Oie graphischen Künste.
Der Holzschnitt.
Geschichte des älteren Holzschnittes.
MMas Bild ist älter als die Schrift, alle Alphabete haben sich aus Bilderschriftheraus gestaltet. So sehr sich auch Schrift und Truck entwickelt haben, sieMl, können nie das Bild, die zeichnerische (graphisches Darstellung völlig ersetzen.
Heute mehr denn je ist das Bedürfnis nach Anschauung, nach bildlicher(graphischer) Darstellung verbreitet, die neuen Rcproduktionsverfahrcn er-leichtern die Erfüllung dieses Bedürfnisses und steigern es zugleich ins Un-
geahnte. Wie die Erfindung des Buchdruckes den Austausch geistiger Güter, so hatdie Ausgestaltung des Kunstdruckes die Verbreitung des Anschauungsmaterials und damitreale Kenntnisse aufs höchste gefördert. Der Kunstdruck (die vervielfältigenden odergraphischen Künste) ist seiner Entstehung nach ein Altersgenosse, ja sogar ein ältererBruder des Buchdruckes. Zu voller Kraft entfaltete er sich erst in unserer Zeit, seit erdurch Erfindung der Photographie billig und volkstümlich geworden.
Unter einem Kunstdruck versteht man die durch Abzug von einer Druckplatte ge-wonnene bildliche Darstellung. Voraussetzung ist also, daß auf einer Platte, sei sienun von Holz oder Metall, Stein oder Glas, ein zum Abdrucken geeignetes Bild her-gestellt -wurde. Man kann für Herstellung solcher Druckplatten drei Hanptvcrfahrenunterscheiden, den Hochdruck, den Tiefdruck, den Flachdruck. Die Zeichnung wird entwederin die Oberfläche der Druckplatte eingegraben resp. eingeätzt (Tiefdruck, z. B. Kupferstich,Radierung); oder das Bild bleibt erhaben auf der Fläche stehen, und der Grund ringsum dasselbe wird ausgetieft (Hochdruck, Buchdruck, z. B. Holzschnitt); endlich kann dasBild auf der Druckplatte ohne wesentliche Vertiefung oder Erhöhung nur aus Grundchemischer Eigenschaften des Materials druckfähig gemacht werden (Flachdruck, z. B.Lithographie).
Der Kunstdruck ist für unsere europäische Kultur eine verhältnismäßig junge Er-findung, schon deshalb, weil für seine Ausbreitung der Gebrauch des PslanzenfaserpapiersVoraussetzung ist. Uralt ist freilich das Verfahren, mittels gravierter Formen Zeichen undBilder auf Thon, Stoff, Papier u. s. w. zu prägen. Die Stempel auf den Ziegeln derÄgypter, Assyrer, Babylonier, der römischen Kaiser und der Legionen, die Namensstempel,die Model für Zeugdrucke, Tapeten, für Vordrucke von Initialen in Manuskripten undanderes mehr wären hier zu nennen. Alt war auch die Erfindung, Metall zu gravierenoder zu ätzen, und man mag davon auch gelegentlich einen Abdruck hergestellt haben. Fürdie Geschichte des Kunstdruckes kommt dies alles nicht in Betracht. Sie behandelt nichtAufdrucke aus Stoff oder Papier mittels Stempel, oder Abdruck eines zum Schmuck be-stimmten Goldschmiedeornamentes, sondern die Herstellung von Bildern aus Druckplatten,lediglich zu dem Zwecke, davon Abzüge zu machen.
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