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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Portefeuillearbeitcn. 2ZZ

Vollkommenheit gebracht hat. Photographieatbums werden besonders in Berlin gemacht,woselbst auch jene tausend und abertausend Umschläge, Kartonnagen u. s. w. ihre Ent-stehung nehmen, die zu Nenjahrsgeschenken in Unmassen verwendet werden.

In Österreich ist Wien der Sitz der feineren Buchbinderei, obwohl vereinzelt auchin anderen Städten Vorzügliches geleistet wird. Durch die Anregungen, welche vomösterreichischen Museum ausgingen, hat sich in Wien als Besonderheit die Fabrikationvon Luxusartikeln entwickelt, welche neben Bronze und feinen Hölzern mit großer Vor-liebe Leder als Rohstoff verarbeitet; die Buchbinderei, als nah verwandter Gewerbszweig,mußte von den hier gemachten Fortschritten Vorteil ziehen. Deutschland liefert zur Zeitvorzugsweise immer noch billige Einbände, allein dieselben werden wenigstens jetzt schonbei weitem geschmackvoller hergestellt als früher; es fangen aber auch an bessere Arbeitenbegehrt zu werden, und die Leistungen, welche aus Werkstätten wie die von Fritzsche,Hager, Herzog-Sperling, Hübel L Denk in Leipzig , von Graf in Altenburg, Collin undVogt in Berlin, E. Scholl in Durlach u. a. hervorgegangen sind, beweisen, daß das Hand-werk ernstlich die Vereinigung mit der Kunst wieder sucht, mit der es zu unserer VäterZeiten so eng verbunden war. Eine große Anzahl von Fachschriften, wie Stockbauer,„Musterbände aus der Blütezeit der Buchbinderkunst", Leipzig ; Feldegg, „WienerKunst-binder- und Lederarbeiten", Wien 1890; Maul, „Deutsche Bucheinbände der Gegen-wart", Leipzig 1888; Löwenstein, „Buchbinderkunstarbeiten", Dresden 1892 u. a. suchtdurch Mitteilung von stilvollen Origiualeutwürfen für Buchdeckel den Geschmack für dieAußeuschmückung unter den Fachgenossen zu heben.

Der Buchbinder hat als Mann, der mit allerlei Stoffen, mit Papier, Pappe, Leder,mit Leim, Kleister u. s. w., geschickt und sauber umzugehen weiß, von jeher einige Neben-geschäfte betrieben, so namentlich das Anfertigen von allerlei Papp- und Lederarbeiten,von Bestecken, Futteralen, Mappen, Albumbäuden u. s. w., das Aufziehen von Karten,Einrahmen von Bildern, Stickereien u. s. w. Im Laufe der Zeit haben sich aber aussolchen Nebensächlichkeiten eigene, von der Buchbinderei unabhängige Fabrikzweige heraus-gebildet, am frühesten die sogenannten Portefenillefabriken, aus welchen späterhindie Fabrikation der sogenannten Wiener Artikel hervorging. Was wir unter demSammelnamen Wiener Artikel begreifen, das gehört, wie wir schon angedeutet haben,eigentlich sehr verschiedenen Techniken an. Der Bronzearbeiter, der Emailleur, Graveur,und Ciseleur, der Holzschnitzer, Maler, Lackierer, der Kunsttischler, Schlosser, kurz alledem Kunstgewerbe zugehörigen Kräfte werden in Thätigkeit gesetzt, um jene elegantenNippes hervorzubringen, jene proteusartig wechselnden Garnituren, Aufsätze, Kassetten,Alben, Geldbörsen, Kapseln, Brieftaschen auszuführen, mit denen Wien die Welt über-schwemmt. Dieses besondere Fach wurde zuerst in Deutschland , und zwar in Lffenbach(1776 durch die Familie Mönch), selbständig; von da gelangte es nach Wien und spätererst nach Paris. In Wien jedoch hat sie ihre höchste künstlerische Ausbildung erhalten.Au dieser Stelle können wir uns selbstverständlich nur so weit mit dem Gegenständebeschäftigen, als er der Papp - und Lederwarenindustrie angehört. Das Leder, welcheszur Verwendung kommt, ist für die feinsten Gegenstände russischer Juchten, deutschesSaffian, Kalbleder, Kapsaffian, Eidechse und für große, billige Sachen, wie Damentaschen,Reisesäcke mit Gummi, präpariertes Wachstuch, ferner Sammet und Seide u. s. w. DieArt und Weise der Verarbeitung zu schildern, ist bei der ungeheuren Verschiedenheit dererzeugten Waren ganz unmöglich. Nachdem die Idee zu Papier gebracht, d. h. eineZeichnung danach in natürlicher Größe gemacht worden ist, werden von dem Muster-arbeiter die Zuschneide- und Arbeitsmodelle angefertigt, der Zuschneider schneidet hieraufdie erforderlichen Stoffe zu, welche dann an die verschiedenen Arbeiter, Vergolder u. s. w.,zur Ausführung übergehen. Bei der nachfolgenden Massenerzeugung wird dann wohlnoch verbessert, vereinfacht, den Forderungen des Käufers, der Erleichterung des Arbeitersangepaßt.

Die fertige Ware unterscheidet man als Rahmenarbeit oder als weiche Ware, welcheletztere nur aus Leder ohne jeden Metallbestandteil als höchstens ein Schlößchen angefertigt

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