mcrkrcuge !„m Leder-schnitt.