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Die graphischen Künste.
Der Stahlstich (8ülsroArai>üis, M'avms Kur acüsr, citssl^Iata suZraving,Abb. 207). Der Stahlstich wird in der Hauptsache wie Kupferstich hergestellt. Nochheute wird er vielfach mit dem Kupferstich verwechselt, als Sammelbegriff für graviertePlatten (fälschlich) gebraucht.
Die Stahlplatte wird durch Ausglühen dckarbouisiert, verliert damit durchEntziehung des Kohlenstoffes ihre Härte und kann wie eine Kupferplatte gestochen odergeätzt werden. Zur Ätzung wird nicht Salpetersäure benutzt, sondern Metallsalze,Essigsäure, Alkohol u. a. Nachdem die Platte wieder gehärtet ist, erhält sie eine großeAbdruckfühigkeit. Stahlstiche erhalten niemals die weiche Farbigkeit von Kupferplatten,sind daher für Kunstblätter heute fast ganz außer Gebrauch. Der Stahlstich wird heutehauptsächlich zu technischen Zwecken, Banknotendruck u. s. w. verwendet (unter Zuhilfenahmephotomechanischer Verfahren). Beim Banknotendruck werden kleine Stahlwalzen dekar-bonisiert, dann über die gravierte, gehärtete Stahlplatte unter starkem Druck geführt,wobei sie die Zeichnung annehmen. Sind sie wieder gehärtet, so kann durch sie aufbeliebig viele dckarbouisiert e Stahlplatten dieselbe Notenzeichnnng u. dergl. übergewalztwerden. Für den Stahlstich werden auch vielfach Liniiermaschinen u. s. w. angewandt.Da Stahlstichplatten leicht rosten, müssen sie zur Aufbewahrung einen Wachsüberzugerhalten.
Glasätzung. Statt einer Kupfer-, Stahl- oder Zinkplatte versuchte man auchGlasplatten zu ätzen. Das Verfahren ward durch Professor Böttcher in Frankfurt a. M.und Ilr. Bromeis in Hanau als sogenannte Hyalographie (Glasätzkunst) ausgebildet.Dabei wird die Glasplatte mit einem Ätzgrund gedeckt, die Zeichnung in den Deckgrundradiert, dann mit Flnßspatsäure (Fluorwasserstoff) geätzt. Die Platten zerbrachen aberleicht unter dem Drucke der Presse und wurden erst durch Herstellung von Kupfer-klischees brauchbar. Übrigens war das Ätzen sehr gesundheitsschädlich.
Der Kupferdruck.
Die im Atelier fertiggestellte Platte wird in der Regel dem Kupferdrucke! zumAbdruck übergeben, da der Druck große Gewandtheit und besondere Übung erfordert,auch auf einer eigens konstruierten Knpferdruckhandpresse geschehen muß. Die Plattewird zunächst auf das peinlichste gereinigt. Auf die leicht erwärmte Platte wird Kupfer-druckfarbe mit kleinen Ballen aufgetragen und verrieben, so daß dieselbe alle Linienund Punkte der Platte ausfüllt. Sodann wird durch horizontales „Wischen" mit feinenLeinenlappen alle Druckerschwärze von den glatten Teilen der Fläche entfernt, so daßDruckfarbe nur in den ausgetiesten Linien verbleibt. Die hochpolierte Fläche stößt jaohnedies etwas die Druckfarbe ab, die in den Tiefen aber haftet. Die Platte wird dannauf die Druckerpresse gelegt, ein Blatt angefeuchtetes Kupferdruckpapier, das größerist, als die Kupferplatte, darauf gelegt, mit Löschpapier und wollenem Tuche bedeckt.Dann läßt man das Ganze unter scharfem Drucke durch die Presse gehen. Dabei wirddas Papier in alle Furchen der Platte gedrückt und nimmt hier die Druckfarbe heraus,so daß nach vorsichtigem Abheben des Papieres darauf ein genauer, gegenseitiger Abdruckder Qrigiualplatte sich findet. Der Abdruck wird dann getrocknet. Die Platte wirdsodann nach jedem Abdruck gründlich gereinigt und in derselben Weise wieder zumnächsten Abdruck vorbereitet.
Druckkünste. Die Schönheit des Abdruckes ist bedingt durch die Geschicklichkeitdes Druckers. Er „richtet" die Druckplatte nach Anfertigung eines Probedruckes „zu".Drucken einzelne Partien zu matt, so heftet er kleine Papierausschnitte unter die betreffendeStelle der Platte. Drucken andere zu stark, so unterlegt er die Platte mit einem Papier-bogen, auf dem diese Stelle ausgeschnitten ist u. s. w. Diese „Zurichtung" der Platte istbei allen Druckverfahren, auch den photomechanischen, von großer Bedeutung.
Bei Radierungen wird die Platte nicht „zugerichtet", sondern schon beim „Wischen"ein zarter Ton auf der Platte gelassen, auch einzelne Partien, die nicht scharf druckensollen, durch Auftupfen eines zarten Tones von Druckerschwärze abgetönt, Lichter durch